Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Marburg - ein Paradies für Vögel

Vogelschutz Marburg - ein Paradies für Vögel

Marburg ist ökologisch gesehen eine Gartenstadt.Vögel finden dort ideale Bedingungen. Das muss unbedingt erhalten werden, meint Martin Kraft.

Voriger Artikel
Wer haftet bei Opium in Frühlingsrollen?
Nächster Artikel
"Philipp" ist zurück

Martin Kraft setzt sich mit seinen Helfern unter anderem für den Schutz der Rotkehlchen ein.

Quelle: Michael Arndt

Marburg. Wer sich mit dem Vogelschutzbeauftragten der Stadt Marburg auf einen Kaffee im Freien trifft, muss ständig damit rechnen, dass Professor Martin Kraft mitten im Gespräch zum Fernglas greift: „Sehen Sie, da auf dem Dach, eine Ringeltaube!“

Na und? Fragt sich der ornithologisch nicht so gebildete Gesprächspartner. Eine Taube eben. Nein, weit gefehlt, muss er sich belehren lassen. Ringeltauben gab‘s früher nicht in den Städten, erklärt Kraft. Aber als typische Kulturfolger sind sie inzwischen auch dort heimisch geworden. Es passiert aber auch während des Gesprächs, dass Vogelfreunde Kraft ansprechen. Einer von ihnen zeigt ihm voller Begeisterung Fotos von Turmfalken-Jungen, die er gerade unter dem Dach eines Altstadthauses entdeckt hat.

Kraft spitzt aber während des Gespräches auch immer wieder die Ohren. „Hören Sie, da singt ein Grünfink“, erklärt er während des Fototermins. Marburg sei eben ein Paradies für Vögel.

Damit dies so bleibt, ist Kraft Tag für Tag unterwegs - unterstützt von zahlreichen Spähern, die ihn benachrichtigen, falls sich Bürger nicht ans Bundesnaturschutzgesetz halten. Meist handelten diese nicht aus Vorsatz, sondern aus Unwissenheit, berichtet der Vogelschutzbeauftragte der Stadt Marburg. 1982 hat ihn die Staatliche Vogelschutzwarte Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland dazu ernannt - ein Ehrenamt, das sehr viel Zeit beanspruche.

Aber Unwissenheit schützt bekanntlich nicht vor Strafe. Erwischt Kraft einen Bürger, der gegen den Paragrafen 39 Bundesnaturschutzgesetz verstößt, wird dieser zuerst ermahnt. Zeigt er sich nicht einsichtig, muss Kraft Anzeige erstatten. Und bei Gefahr im Verzug hat er nicht nur das Recht, sondern die Pflicht einzugreifen und sogar fremde Grundstücke zu betreten.

Kein Heckenschnitt von März bis September

Was besagt nun dieser Paragraf 39? Er befasst sich mit dem allgemeinen Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen. Das bedeutet unter anderem, dass es verboten ist, „wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten.“ Außerdem ist es verboten, „Bäume, die außerhalb des Waldes, von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen; zulässig sind schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen.“

Das heißt konkret: Falls Hecken oder Äste zum Beispiel Fußgänger behindern, sie sogar zum Ausweichen auf die Fahrbahn zwingen, dürfen diese gestutzt werden. „Auf gar keinen Fall aber dürfen zwischen Anfang März und Ende September Hecken ausgeschnitten werden“, mahnt Kraft. Viele Singvögel brüteten dort noch bis weit in den August hinein: Haus- und Gartenrotschwanz, Mönchs- und Gartengrasmücke, Rotkehlchen, Nachtigall und Heckenbraunelle.

Oft kann Kraft noch retten, was zu retten ist. Anfang Mai habe ihn eine Studentin unter Tränen angerufen, im Stadtwald sei man dabei eine Eiche zu fällen, obwohl dort ein Mittelspecht gerade seine Jungen füttere. Davon wussten die Arbeiter allerdings nichts. Kraft gelang es per Handy, sie aufzuhalten. Und auch der Auftraggeber der Fällaktion zeigte sich einsichtig.

Es gibt noch einen weiteren Paragrafen des Bundesnaturschutzgesetzes, dessen Befolgung Kraft am Herzen liegt, der Paragraf 44. Dort heißt es unter anderem: „Es ist verboten, wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören; eine erhebliche Störung liegt vor, wenn sich durch die Störung der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlechtert.“

Feuerwerke könnten eine solche Störung hervorrufen, befürchten Vogelschützer. Deshalb hatte die Stadt Kraft beauftragt, das von ihr genehmigte fast 20-minütige Feuerwerk „Himmelsleuchten“ zu beobachten - im Vorfeld, währenddessen und danach. „Wir haben zwar während des Feuerwerks bei etwa 15 Vogelarten Bewegungen festgestellt, aber alle in Richtung Lahn“, berichtet Kraft. Er habe aber am nächsten Tag keine Verluste feststellen können. „Die Vögel haben wie am Tag zuvor fröhlich gesungen.“

Dennoch empfiehlt Kraft, der selbst gerne Feuerwerke sieht, künftig weniger laute Böller zu zünden und auch die Beschallung mit Musik zu reduzieren.

von Michael Arndt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Ausgebüxt
Bauhofmitarbeiter und Ordnungshüter versuchen die Lamas „Ramses“ und „Anton“ einzukreisen.

Fünf Männer waren am Freitagmorgen nötig, um die beiden Lamas "Ramses" und "Anton" auf dem Kirchhainer Friedhof wieder einzufangen. Größere Schäden entstanden bei dem tierischen Ausflug nicht.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr