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Marburg bot den Grimms Inspiration

Tagungsband Marburg bot den Grimms Inspiration

"Die Brüder Grimm in Marburg": Dies ist der Titel eines Buches, das gestern im Staatsarchiv präsentiert wurde.

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Das Studentenleben in Marburg, das auch die Brüder Grimm kannten, wird in der Zeichnung von Wilhelm Paulus dokumentiert, dem Titelbild des Buchs „Die Brüder Grimm in Marburg“.

Marburg. Vor wenigen Tagen wurde die Landesausstellung „Expedition 2013“ in Kassel anlässlich des hessischen Grimm-Jahrs eröffnet. Zur Popularität der Brüder Grimm tragen vor allem die Kinder- und Hausmärchen bei, deren Erstausgabe vor 200 Jahren im vergangenen Jahr vielerorts gedacht wurde - so auch in Marburg.

Ihre gemeinsame Studienzeit in Marburg Anfang des 19. Jahrhunderts war eine entscheidende Station im Leben der Brüder Grimm. „Hier wurde ihr wissenschaftlicher Forschergeist geweckt, hier knüpften sie ihre Netzwerke, hier formte sich der Gedanke, die nur mündlich überlieferten Kinder- und Hausmärchen zu sammeln und zu publizieren“, erläutert Dr. Andreas Hedwig, Direktor des Marburger Staatsarchivs. Er ist auch der Herausgeber des jetzt erschienenen Buchs mit dem Titel „Die Brüder Grimm in Marburg“. Das Buch konzentriert sich auf die gemeinsame Studienzeit der Grimms in Marburg und widmet sich außerdem den bis heute wahrnehmbaren Spuren der beiden später als Märchensammler weltberühmt gewordenen Brüder in Marburg. Es geht zurück auf die Tagung im März 2012 im Staatsarchiv. Im zweiten Teil wird das Ausstellungsprojekt „Die Brüder Grimm in Hessen“ des Staatsarchivs Marburg dokumentiert, das viele originale Schriftstücke der Grimms und weitere Dokumente ihres persönlichen Umfeldes im Original zeigte. Darin werden auch Kindheit und Jugend in Hanau sowie die weiteren beruflichen Stationen in Kassel und Göttingen bis zu ihrem Wechsel nach Berlin im Alter von 54 beziehungsweise 55 Jahren anhand von Originaldokumenten aus dem Grimmschen Familiennachlass, die sich im Besitz des Staatsarchivs befinden, dokumentiert.

Im „Marburg-Teil“ geht es anhand verschiedener Aufsätze um neue Perspektiven und Erkenntnisse zur intellektuellen Entwicklung der Brüder während ihres Studiums, zu ihrem Wohnort in Marburg und über Marburger Beiträger zu den Kinder- und Hausmärchen

So hat sich der Marburger Kulturwissenschaftler Dr. Siegfried Becker ausgehend von einem Aufsatz des Märchenforschers Heinz Rölleke aus den 70er Jahren auf die Suche nach einer Marburger Beiträgerin gemacht, die den Grimms für die beiden Märchen „Der goldene Vogel“ und „Aschenputtel“ die Vorlage erzählt haben muss. Anschließend an diese aus den Briefwechseln der Grimms hervorgehende Information ist Becker mit Hilfe von Archivunterlagen und alten Kirchenbüchern auf einer aus seiner Sicht erfolgversprechenden Fährte. So stehe zweifelsfrei fest, dass die Frau eine von 13 namentlich bekannten Pfründnerinnen eines Hospitals des Deutschen Ordens gewesen sein muss, sagte Becker gegenüber der OP. Einige Indizien deuten derzeit darauf hin, dass die „Marburger Märchenfrau“ Anna-Maria Schneider hieß. Wo wohnten die Grimms in Marburg: In seinem Beitrag weist Dr. Stephan Bialas-Pophanken darauf hin, dass neben dem Haus in der Barfüßerstraße 35, in dem auf jeden Fall Jacob Grimm wohnte, auch das Haus in der Wendelgasse 4 als späterer Wohnort in Frage kommt.

„Marburg hat die Grimms auf jeden Fall stark beeinflusst“, sagt die Kulturwissenschaftlerin Professorin Marita Metz-Becker, die im vergangenen Jahr einen „Romantischen Spaziergang“ auf den Spuren der Brüder Grimm konzipiert hatte, den sie in dem Buch beschreibt. Im Aufsatz von Professor Steffen Martus wird beispielsweise deutlich wieviel Inspiration die Brüder durch ihren akademischen Lehrer - den Staatsrechtler Friedrich Carl von Savigny - und dessen umfangreiche Bibliothek erhalten haben.

Doch die Grimms waren in Marburg auch den leiblichen Genüssen zugetan. „Sie kannten auch die Bierwirte und die Weinwirte in Marburg gut“, erläutert Siegfried Becker.

Aufsätze zu einem Rezeptbuch von Wilhelm Grimms Ehefrau Dorothea sowie Otto Ubbelohdes Illustrationen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm vervollständigen das informative und abwechslungsreiche Buch, das viele Facetten aus dem Leben der Grimms darstellt.

Andreas Hedwig (Herausgeber): Die Brüder Grimm in Marburg. Schriften des Hessischen Staatsarchivs Marburg, Band 23. 313 Seiten. 29 Euro.

von Manfred Hitzeroth

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