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Marburg will bei Umzug Vielfalt zeigen

Zu Gast auf dem Hessentag Marburg will bei Umzug Vielfalt zeigen

Unter dem Slogan „Ort der Vielfalt und des fairen Handels“ möchte sich die Stadt beim Hessentagsfestzug in Hofgeismar präsentieren. Mit dabei sind der Ausländerbeirat und das Kerstin-Heim.

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Besucher gehen am 8. Juni 2014 auf dem Hessentag in Bensheim über die Festmeile. In diesem Jahr findet die Großveranstaltung in Hofgeismar statt.

Quelle: Arne Dedert

Marburg. Auch Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) möchte sich den letzten Hessentag in seiner Amtszeit nicht entgehen lassen und wird persönlich beim Umzug am Sonntag, 7. Juni, dabei sein. „Unsere Intention ist, das Ereignis an den Special Olympics festzumachen, die wenig später in Marburg stattfinden“, so das Stadtoberhaupt. „Außerdem ist der Hessentag als ein Tag für die Menschen in Hessen gedacht – also für alle, die in Hessen leben.“ Dementsprechend ziele das Motto darauf, Marburg in seiner Vielfalt darzustellen. Mit rund 30 Personen wird sich die Stadt an dem Umzug beteiligen.

Die meisten davon werden Kinder aus dem Kerstin-Heim sein. In der Einrichtung werden geistig oder körperlich behinderte Kinde individuell gefördert und pädagogisch betreut. Aus eigener Erfahrung bei Marburger Karnevalsumzügen weiß Vaupel, „wie sehr sich diese Kinder bei einem solchen Ereignis immer freuen“. Passend zum Motto und zu den bevorstehenden Special Olympics sollen sie die Stadt daher in Hofgeismar vertreten.

„Das hat auch nichts damit zu tun, dass man die Kinder vorführen würde“, will Vaupel möglicher Kritik gleich im Vorfeld begegnen. „Wenn jemandem ein solcher Gedanke kommt, ist das genau der Grund, warum man es machen muss – dass diese Menschen in der Öffentlichkeit sind, muss in einer inklusiven Gesellschaft normal sein“, sagt er. Hans Ordnung, Leiter des Kerstin-Heims, teilt diese Einschätzung. „Keines unserer Kinder geht mit, ohne Lust darauf zu haben“, so Ordnung, „Es wäre auch Unsinn so zu tun, als ob es eine Schande sei, im Kerstin-Heim zu sein.“ Für die relativ kleine Einrichtung sei es eine „Riesenehre“, Marburg beim Hessentag repräsentieren zu dürfen.

Jeder vierte Hesse hat Migrationshintergrund

Bei den Special Olympics vom 7. bis 9. Juli gehen 20 Athleten aus dem Kerstin-Heim an den Start, zudem spielt eine Fußballmannschaft des Heims in einer Förderliga. „Sport spielt bei uns eine große Rolle“, sagt Ordnung. Einige der Heimkinder werden daher in Sport-Kleidung auftreten, andere hingegen T-Shirts der Einrichtung tragen. Auch Bollerwagen und Seifenkisten sollen zum Einsatz kommen.

Als besonderes Highlight wird zudem Vaupel auf einem Elektro-Dreirad mit vor dem Lenker angebrachter Rollstuhl-Plattform unterwegs sein. Das neu entwickelte Rad wurde in diesem Jahr mit dem Marburger Jürgen-Markus-Preis für Barrierefreiheit ausgezeichnet und kann für barrierefreie Stadtführungen oder Ausflüge ins Umland beim Bootsverleih an der Lahn ausgeliehen werden.

Ebenfalls mit dabei sein wird der Ausländerbeirat, um auch auf dieser Ebene die Vielfalt der Stadt darzustellen. Vertreten werden sollen die ausländischen Mitbürger durch die Teilnehmerinnen eines Taekwondo-Kurses für muslimische Mädchen. „Zudem wollen wir versuchen den Ausländerbeirat auch hessenweit bekannt zu machen“, sagt die Vorsitzende des Gremiums, Goharik Gareyan-Petrosyan. Auch am Vortag des Umzuges möchte der Ausländerbeirat sich am Hessentag beteiligen – die genauen Aktionen stünden aber noch nicht fest. Somayeh Mansouri, ebenfalls aus dem Beirat, kündigte aber an eine hessische Tracht anzuziehen.

Mit 27,8 Prozent habe mehr als jeder vierte Hesse inzwischen einen Migrationshintergrund, deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt. Dementsprechend müsse auch die politische Teilhabe dieser Bevölkerungsgruppe vorangetrieben werden. Dazu biete der Hessentag die ideale Gelegenheit. Im November 2015 wird der Ausländerbeirat in Marburg neu gewählt.

Neben dem übergeordneten Motto der Vielfalt soll die Schönheit Marburgs und seine touristische Attraktivität nicht zu kurz kommen. Auf einem Extrawagen wird daher ein 80 mal 60 Zentimeter großes Modell des Wahrzeichens der Stadt – das Landgrafenschloss – beim Umzug mitgeführt.

von Peter Gassner

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