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Marburg hilft mit Notunterkünften

Flüchtlingspolitik Marburg hilft mit Notunterkünften

Am Wochenende errichtete das Regierungspräsidium Gießen in Absprache mit der Stadt Marburg einen Notfallplan, um Flüchtlingen Hilfe zu leisten: In Cappel sollen bis zum Herbst 500 Asylbewerber in Zelten leben.

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Auf dem alten Sportplatz in Cappel werden ab Mittwochmorgen Zelte als Notunterkünfte für Flüchtlinge aufgebaut.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Das Regierungspräsidium Gießen (RP), das für die hessische Erstaufnahmeeinrichtung von Flüchtlingen zuständig ist, bereitet sich langfristig auf eine Zunahme von Flüchtlingen vor. Aus diesem Grund hat es auch mit der Stadt Marburg Verabredungen getroffen, dass ein Teil der Asylbewerber künftig in der Universitätsstadt untergebracht werden soll.

Dafür hat die Stadt dezentrale Einrichtungen vorgesehen und Wohnungen gemietet. Die vergangenen Tage habe er weitere Mietverträge für hundert Wohneinheiten unterschrieben, um Menschen aus Ländern wie Syrien oder Eritrea unterzubringen, sagte Oberbürgermeister Egon Vaupel der OP. Nun aber kamen aber noch einmal unerwartet viele Menschen nach Gießen, so dass die Erstaufnahmeeinrichtung derzeit überlastet sei. So überlastet, dass dort keine Betten mehr zur Verfügung stehen.

RP sucht weiterhin nach Unterkünften

Die Stadt Marburg bekam laut Oberbürgermeister Egon Vaupel am Donnerstag einen „Hilferuf“ von Regierungspräsident Dr. Lars Witteck. „Ich habe noch am Donnerstag überlegt, welche Plätze wir für Notunterkünfte zur Verfügung stellen können“, sagte Vaupel am Dienstag der OP. Notunterkünfte bedeute in dem Fall vier große Zelte. Zudem wird ein Zelt für die Ausgabe von Essen errichtet, hinzu kommen Container mit Sanitärräumen, Duschen und Räumen für Personal und Logistik, erfuhr die OP vom RP.

Am Freitag ließ die Stadt von einem Expertenteam des RP den alten Sportplatz in Cappel als Standort für Zelte überprüfen. Übers Wochenende liefen die Absprachen zwischen den zuständigen Behörden in Gießen und Marburg weiter, so Vaupel. Der Notfallplan war errichtet, die Öffentlichkeit erfuhr davon zu diesem Zeitpunkt aber noch nichts. Als Vaupel am Sonntag bei der Veranstaltung „Vielfalt – Stadt – Einfalt“ auf der Bühne vor dem Marktplatz stand, um Solidarität mit Flüchtlingen zu fordern, da dachte er an die weitere Zahl von Frauen und Männern, die das Schicksal in den nächsten Tagen nach Marburg bringen wird.

Experten gaben erst am Montag das Okay

Am liebsten, so Vaupel, hätte er in diesem Moment seine Gedanken öffentlich geteilt. Während die Menschen allgemein für Flüchtlinge in Marburg und weltweit beteten, dachte der Rathauschef an die schnelle Hilfe, die er leisten wolle und müsse – „aus humanitären Gründen“. Doch am Sonntag sei der Standort Cappel noch nicht final freigegeben worden, am Montag mussten Experten noch einmal prüfen, ob sich die Lage für den Aufbau von Zelten eignet. Auch die Sicherheitsbehörden hätten am Sonntag noch kein grünes Licht für die Veröffentlichung gegeben.

Das RP bat die Stadt am Montag, die Informationsveranstaltung für Bürger in einer Zeitungsanzeige anzukündigen, die am Dienstag im Anzeigenteil der OP erschien, erklärte Vaupel. Darin erfuhren die Marburger dass die Veranstaltung noch am selben Abend im Bürgerhaus Cappel stattfinden sollte. Zudem wurden rund 1000 Anwohner-Haushalte laut Stadtverwaltung per Handzettel kurzfristig zu der Informationsveranstaltung eingeladen.

Die Leiterin des Ordnungsamtes Regina Linda benachrichtigte Kindergärten, Schulen, Einzelhändler und Gewerbetreibende zudem telefonisch. Die Zelte sollen ab Mittwochmorgen oder spätestens Donnerstag aufgebaut werden. Die ersten Flüchtlinge werden nächsten Montag erwartet. Ein weiterer Teil werde einige Tage später folgen, so RP-Pressesprecherin Ina Velte.

„Marburg ist offen für Menschen in Not“

Die Zelte sollen laut Regierungspräsidium Gießen lediglich ein Puffer sein, der in Spitzenzeiten in Anspruch genommen werden kann. Dieser Puffer soll den Sommer überbrücken, bis die geplanten Außenstellen in Rotenburg und Büdingen fertiggestellt sind (die OP berichtete).

Sobald in den festen Liegenschaften der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung Plätze frei werden, werden die Bewohner dorthin umziehen. „Wir suchen parallel weiter nach Wohnraum.“ Während des Aufenthaltes in Cappel werden die Menschen von Sozialarbeitern betreut und auf dem Gelände verpflegt.

„Marburg ist offen für Menschen in Not. Toleranz, Menschlichkeit, Nächstenliebe und Gastfreundschaft sind Teile einer Willkommenskultur, die wir praktizieren. Die Menschen, die zu uns nach Deutschland kommen, haben oft eine lange Leidensgeschichte von Verfolgung und Flucht hinter sich“, erklärt Vaupel. Diese Auffassung teilen auch die Fraktionsspitzen und der Magistrat, die er am Montag über die Situation informiert habe, so Vaupel. Tausend Flüchtlinge mit unterschiedlichem Aufenthaltsstatus leben derzeit in der Universitätsstadt.

Unterdessen läuft die Logistik jetzt auf Hochtouren, so Velte. „Wir wissen nicht, wie viele nächstes Wochenende kommen.“ Es gehe darum, Notlösungen zu finden. Vaupel erklärte, für die Infrastruktur innerhalb der Einrichtung sei das RP zuständig. Die Stadt wolle aber soziale Unterstützung bieten. „Wir wollen eine Struktur schaffen, damit die Menschen auch in Alltagsdingen Hilfe erfahren.“

von Anna Ntemiris

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