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Marburger SPD sucht neuen Bewerber

OB-Kandidaten Marburger SPD sucht neuen Bewerber

Die Marburger SPD gerät nach dem krankheitsbedingten Rückzug ihres gewählten OB-Kandidaten Matthias Acker unter Druck: Den Nominierungsparteitag von Dezember wird die Partei wiederholen.

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Siegesgewiss war SPD-Oberbürgermeisterkandidat Matthias Acker beim Nominierungsparteitag – nun hindert ihn eine schwere Krankheit an der Kandidatur.

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. Spekulationen gab es bereits in den vergangenen Tagen: Der SPD-Spitzenkandidat fehlte bei einigen wichtigen Veranstaltungen, etwa dem Neujahrsempfang der Stadt am Samstag, auch bei der 300 Teilnehmer zählenden Windkraft-Debatte in Moischt – im Gegensatz zu CDU-Mann Dirk Bamberger. Nun ist der Grund dafür bekannt: Der 52-Jährige leidet an einer schweren Krankheit.

„Bedingt durch den hohen Stressfaktor im Wahlkampf ist es zu massiven Herz-Kreislauf-Problemen gekommen, die mir eine Aufrechterhaltung der Kandidatur unmöglich machen“, sagte er am Montag. Am Dienstagabend soll nun bei einer Vorstandssitzung über das weitere Vorgehen, auch die Kandidatensuche beraten werden. „Wir wissen von der Krankheit erst seit wenigen Tagen, daher haben wir auch noch keinen Zeitplan, wie es weitergeht“, sagt die Marburger SPD-Parteivorsitzende Monika Biebusch. Zu möglichen Ersatzkandidaten wollte sie sich auf OP-Anfrage nicht äußern. „Wir beraten ab Dienstagabend.“

Vaupel: Das ist alles sehr tragisch

Klar sei jedoch, dass der neue OB-Anwärter Inhalte und Visionen vertreten müsse – „aber wir können auch nicht so tun, als ob es den CDU-Gegenkandidaten und dessen Vorstellungen nicht gebe“, sagt sie. Ein „anderer muss ja kein schwächerer Kandidat sein“, sagt sie. Thorsten Büchner, stellvertretender SPD-Parteichef, ergänzt: „Acker war unser Wunschkandidat. Jetzt müssen wir die beste Lösung für und in der jetzigen Situation finden“, sagt Büchner. Aktuell sei aber „das Politische in den Hintergrund gedrängt“, die Gedanken seien bei dem Erkrankten und der Familie.

Oberbürgermeister Egon Vaupel, der dem SPD-Parteivorstand Acker als seinen favorisierten Amtsnachfolger vorschlug, äußerte sein Bedauern: „Er hat mein vollstes Mitgefühl, das ist alles sehr tragisch.“ Die gesundheitliche Vorgeschichte des Diplom-Kaufmanns war vielen bekannt. Dennoch stellt der SPD-Bundestagsabgeordnete Sören Bartol die Nominierung nicht in Frage. Eine Diskussion über absehbare Risiken verbiete sich. „Die Kandidatur ist eben mit enormem Stress verbunden“, sagt er. „Aber so eine Bewerbung und einen Rückzug macht ja niemand einfach so aus Spaß.“

Grüne regen gemeinsamen Koalitions-Kandidaten an

„Weder für ihn noch für uns ist diese Entwicklung absehbar gewesen“, sagt auch Biebusch. „Es stimmt mich traurig, dass er sich zu diesem Schritt entschieden hat. Wir wünschen Matthias, dass er schnellstmöglich wieder gesund wird.“ Bartol schloss indes eine Kandidatur aus. „Ich bin gerne stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion“, sagte er.

Die Grünen sehen in dem Acker-Rückzug eine Chance, sich mit dem Koalitionspartner auf einen gemeinsamen Kandidaten zu verständigen. „Ich bin erst einmal geschockt“, sagt Dietmar Göttling, Fraktionschef der Grünen im Stadtparlament. „Aber so schade es ist, eröffnet sich dadurch auch eine neue Chance sich zusammenzusetzen.“

Die Grünen haben bisher keinen eigenen Kandidaten für die OB-Wahl aufgestellt – am Wochenende sollen bei einem Treffen neben Haushalts- auch Personalfragen beraten werden. „Ich würde mich freuen, wenn die SPD auf uns zukommt“, sagt Göttling. „Das fände ich in einer Koalition angemessen.“

Die Entwicklung erinnert an den Bewerbungs-Rückzieher von Amöneburgs Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg, der 2013 als Landratskandidat für die SPD antreten sollte. Er verzichtete überraschend, die Sozialdemokraten nominierten kurzfristig Kirsten Fründt – die als mögliche Vaupel-Nachfolgerin in Marburg galt.

Der Diplom-Kaufmann Matthias Acker wurde Anfang Dezember mit 98 Prozent der Stimmen während eines Parteitags als Spitzenkandidat gewählt. Der in Wehrda lebende Familienvater war der Wunschkandidat von Amtsinhaber Egon Vaupel (SPD). Dieser schlug der Parteispitze Stunden nach seiner Rücktrittserklärung im Oktober vor, den bei den Gießener Stadtwerken arbeitenden Finanzexperten zu nominieren. Im 760 Mitglieder zählenden Parteiverband sind viele traurig über die Entwicklung.

von Björn Wisker und Peter Gassner

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