Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 6 ° Regen

Navigation:
Marburger Kurde plädiert für Waffenlieferungen

Nahost-Konflikt Marburger Kurde plädiert für Waffenlieferungen

Nur die Kurden können dem Vormarsch der islamistischen Terrormilizen vom „Islamischen Staat“ (IS) Einhalt gebieten, glaubt Farhad Karem.

Voriger Artikel
Dauerbaustelle in der Innenstadt
Nächster Artikel
Zusammenspiel von Mensch und Tier

Geflohene Jesiden erhalten bei Dohuk im Nordirak humanitäre Hilfe. Bis 700  000 Menschen müssen in den Kurdengebieten versorgt werden, sagt Marhar Karem.

Quelle: dpa

Marburg. Seit mehr als 30 Jahren lebt Farhad Karem in Marburg und engagiert sich für die Sache der Kurden. Er ist stellvertetender Vorsitzender des Kurdischen Kulturzentrums in Deutschland und Vorstandsmitglied der Demokratischen Partei Kurdistans in Deutschland.

In der aktuellen Diskussion um Waffenlieferungen an die Kurden im Irak vertritt Karem eine klare Haltung: „Nur die kurdischen Kämpfer haben die Möglichkeit, den Vormarsch der IS aufzuhalten“, sagt er.
Es geht in der Debatte um einen richtungsweisenden Schritt in der deutschen Außenpolitik: Kanzlerin Angela Merkel will in einer Sondersitzung des Bundestags am
1. September die geplanten Waffenlieferungen an die Kurden im Nordirak thematisieren.

Islam ist "gewalttätige Religion"

„Der ,Islamische Staat‘ stellt nicht nur eine Bedrohung für die Kurden und den Nahen Osten dar, sondern auch für Europa“, sagt Farhad Karem im Gespräch mit der OP und schlussfolgert: Es liegt im Interesse Europas und der USA, den Islamischen Staat im Irak zu bekämpfen – aber auch in Europa Härte zu zeigen: „In Frankfurt verteilt der IS an der Zeil Flugblätter und versucht Aktivisten anzuwerben – ich kann nicht verstehen, warum das erlaubt ist“, sagt er.

Das passt zu seiner Haltung zum Islam, die Farhad Karem als eine „gewalttätige Religion“ einstuft. Das sei der Hintergrund auch für die Tatsache, dass die IS-Kämpfer aus den Islamischen Nachbarstaaten des Irak, namentlich Iran und Türkei, zu Tausenden und mit Wissen der jeweiligen Regierungen in den Nordirak eingesickert seien. Das schauerliche Video von der Enthauptung eines amerikanischen Journalisten oder die dramatische Lage der zu zehntausenden eingekesselten Jesiden seien lediglich die Spitze des Eisbergs.
Gemeinsam aber, da ist sich der Marburger sicher, werden die Peschmerga, die Armee des autonomen Kurdengebiets im Norden des Iraks, und Kämpfer der Kurdischen Kommunistischen Partei PKK, die IS-Islamisten zurückschlagen. Erster Erfolg: die Zurückeroberung des großen Staudamms bei Mossul.  „Das unterscheidet uns Kurden: wir sind tapfer!“, sagt Karem. Die irakische Armee sei im Sommer einfach weggelaufen.

Etwa 700 000 Flüchtlinge müssen versorgt werden

Viele Kurden sehen in der gegenwärtigen Situation im Nahen Osten auch eine Chance, ihrem seit Jahrzehnten verfolgten Ziel eines kurdischen Nationalstaates näherzukommen. Sie leben in Gebieten in der Türkei, im Irak, Iran und der Türkei. Ihr  politischer Kampf um einen eigenen Staat wurde in Westeuropa vor allem durch die Aktivisten der PKK bekannt, die unter ihrem Vorsitzenden Abdullah Öcalan auch vor Anschlägen nicht zurückschreckte.

Inzwischen neigt sich zumindest der kurdisch-türkische Konflikt dem Ende entgegen. Öcalan, seit 1999 auf einer Insel im Marmarameer inhaftiert, bemüht sich um ein politisches Arrangement mit dem neu gewählten Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan der Kämpfern der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK den Weg in die türkische Gesellschaft ebnen soll. Im Irak, so glaubt Farhad Karem, wird es nicht mehr lange dauern, bis die staatliche Einheit zerbricht und das Staatsgebiet aufgeteilt wird unter den Kurden im Norden, den Sunniten in der Mitte und den Schiiten im Süden des Landes. Ähnliche Pläne gibt es von der Sunnitischen Mehrheit.

400 deutsche Firmen

Für die Kurden im Irak wäre die Entwicklung konsequent, so sieht es Karem. Die wirtschaftliche Entwicklung der Region sei gut; 400 deutsche Firmen machen in der Region Geschäfte.  
Derzeit größter politischer Trumpf in der Auseinandersetzung um Waffenlieferungen im Kampf um die IS und weitergehende staatliche Unabhängigkeit: die Westorientierung der Kurden unter Präsident Masud Barzani, dem Vorsitzenden der Demokratischen Partei Kurdistans. „Die Kurden wollten dem Westen nie etwas tun“, sagt Karem, der auch das Existenzrecht Israels ausdrücklich anerkennt.
Die Kurden also als die neue ordnende Kraft im Nahen und Mittleren Osten? Offenbar setzen, so sieht es Karem, die USA auch in der unübersichtlichen Lage in Syrien darauf, dass kurdische Kämpfer die IS im Osten des Landes zurückschlagen können. Nur so gebe es eine Chance, das Land dem Einfluss der Islamisten zu entziehen.

Vorerst aber geht es Karem um schnelle humanitäre Hilfe. In der Autonomen Region Kurdistans seien 700 000 Flüchtlinge zu versorgen - Jesiden und andere Minderheiten, Opfer der Islamisten. „Was wir brauchen, ist  ein Dach über dem Kopf für diese Menschen – und zwar schnell, vor dem Winter.“

von Till Conrad

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr