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Marburger weisen Transportwege von Viren nach

Forschung Marburger weisen Transportwege von Viren nach

Die Vorgänge innerhalb einer menschlichen Zelle sind komplex und auch für Wissenschaftler schwer nachzuvollziehen. Marburger Forscher machten nun aber eine Entdeckung, die der weltweiten Viren-Bekämpfung dient.

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Die gelborange leuchtenden Viruspartikel bewegen sich entlang der fingerförmigen Filopodien, wie die zeitversetzten Aufnahmen zeigen. Foto: Gordian Schudt

Marburg. In mancherlei Hinsicht ist Marburg eine außergewöhnliche Stadt. Vom Marburg-Virus befallen zu sein, hat damit jedoch nichts zu tun. In den 60er wurde die tödliche Krankheit bei Mitarbeitern der Behringwerke entdeckt.

Bewegt und in Farbe

Affen aus Uganda übertrugen damals die Viren, die zum Tod mehrerer Menschen führten. Auch aus diesem Grund ist die Virenforschung in Marburg bedeutend.

Ein Team um Professor Stephan Becker und Gordian Schudt von der Philipps-Universität stellten nun anhand des Marburg-Virus (MARV) fest, dass Krankheitserreger vergleichsweise lange Strecken zurücklegen können, indem sie sich am Gerüst der Wirtszellen entlanghangeln.

Die Autobahnen der Viren

Das Marburg-Virus und nahverwandte Erreger nutzen Zellausstülpungen, um sich in die Umgebung auszuschleusen, sodass sie neue Opfer befallen können. Dabei nutzen sie Transportvorrichtungen der Zelle, das sogenannte Zytoskelett. Das Zytoskelett ist für die mechanische Stabilisierung der Zelle und ihre äußere Form, für aktive Bewegungen der Zelle als Ganzes, sowie für Bewegungen und Transporte innerhalb der Zelle zuständig. „Diese Autobahnen machen sich die Viren zunutze“, machte Becker anschaulich.

Mittels einer Markierung von Virusbestandteilen durch einen Farbstoff, der eine leuchtende Spur hinterlässt, gelang es den Wissenschaftlern den Transportvorgang der Virusbestandteile jetzt nachzuvollziehen.

„Dank der Markierung mit Fluoreszenzfarbstoffen wissen wir nun, wie der Transport der Virusbestandteile vonstattengeht und an welchem Ort die infektiösen Partikel zusammengesetzt werden“, fasst Becker die Ergebnisse der Untersuchung zusammen.

Normalerweise seien Viren nach der Infizierung der Zelle erst einmal nicht mehr zu erkennen. Hilfe bei der Markierungstechnik erhielt das Marburger Virologen-Team durch Wissenschaftler aus Hannover, die Experten auf dem Gebiet des intrazellulären Transports von Viren sind.

Durch die neuen Erkenntnisse sei es nun prinzipiell möglich „in den Transportweg einzugreifen“ und auf diese Weise die Vermehrung des Virus zu unterbinden, berichtet Becker weiterhin.

Der Erfolg mache zuversichtlich, dass mit der neuen Methode auch einiges über zelluläre Transportwege zu lernen sei. Zudem sei sie ein Ansatzpunkt für antivirale Medikamente.

Für das Marburg-Virus, das hohes Fieber und Blutungen hervorruft, existiert ein solches Medikament bisher noch nicht.

Die Ergebnisse der aktuellen Marburger Studie sind in der aktuellen Online-Vorabausgabe der englischsprachigen Wissenschaftszeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) nachzulesen.

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