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"Marburg bleibt zweites Zuhause"

Brasilianer in der Stadt "Marburg bleibt zweites Zuhause"

Dem ein oder anderen aufmerksamen Marburger sind sie sicherlich schon aufgefallen: 139 Brasilianer sind derzeit zu Gast in der Stadt. Für die OP beschreiben sie ihre Gefühlswelt im fremden Land.

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Die „Speak-and-Write“-Mitarbeiter mit Geschäftsführer Jürgen Kalinna (2. von links oben) zusammen mit einer Gruppe der brasilianischen Ingenieure, die dort derzeit die deutsche Sprache erlernen.Foto: Peter Gassner

Marburg. Gefördert durch ein staatliches Programm namens „Ciências sem Fronteras“ (deutsch: Wissenschaft ohne Grenzen) halten sich derzeit insgesamt 600 Brasilianer in Deutschland auf. Fast ein Viertel davon hat es vor drei Monaten nach Marburg verschlagen, um sich hier ein halbes Jahr lang in Deutsch-Kursen auf ein Ingenieurs-Studium in der Bundesrepublik vorzubereiten. Die brasilianische Regierung bezahlt in den nächsten Jahren mit dem Programm rund 100 000 Brasilianern ein Studium im Ausland. „Deutschland hat in diesem Bereich einfach einen sehr guten Ruf“, erklären jene, die ihre Deutschkurse bei der Marburger Sprachgesellschaft „Speak and Write“ machen, ihre Wahl.

„Ich habe in Brasilien mal in einer Firma mit deutschen Maschinen gearbeitet“, erzählt etwa Guilherme Lopes Borges. Immer wenn eine der Maschinen kaputt gewesen sei, seien deutsche Techniker gekommen und „die waren immer schnell und gut“. Eines der Klischees über die Deutschen hat er damit bereits genannt.

„Es ist alles viel besser organisiert“, meint auch Guilherme Batista da Silva und nennt als Beispiel die öffentlichen Verkehrsmittel. Dafür seien die Menschen aber auch „viel distanzierter“.

Da sie als Gruppe viel zusammen seien, könnten sie sich aber dennoch „zu Hause fühlen“, sagt er.

Fußball-WM umstritten

Zudem sei die Atmosphäre in einer Studentenstadt wie Marburg „dann doch wärmer“ als an anderen Orten in Deutschland. Die Jugendlichen seien „viel liberaler als in Brasilien“, pflichtet ihm auch Pedro Aquino de Cunha bei. Ganz ungewohnt sei es, dass es auf Partys Gruppen gebe, die über Politik diskutierten. „Das macht man in Brasilien nicht“, so de Cunha.

Ein Thema erregt aber in ihrer Gruppe besonders die Gemüter. Wie sollte es anders sein, geht es dabei um Fußball. Einige finden es gut, dass ihr Heimatland mit der Weltmeisterschaft 2014 die Möglichkeit bekommt sich der Welt zu präsentieren, andere wiederum sympathisieren mit den Demonstrationen und glauben, dass lediglich die Korruption durch die WM gefördert werde. Für das Geschehen in Brasilien interessieren sie sich aber auch nicht zuletzt, weil sie nach dem Studium wieder zurückkehren möchten.

„Dadurch, dass wir vom Staat finanziert werden, fühlen wir uns verpflichtet wieder nach Brasilien zu gehen“, erklärt etwa Helson Christina Alves da Silva. „Ich denke, dass viele kleine Dinge, die wir hier lernen, dort einen großen Unterschied machen können“. Dementsprechend wolle man helfen das Land mit aufzubauen, findet auch Joao Carlos Eliseu Maciel. Denn „ich finde es wichtig, dass unser Land in Personen investiert“.

Doch auch nach ihrer Rückkehr wird es zumindest einige Dinge in Marburg geben, die sie vermissen werden. „Das Schloss und die vielen brasilianischen und deutschen Freunde“, zählt etwa Diego Brazy da Silva auf. Und Rafael Alves Moreira Mesguita ist sich sicher: „Wenn wir nach Deutschland reisen, werden wir immer nach Marburg kommen, denn es wird unser zweites Zuhause bleiben“.

von Peter Gassner

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