Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Marburger warnt vor humanitärer Katastrophe

Kampf gegen IS Marburger warnt vor humanitärer Katastrophe

Wie viele Kurden in Deutschland drängt der Marburger Farhad Karem auf eine bessere Unterstützung der Kurden, die sich in Syrien und Irak im blutigen Kampf mit der IS befinden

Voriger Artikel
Auf dem Weg in die autofreie Kernstadt?
Nächster Artikel
Anleitung zur Zivilcourage

Rund 2000 Kurden beteiligten sich am Samstag an einer Demonstration in Frankfurt.

Quelle: Boris Roessler

Marburg. Karem ist stellvertetender Vorsitzender des Kurdischen Kulturzentrums in Deutschland und Vorstandsmitglied der Demokratischen Partei Kurdistans in Deutschland. Er fordert eine stärkere Unterstützung der kurdischen Kämpfer auch mit Waffen.

Karem befürchtet eine humanitäre Katastrophe in der kurdischen Autonomieregion im Norden des Irak. Er spricht von bis zu zwei Millionen Flüchtlingen, die hier Schutz vor den Terrorangriffen des IS gesucht hätten. „Bevor der Winter richtig hereinbricht, müssen wir wissen, wie die untergracht werden können“, sagt Karem.

Er begrüßt in diesem Zusamenhang, dass das Parlament am Samstag Chaled al-Obeidi als Verteidigungsminister und Mohammed al-Ghaban als Innenminister bestätigt hat - das Kabinett unter Einbeziehung von Sunniten, Schiiten und Kurden ist somit komplett, die Regierung al-Abeidi handlungsfähiger als vorher. Der Machtkampf in der Hauptstadt Bagdad hat nach internationaler Einschätzung lauch den IS-Vormarsch in weite Teile des Landes begünstigt.

Für Karem sind es dennoch nach wie vor die Kurden, die sich der IS entgegenstellen können. „Die irakische Armee läuft weg“, sagt er.

Insofern fordert der Marburger wie viele seiner Landsleute in Deutschland mehr und bessere Waffen für die kurdischen Kämpfer. „Wir haben die IS im Irak geschwächt“, glaubt er.

Die Hoffnung vieler Kurden in Deutschland, der Kampf gegen den IS-Terror erhöhe die Chancen des Kurden auf einen eigenen Staat, hat sich inzwischen relativiert - vor allem aufgrund des Verhaltens der türkischen Regierung. Die habe zum Teil mehr Angst vor den Kurden als vor der IS, sagt Karem. Die Einkesselung von Kobane hätte von der Türkei verhindert werden können, sie habe stattdessen kurdische Stellungen auf ihrem Staatsgebiet bombardiert.

Mitentscheidend ist für diese Frage auch, wie sich das Verhältnis der türkischen Regierung zur verbotenen Kurdenpartei PKK entwickelt. Viele der kurdischen Peschmera-Kämpfer wie auch Mitglieder der Kurschen Volkspartei haben sich mit der PKK verbündet.

Allein in Frankfurt und Kassel demonstrieren am Wochenende mehr als 2500 Menschen gegen den IS-Terror und für die Rechte der Kurden. Eine Aufhebung auch hier geforderten der PKK-Verbots in Deutschland wird indes von der Bundesregierung derzeit abgelehnt. Ein Fehler, meint Karem, der fordert, die Deutschen müssten sich stattdessen der Gefahr durch die IS bewusster werden.

Karem schätzt die Zahl der IS-Aktivisten in Deutschland auf etwa 8000. Auch in Marburg lebten Mitglieder der IS, befürchtet Karem, der nach eigenen Worten eine Demonstration in Marburg vorbereitet. „Wir wollen den Menschen auch hier danken für ihre Solidarität mit den Kurden in Irak und Syrien zeigen.“

von Till Conrad

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr