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"Marburger fühlen sich wieder sicherer"

Präventions-Programme "Marburger fühlen sich wieder sicherer"

"Marburg gegen Gewalt": Das ist der Titel eines Kooperationsprojektes der Stadt Marburg und der Uni-Arbeitsgruppe Sozialpsychologie, dessen Zwischenbilanz jetzt gezogen wurde.

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Rund um Marburg-Mitte (großes Foto) ist es ruhiger geworden. Dass es so bleibt, hoffen (kleines Foto von links:) Johannes Maaser, Professor Ulrich Wagner, Stephan Grün-Fischer, Regina Linda und Dr. Franz Kahle. Fotos: Richter/Hitzeroth

Marburg. „Wir haben es in den vergangenen zwei Jahren geschafft, dass die Häufung von Gewaltdelikten rund um Marburg-Mitte zurückgegangen ist“, sagte Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) gestern bei einer Pressekonferenz im Marburger Rathaus. „Die Marburger fühlen sich wieder sicherer“.

Als die öffentliche Debatte um das Unsicherheitsgefühl und nächtliche Übergriffe von Jugendlichen vor einigen Jahren auch das Parlament erreicht hätte, habe die Stadt Marburg Handlungsbedarf gesehen. „Da mussten wir reagieren, weil wir die Entwicklung bedrohlich fanden“, so der Bürgermeister. Mittlerweile sei der Raum rund um das Marktdreieck und den Elisabeth-Blochmann-Platz heller und besser einsehbar gestaltet worden, auch die Aufstellung einer Toilettenanlage an den Mensa-Bänken habe mittlerweile zur Entschärfung der nächtlichen Situation in Marburgs neuer Mitte geführt. Auf Nachfrage der OP zum Vergleich des Sicherheitsgefühls in Marburg und Frankfurt meint Kahle deswegen auch: „In Marburg lebt man viel sicherer als in Frankfurt“. Ganz so eindeutig will sich der Sozialpsychologe Professor Ulrich Wagner von der Uni Marburg, Kooperationspartner der Stadt in dem Projekt „Marburg gegen Gewalt“, nicht äußern. Er verweist darauf, dass als Grundlage für die Häufigkeit von Gewaltdelikten derzeit als verlässliche Datenbasis nur die Polizeistatistiken vorliegen. Dort würden nur die angezeigten Straftaten erfasst. Die nicht angezeigten Gewaltdelikte unterhalb der Schwelle einer Straftat fallen jedoch ebenso durch das Raster wie die der Polizei nicht bekannt gewordenen Vorfälle.

Ein Hauptanliegen des Projektes „Marburg gegen die Gewalt“, bei denen die Sozialpsychologen mit Fachleuten vom Marburger Ordnungsamt kooperieren ist es aber, jenseits aller statischen Unsicherheitsfaktoren Marburg noch sicherer zu machen. Die Marburger Ordnungsamtleiterin Regina Linda sagte, dass man sich in Sachen Gewaltbekämpfung eventuell immer wieder auf neue Problemstellungen einstellen müsse.

Dabei geht es vor allem um die Bekämpfung der Ursachen und der Auswirkungen von Jugendgewalt, erläutert Professor Wagner. Ziel sei es, die rund 80 Einzelprojekte zur Gewaltvorbeugung in Marburg systematisch miteinander zu vernetzen. Denn diese seien derzeit nur vereinzelt inhaltlich oder zeitlich aufeinander abgestimmt. So gebe es beispielsweise Probleme nach dem Übergang von Kindern vom Kindergarten in die Grundschule oder von der Grundschule in weiterführende Schulen, wo die Pädagogen mit völlig unterschiedlichen Programmen und Präventionsangeboten arbeiten würden.

Seit Mai 2013 arbeiten Johannes Maaser (Sozialpsychologie) und Stephan Grün-Fischer (Ordnungsamt) gemeinsam daran, die Vernetzung auf professioneller Ebene voranzutreiben. Als Zwischenergebnis stellten sie gestern eine Internetseite vor: Dieser „Präventionsatlas“ stellt online die Ziele und Herangehensweise der verschiedenen Gewaltpräventions-Programme nebeneinander. Der Atlas soll nicht nur den Experten aus Behörden, Vereinen, Schulen und Kindergärten wichtige Hilfestellung und Denkanstöße geben. Auch für Betroffene von Gewaltattacken werden dort Hilfsangebote vorgestellt. Der Internetauftritt ist auf der Seite www.einsicht-marburg.de ins Netz gestellt. Die Seite soll laufend aktualisiert und wird vom „Netzwerk gegen Gewalt“ Mittelhessen finanziert. Professor Wagner hofft, dass der Aufruf zur Ächtung von Gewalt bei möglichst vielen Marburgern auf fruchtbaren Boden fällt. Um das Ziel einer weitestgehenden Gewaltfreiheit zu erreichen, sei es wichtig, dass möglichst viele Bürger gemeinsam genau hinschauen.

von Manfred Hitzeroth

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