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Marburg erneut unter den Top 100

Solarbundesliga Marburg erneut unter den Top 100

Marburg bezieht seinen Strom zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien, dazu trägt auch Solarenergie bei, aber nur zwei Prozent des Gesamtstroms kommen aus der Universitätsstadt selbst. Schuld sei die Bundesregierung.

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Solaranlagen auf dem Dach der Kaufmännischen Schulen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Zum Stichtag am 1. Juni war es wieder so weit: Die alljährliche Solarbundesliga zeigt Deutschlands solarstromfreundlichste Städte.

Marburg belegt im bundesweiten Vergleich mit mittlerweile 2400 teilnehmenden von insgesamt 12.000 Kommunen höhere Plätze, hat sich sogar bei der Bundeswertung um zwei Plätze zum Vorjahr auf Rang 80 verbessert, bei der Landeswertung Hessen ebenfalls um zwei Plätze zum Vorjahr auf Platz 21.

Bei den Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern liegt Marburg auf Platz 15 (Verbesserung um zwei Ränge zum Vorjahr) und in Hessen sogar seit 2014 unverändert auf dem Spitzenplatz 1.

Kahle: Berlin bremst Solarmarkt aus

Die Entwicklung der Universitätsstadt hin zu mehr Solardächern sei zwar erfreulich, sagte Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne), aber Marburg bliebe noch unter seinen Möglichkeiten.

„Der Solarmarkt wird von Berlin ausgebremst. Die große Koalition fährt die Energiewende zugunsten von Kohle und Erdöl herunter“, erzürnte sich Kahle. Das habe in Marburg zu einer Reduktion des Maximalwertes auf fast 20 Prozent geführt, in Kahles Augen eine „traurige Entwicklung“.

Die „Spitze der Unverschämtheit“ sei zudem die Befreiung vieler Unternehmen von der sogenannten EEG-Umlage, obwohl diese „von der Energiewende am meisten profitieren“.

Die privaten Endverbraucher seien die Leidtragenden der aktuellen Bundespolitik. Daher gebe es von der Stadt finanzielle Anreize, damit Bürger ihre Häuser und Wohnungen energiefreundlicher gestalten. Jene Anreize wären aber laut Wiebke Lotz, der städtischen Klimaschutzbeauftragten, im Falle der Abkehr von der EEG-Umlage-Befreiung der großen Unternehmen obsolet.

Solarenergie bringt mehr als nur Strom

Für Kahle sei es außerdem eine „Kopfgeburt“, dass selbst erwirtschafteter Strom versteuert werden muss, „aber wenn ich Zucchini anbaue, interessiert das niemanden“.

„Vor allem diejenigen, die im Moment viel sanieren und renovieren, möchten wir für Erneuerbare Energien gewinnen“, sagte Lotz. Solarthermieanlagen würden bereits seit 2009 gefördert, seit August 2015 auch Photovoltaikanlagen, wenn der erzeugte Strom direkt und ausschließlich zur Warmwasser- und/oder Heizungsbereitung genutzt wird, also ohne Netzeinspeisung.

„Wenn alle geeigneten Dachflächen mit Solarpanels ausgestattet wären, könnte die Photovoltaik verzweihundertfünfzigfacht werden“, erklärte Kahle. Die bisher größten Anlagen in Marburg befänden sich auf dem Deutschen Sprachatlas und dem Chemie-Gebäude der „Uni-Lahnberge“.

Zur Stromgewinnung hinzu kommen weitere Modelle für Alternativen bei der Stromspeicherung wie „Power-to-Gas“, bei dem mittels Wasserelektrolyse mit teilweise nachgeschalteter Methanisierung unter Einsatz von Ökostrom ein Brenngas hergestellt wird. Generell müsse die Energiewende weiter vorangetrieben werden, betonte Kahle, „und zwar von unten durch die Bürger“.

von Yannic Bakhtari

 
Hintergrund

EEG-Umlage: finanziert Förderung deutscher Erneuerbaren-Energien-Anlagen.

Solar-Energie: Sonnenstrahlungsenergie, die in Form von Strom, Wärme oder chemischer Energie technisch genutzt werden kann.

Solar-Thermie: Umwandlung der Sonnenenergie in nutzbare thermische Energie.

 
Nicht immer scheint die Sonne so kraftvoll auf Marburg wie hier auf das Haupt von Bürgermeister Dr. Franz Kahle (kleines Bild, Vierter von rechts), der mit Vertretern von Stadt und Solarfirmen die Ergebnisse der Solarbundesliga vorstellte. Foto: Yannic Bakhtari
 
 
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