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Marburger Model: Tim Brandt ist "Einer von hier"

Einer von hier Marburger Model: Tim Brandt ist "Einer von hier"

Tim Brandt findet sich selbst nicht auffallend schön. Die Mode- und Werbeindustrie sieht das anders. Brandt lächelte schon von Hochhausfassaden und aus Hochglanzmagazinen. Trotzdem bleibt das Modeln für ihn eines: Hobby.

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Als er zuletzt Abenteuerluft riechen wollte, sprang er in Mexiko von einer Klippe. Er zahlte mit einem Steißbeinbruch und der Erkenntnis, dass nicht immer alles nach Plan läuft. Würde es nach Tim Brandt gehen, wären Pläne ohnehin nur dafür da, immer neu überdacht oder komplett verworfen zu werden. „Es kommt bei mir sowieso meist anders, als ich denke.“ Eine Lebenseinstellung, die ihn die Welt sehen, viele Berufe ausprobieren und viele Menschen kennenlernen ließ. Der gebürtige Marburger arbeitet derzeit als Marketingleiter bei Mercedes Benz. Dazwischen war er Topmodel, Gründer einer Zeitschrift und Lebensgenießer. Planlos ist er dabei nie vorgegangen. Wohl aber immer bereit, einen Plan loszulassen. Zumindest dann, wenn ein Abenteuer, eine neue Erfahrung oder eine Herausforderung lockte.

Einer Planänderung hat Tim Brandt auch seine Modelkarriere zu verdanken. Plötzlich lächelte der „Marburger Junge“ von haushohen Plakaten und Fanta-Flaschen, lief auf internationalen Modeschauen und war in zahlreichen Fernsehspots zu sehen. Fast 15 Jahre ist das her. Damals ließ Brandt ein paar Fotos von sich machen. Nur so. Zum Spaß. Seine damalige Freundin modelte, träumte von der großen Karriere. Sie hat es nicht geschafft, Tim Brandt schon. Und das, obwohl er sich selbst nicht als besonders hübsch empfindet. „Ich war einfach der Typ, der den Zeitgeist getroffen hat“, erklärt er. Elite, die größte Modelagentur, nahm in unter Vertrag. Die Aufnahmen kamen an, Brandt wurde gebucht. Er arbeitete für Marken wie Hugo Boss, Joop, Levis oder Coca-Cola. „Ich fand das Modeln insgesamt toll. Ich habe normal gelebt und gefeiert und nebenbei weiter studiert.“

Besuch in der Weihnachtszeit ist Pflicht

Er fand es so toll, dass er sogar seine Koffer packte, um nach New York zu ziehen. Drei Tage, bevor die Flugzeuge in die Twin-Towers krachten. Drei Tage, bevor das Thema „Mode“ in New York zur Nebensächlichkeit wurde. „Die Zeit in New York war eine sehr intensive Erfahrung. Ich fühlte mich nach dem Anschlag wie gefangen in der Stadt. Da war ein ständiges Gefühl der Unsicherheit.“ Nach Wochen erst gelang es ihm, einen Flug zu ergattern und der einstigen Modestadt, deren Gesicht plötzlich ein anderes war, den Rücken zu kehren. Es folgten weitere Aufträge, weitere Reisen durch die ganze Welt. Und irgendwann folgte die Einsicht: „Ich muss mich mal wieder um mein richtiges Leben kümmern.“

Und das „richtige“ Leben, das spielt sich bei Tim Brandt seit 1994 in Berlin ab. Hierhin zog es ihn, nachdem er seine Banklehre in Marburg beendet hatte. Hier blieb er, selbst als er merkte, dass das Studium der Wirtschaftswissenschaften für ihn das falsche war. Hier schloss er sein Lehramtsstudium ab, hier hat er seinen Lebensmittelpunkt gefunden. „Ich habe mich immer wieder für Berlin entschieden. Ich liebe einfach das Großstädtische.“

Die Stadt mit all ihren Möglichkeiten, all ihren unterschiedlichen Kulturen und Facetten, ist zur Konstante in Tim Brandts Leben geworden. Manchmal die einzige. „Ich habe viele Brüche in meinem Lebenslauf“, weiß er. Lehrer ist Brandt, trotz Studienabschluss, nie geworden. Dafür aber Mitbegründer und Chefredakteur der internationalen Kultur- und Lifestyle-Zeitschrift „Deutsch Magazine“, Ressortleiter beim Tagesspiegel, Redakteur bei n-tv, Kommunikations- und Marketingberater bei der Telekom und bei Mercedes Benz. Manchmal waren es äußere Umstände, manchmal der Wille, sich zu verändern, die einen weiteren Bruch verursachten. „Wenn ich Lehrer geworden wäre, wäre vieles einfacher gewesen. Aber ich würde alles wieder so machen. Vielleicht ein klein bisschen zielgerichteter.“

Das Modeln - es ist ein Hobby geblieben. Die Jahre, in denen ein Auftrag den nächsten jagte, sind vorüber. Ab und an rufen sie noch mal an, die Modemacher und Fotografen. Dann, wenn es sein Terminkalender zulässt, willigt er ein. Manchmal. Manchmal aber hat er auch Besseres zu tun. Etwa seine Eltern in der alten Heimat zu besuchen. In der Stadt, die ihm nach dem Abitur so klein, so provinziell und so verschlafen vorkam. „Ich bin jahrelang nur Weihnachten oder Ostern hierher gekommen. Jetzt war ich im Sommer da und habe wiederentdeckt, welch traumhaft schöne Stadt Marburg doch ist“, schwärmt Brandt. „Hier gibt es eine Romantik, die ich all die Jahre in Berlin vermisst habe. Ich habe sogar kurz darüber nachgedacht, wie es wäre, für immer zurückzukommen.“

von Marie Lisa Schulz

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