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Marburger erforschen Sprachmelodien

Deutscher Sprachatlas Marburger erforschen Sprachmelodien

Innenminister Peter Beuth besuchte am Dienstag den Deutschen Sprachatlas in Marburg, der der Uni angegliedert ist.

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Professor Jürgen Erich Schmidt (links) und Universitätspräsidentin Professorin Katharina Krause informierten Innenminister Peter Beuth über die Forschungsarbeiten am Deutschen Sprachatlas.

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. Alle Mitglieder des Landeskabinetts sind in dieser Woche unterwegs in Hessen, um Forschungseinrichtungen im Land zu besichtigen. Nachdem Innenminister Peter Beuth (CDU) am Vormittag noch in anderer Sache beschäftigt war und eine Tagung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) besucht hatte, stand für ihn am frühen Nachmittag eine Art wissenschaftlicher Weiterbildung der besonderen Art in Marburg an.

Sprachwissenschaftler untersuchen Wandel der Dialekte

Es ging um einen Besuch des deutschlandweit einzigartigen Sprach-Forschungszentrums „Deutscher Sprachatlas“, der auch international führend in der Dialekt-Forschung ist. Ausgehend von dem wegweisenden  Forschungsprojekt von Georg Friedrich Wencker im ausgehenden 19. Jahrhundert untersuchen die Marburger Sprachwissenschaftler unter Leitung von Professor Jürgen Erich Schmidt unter anderem, warum sich die traditionellen Dialekte in moderne Regionalsprachen mit Dialekt-Resten wandeln. „Die Grenzen dieser neuen Regionalsprachen entsprechen immer noch den alten Dialektgrenzen“, erzählte Schmidt seinem Gast.

Ein klassisches Beispiel für diesen Sprachwandel stellte übrigens der Minister selbst dar. „Ich bin ein kölsche Jong“, machte Peter Beuth nach einer kurzen Begrüßung durch die Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause deutlich. Allerdings gestand er, dass er kein Dialekt-Sprecher sei. Denn er sei in einer Industrie-Stadt in der Nähe von Köln in einem Umfeld aufgewachsen, in dem der rheinische Dialekt nicht vorwiegend gesprochen worden sei. Zwar verstehe er Kölsch – also den Dialekt der Kölner – zu 90 Prozent, könne es aber kaum sprechen.

Nach einem kurzen Vortrag Schmidts über den modernen Sprachwandel stellte der Minister eine Frage, die den Sprachwissenschaftler sichtlich begeisterte. Beuth wollte wissen, ob die Forscher denn auch unterschiedliche Sprachmelodien erforschen würden.

Herkunft von Straftätern anhand des Dialekts ermitteln

Damit hatte Beuth genau ins Schwarze getroffen, denn Professor Schmidt ist ein Spezialist für die Erforschung von Sprachmelodien, über die er auch seine Doktorarbeit verfasst hat. Im rheinischen Raum rund um Köln gebe es die deutschlandweit einmalige Besonderheit, dass die Dialektsprecher durch die unterschiedliche Akzentuierung von Tönen unterschiedliche Wortbedeutungen hervorrufen können. Wie in Europa sonst nur in Skandinavien oder weltweit beispielsweise in China spielen die „prosodischen“ Variationen im Rheinischen eine spezielle Rolle.

Doch auch in den anderen Forschungsschwerpunkten haben die Wissenschaftler am Deutschen Sprachatlas einiges zu bieten. So erklärte der Sprachwissenschaftler Professor Roland Kehrein anhand von Beispielen, dass Marburger Forscher in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt und weiteren Ermittlungsbehörden Modelle zur Erkennung der Herkunft von Straftätern anhand deren Dialektfärbung erstellen.

Und die klinische Linguistin  Professorin Christina Kauschke stellte ihre Forschungen zur Spracherwerbs-Störung bei Kleinkindern vor. Rund acht Prozent der Kinder eines jeden Jahrgangs leiden in dieser Hinsicht an therapiebedürftigen Einschränkungen, berichtete Kauschke.

von Manfred Hitzeroth

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