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Marburger tauscht Kappe mit Papst Franziskus

Vatikan-Visite Marburger tauscht Kappe mit Papst Franziskus

Den Papst aus nächster Nähe zu erleben, ist der Wunsch jedes gläubigen Katholiken. Für MarcKaiser ist dieser Wunschin Erfüllung gegangen.

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Papst Franziskus nimmt seinen Pileolus vom Kopf, um sich in Anwesenheit von Professor Harald Wagner (2. von links) Marc Kaisers weiße Kappe aufzusetzen, die der Heilige Vater bereits in der linken Hand hält.

Quelle: Privat

Marburg. Papst Benedikt XVI. hatte dem Marburger Psychologiestudenten Marc Kaiser bereits Audienz gewährt. Jetzt ergab sich für den 30-Jährigen die Gelegenheit, auch mit Benedikts Nachfolger Franziskus ins Gespräch zu kommen.

Kaiser reiste im März für elf Tage zusammen mit zehn anderen Stipendiaten der Studienstiftung des deutschen Volkes nach Rom. „Verantwortung der Eliten für ein friedliches Miteinander zwischen Kirche und Kirchen und Staat und Kirche“ lautet das Thema, das die vorwiegend naturwissenschaftlich geprägte Gruppe zuvor erarbeitet hatte. In Rom und im Vatikan erhofften die Stipendiaten, Antworten auf offene Fragen zu finden. Theologischen Beistand erhielten sie durch Kaisers Freund und Mentor, den ehemaligen Marburger Theologie-Professor Harald Wagner. Der 70-Jährige, der jetzt in Münster lebt, begleitete die Gruppe nach Rom, obwohl er seit einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzt.

Höhepunkt des elftägigen Rom-Aufenthaltes war für die Pilger aus Marburg die Teilnahme an der Generalaudienz des Papstes, zu der sich rund 100000 Gläubige auf dem Petersplatz versammelt hatten. Wagner und Kaiser konnten das Geschehen aus nächster Nähe beobachten, denn sie hatten Audienzkarten für die Ehrenplätze direkt neben dem Heiligen Vater. Da diese jedoch mit dem Rollstuhl nicht zu erreichen waren, „gesellten wir uns zu den kranken und behinderten Menschen in der ersten Reihe vor dem Papst“, berichtet Kaiser.

Heiliger Vater begrüßt zuerst die Kranken

Dadurch gehörten beide zu den ersten Audienzteilnehmern, denen sich Franziskus persönlich zuwandte. Denn nachdem er mit dem „Papamobil“ einige Runden durch die Menge auf dem Petersplatz gedreht und seine Predigt gehalten hatte, begrüßte er nicht als erstes die Ehrengäste, sondern eilte direkt zu den Behinderten und Kranken. „Er umarmte viele Menschen, streichelte ihre Köpfe, küsste sie sogar auf Wangen und Stirn und sprach ihnen Mut zu“, sagt Kaiser. „Plötzlich reichte er Harald Wagner die Hand zur Begrüßung. Seine Heiligkeit hörte dem Professor zu, segnete ihn und wandte sich dann mir zu“, erinnert sich der Marburger Student.

Kaiser überreichte dem Papst mehrere Geschenke, darunter auch ein Buch über Marburg und die Philipps-Universität, das Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause der Gruppe mitgegeben hatte.

Vor allem aber überreichte Kaiser seinen Essay „Neurowissenschaften, Astrophysik und Theologie: ein interdisziplinäres Gedankenexperiment“, der in der Festschrift zu Wagners 70. Geburtstag „Kirche mit Zukunft“ publiziert werden soll. „Franziskus nahm meinen Essay aus der Mappe und stöberte interessiert und neugierig darin herum“, berichtet Kaiser.

So fasste sich dieser ein Herz und fragte den Papst, ob er ihm die Ehre erwiese und den „Scambio di Pileolus“ mit ihm vollzöge. Dafür hatte Kaiser eigens in Rom einen Pileolus (siehe „Hintergrund“) erworben. „Der Heilige Vater nickte und schmunzelte, holte meinen weißen Pileolus aus meiner Hutschachtel, nahm seinen vom Haupt und legte seinen in meinen“, erzählt Kaiser. „Dann rieb er beide ineinander und beäugte sie untersuchend.“ Schließlich schaute Franziskus auf und sagte lachend auf englisch zu Kaiser: „Ihr Pileolus ist größer als meiner.“ Spontan musste auch Kaiser lachen. Danach setzte der Papst sich den Pileolus des Studenten auf, „rieb ihn zunächst an seinem Haupt und begann dann mit seinen Händen rechts und links seines Gewandes kreisende Aufwärtsbewegungen zu machen“.

Papst und Student krümmen sich vor Lachen

Dann fragte er Kaiser mit einem Augenzwinkern: „Fühlen Sie die geistliche Energie aufsteigen zu Ihrem Pileolus?“ Und legte die weiße Kappe zurück in die Hutschachtel des Marburger Studenten, nachdem beide, wie Kaiser berichtet, sich vor Lachen gekrümmt hatten.

Es folgte zum Abschied ein weiteres Händeschütteln. Und der Papst „bat mich, seinen Segen mit zu den Menschen in unseren Heimatstädten zu nehmen“, berichtet Kaiser.

Den vom Heiligen Vater quasi geweihten Pileolus hütet Kaiser als kostbares Andenken an seinen Rom-Besuch. Sollte dereinst Franziskus wie sein Vorvorgänger Johannes Paul II. selig oder sogar wie Pius X. heilig gesprochen werden, dann hielte Kaiser, wie er sagt, eine Reliquie in Händen.

von Michael Arndt

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