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Marburger feiern ein Wahrzeichen

125 Jahre Spiegelslust Marburger feiern ein Wahrzeichen

Bei bestem Sommerwetter wurde am Sonntag das 125-jährige Bestehen des Kaiser-Wilhelm-Turms und das zehnjährige Engagement des  gemeinnützigen Vereins Mobilo auf Spiegelslust gefeiert.

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Oberbürgermeister Egon Vaupel stellte das Elisabeth-Herz als Symbol für Solidarität und Nächstenliebe in den Mittelpunkt seiner Festrede.

Quelle: Melchior Bonacker

Marburg. Die Mobilo-Vorsitzende Carin Götzfried moderierte den Tag gemeinsam mit ihrem Mann Lutz Götzfried. Die Feierlichkeiten begannen mit dem selbstgedichteten Turm-Blues.

Dieser bestand größtenteils aus einer eigens vertonten Version des Gedichts eines Marburger Bürgers, der 1885 den Einsturz des ursprünglichen „Siegesthurms“ ironisch kommentierte.

Nach diesem kulturellen Leckerbissen wurde es historisch: Jens Diedrichsen trug unter Bezugnahme auf das 2012 erschienene Buch zur Geschichte des Turms von Karl-Heinz Gimbel einige Eckdaten vor und erläuterte diese.

Danach kam es mit „Türme der Weltliteratur“ von Johannes Maria Becker und Maximiliane Jäger-Gogoll zu einer etwas anderen Betrachtung des Anlasses. Sie stellten unter anderem mit einer musikalischen Umsetzung eines Gedichts von Heinrich Heine, einer Lesung des Märchens „Dornröschen“, sowie eines Auszug aus dem 1946 erschienenen Roman „Diebe in der Nacht“ von Arthur Koestler verschiedene Beispiele für die Wahrnehmung und Bedeutung von Türmen in der Literatur vor.

Nach diesem kulturell-humorvollen Beitrag lud der Marburger Heimatkundler Karl-Heinz Gimbel selbst zu einer Führung hinauf auf den Jubilar, den Kaiser-Wilhelm-Turm, ein, bei der nicht nur der Tourist, sondern selbst der eingefleischteste Marburger noch einige ebenso unbekannte wie interessante Details über die bewegte Geschichte dieses Wahrzeichens erfahren konnte.

So erklärte der Autor und Ex-Kreispolitiker dem lauschenden Publikum, wie der Freiherr von Spiegel dem Aussichtsplatz seinen Namen lieh, warum der ursprünglich als „Siegesthurm“ zum Gedenken an den Deutsch-Französischen Krieg 1870 bis 1871 geplante Turm heute Kaiser-Wilhelm-Turm heißt und wie es dazu kam, dass der Baumeister des ersten Turms, der 1880 einem Orkan zum Opfer fiel, vom Bau des Nachfolgers ausgeschlossen wurde.

Vaupel: immer ein offenes Ohr für den Verein Mobilo

Dieser Nachfolge-Turm, der heutige Spiegelslustturm, wurde am 2. September 1890, dem Jahrestag der Schlacht bei Sedan, eingeweiht. An diesem Tag wurde somit der Grundstein für die Feierlichkeiten in diesem Jahr gelegt.

Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD), der die Schirmherrschaft für die Feier übernommen hatte,  wies darauf hin, dass für ihn persönlich die Fertigstellung des Turms erst 2005 oder gar 2007 erfolgte, mit dem Einzug des Vereins Mobilo beziehungsweise der Anbringung des Elisabeth-Herzens, welches der Stadt seit acht Jahren als Wahrzeichen dient.

Dieses Herz stehe für Solidarität und Nächstenliebe und somit auch, was Vaupel besonders betonte, für die Selbstverständlichkeit, Flüchtlinge in Marburg aufzunehmen.

Des Weiteren lobte Vaupel das Engagement des Vereins Mobilo und versprach, dass die Stadt auch in Zukunft immer ein offenes Ohr für die Anliegen des Spiegelslust-Projekts haben werde.

Schließlich zapfte Vaupel noch das Bierfass an, bevor das „Odessa-Projekt“ Balkanmusik auf die Bühne und Erzählkünstler Philipp Layer Märchen ins Turmzimmer brachte.

von Melchior Bonacker

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