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Marburger Grüne forcieren Windkraft

Erneuerbare Energien Marburger Grüne forcieren Windkraft

Die Marburger Grünen haben auf ihrem Stadtparteitag die Forderung des Baus von zwei Windrädern auf dem „Lichter Küppel“ bekräftigt – mit Schlagworten wie „absurde Ablehnung“, „diffuse Ängste“, „aufgebauschte Probleme“.

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Zwei 140 Meter hohe Windräder sind auf dem „Lichter Küppel“ bei Moischt geplant. Die Grünen wollen mit den Stadtwerken die Energiewende in Marburg vorantreiben – doch es gibt Kritik.

Quelle: Archiv

Marburg. Die Parteimitglieder pochen auf die Einhaltung des im Koalitionsvertrag mit der SPD festgeschriebenen Windkraftausbaus.

Seit der Errichtung der Anlagen in Wehrda 2003 und 2005 sei in Marburg in Bezug auf die Energiewende „nichts mehr passiert, und das kann so nicht bleiben, weshalb wir den geplanten Windpark umsetzen wollen“, sagt Dietmar Göttling, Grünen-Fraktionschef im Stadtparlament. Er kritisiert die negative Entscheidung des Ortsbeirats Marbach zum Kleinwindrad zwischen dem Stadtteil und Wehrshausen und die Haltung vieler Schröcker sowie Moischter zu den Planungen des Windparks „Lichter Küppel“ (die OP berichtete).

Ein Ja zu erneuerbaren Energien im Grundsatz, aber ein Nein zu sichtbaren Windrädern widerspreche sich „Diejenigen, die vor Ort sind, wollen so etwas nicht. Vieles basiert dabei auf Unwissenheit“, sagt Göttling. „Die Ablehnung schaukelt sich hoch, weil einige Anwohner Probleme wie Schattenwurf, Lärm oder Artenschutz aufbauschen. Alle möglichen Folgen werden zu einer unglaublichen Bedrohung gemacht, das ist absurd“, ergänzt Uwe Volz, Vorsitzender des Umweltausschusses. Die Grünen wollen angesichts der Mitte Juni wohl bevorstehenden Bürgerbefragung zu dem Thema „Scheinargumente der Gegner entlarven und mit Fakten dagegenhalten“, sagt er.

Moischter und Schröcker kritisieren Bauvorhaben

Einige Einwände trugen Kritiker bei einer Info-Veranstaltung der Stadtwerke und des Magistrats in Moischt, die 300 Zuhörer zählte, vor. Der städtische Vogelschutzbeauftragte Martin Kraft warnte vor massivem Vogelsterben. „Pro Stunde werden rund 20 Tiere entweder gehäckselt oder amputiert, um ein paar hundert Meter weiter elendig zu sterben.“ Sorge des Denkmalschutzbeirats: „Auf dem Lichter Küppel gibt es bedeutsame Grabhügel, deren Wirkung als Ensemble durch die Anlagen verloren geht“, sagte Professor Dr. Andreas Müller-Karpe.

Dass die Natur Schaden nimmt, befürchten einige Anwohner. „Das ist ein starker Eingriff in die Landschaft“, sagte Günther Stumpf. Auch vom Richtsberg kommt Kritik. „Ich kriege das Gruseln bei diesen Plänen. Ein Disko-Effekt wird Hunderte Wohnungen betreffen, es wird für Tausende Leute schattiger“, sagte Professor Heinz Stoffregen.

Volz hält dagegen: Eine befürchtete große Waldrodung gebe es nicht – sie beschränke sich auf 7800 Quadratmeter, „etwas mehr als die Fläche eines Fußballfelds“. Zudem sei der Wind laut der 13 Monate dauernden Testmessung stark genug – 6,5 Meter pro Sekunde, womit „ein wirtschaftlicher Betrieb dicke möglich und kein Vergleich zu Wehrda ist“.

„Irgendwo in der Stadt werden Anlagen hin müssen“

Thema Verdunkelung: Von 8600 Stunden, die ein Jahr zähle, spreche man von einem maximal achtstündigen zusätzlichen Schattenschlag pro Jahr – und selbst davon sei angesichts des Abstands der Windräder zu Wohngebieten kein Anwohner in Moischt, Schröck oder Richtsberg betroffen, sagt Volz.  

Dass der Windpark am Widerstand der Bürger jedoch scheitern könnte, befürchtet Martina Rupp, Mitglied des Ortsbeirats Bauerbach. Sie warnt ihre Partei vor „dem auch Fakten entgegenschlagenden Misstrauen der Bewohner“. Sie mache „diffuse Ängste“ gegenüber Windkraft aus, es gebe auch Befürchtungen, dass es sich um „ein Prestigeprojekt handelt“ und „Gutachter nur die gewünschten Ergebnisse zurechtmogeln“. Uwe Volz kontert: „Ein falsches Gutachten haben zu wollen, schadet dem Investor, es drohen riesige wirtschaftliche Verluste. Denn wenn sich herausstellt, dass die Ergebnisse falsch sind, würden die Räder stillgelegt.“

„Irgendwo in der Stadt werden Anlagen jedenfalls hin müssen, wenn die Marburger für erneuerbare Energien sind“, sagt Dr. Karsten McGovern, Ex-Erster-Landkreisbeigeordneter.

von Björn Wisker

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