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Marburg bittet um Entschuldigung

Kriegsverbrechen Marburg bittet um Entschuldigung

Massaker an Zivilbevölkerung im belgischen Dinant 1914: 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkrieges bemüht sich Marburg um eine Aussöhnung mit der Bevölkerung in der Stadt. 

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Dieses Denkmal in Dinant erinnert an die Ermordung von 674 ­Zivilisten durch deutsche Soldaten.

Quelle: Wikipedia

Marburg. In Dinant waren im August 1914 mehr als 700 Zivilpersonen durch deutsche Soldaten völkerrechtswidrig ermordet worden. Aktiv daran beteiligt waren auch Soldaten des Jäger-Bataillons Nr. 11, die nur unter dem Namen „Marburger Jäger“ bekannt waren. Die Taten der Marburger Jäger waren auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung detailliert in einer Studie der Geschichtswerkstatt aufgearbeitet worden, die im Frühjahr 2013 vorgestellt worden war. „Die Darstellung der damaligen Gräuel an den Bewohnern Ihrer Stadt hat uns mit Scham erfüllt“, schreibt Vaupel in einem Brief an seinen Amtskollegen Richard Fourneux. Er wolle sich als Oberbürgermeister als Oberbürgermeister heute „bei Ihnen, der Stadt Dinant und den Nachfahren der damaligen Betroffenen entschuldigen“, heißt es in dem Schreiben.

Deutsche Truppen töteten im August 1914 knapp 700 Zivilisten in der wallonischen Stadt Dinant an der Maas, etwa jeden zehnten Einwohner, und zerstörten zwischen 1 300 und 1 800 Häuser. Es war einer der schlimmsten Übergriffe deutscher Soldaten auf die Zivilbevölkerung während des Ersten Weltkrieges. Im Jahr 2001 entschuldigte sich die Bundesregierung bei den Nachkommen der Opfer für diese Gräueltaten.Auch die Marburger Jäger waren an diesen Gräueltaten beteiligt. Im Auftrag des Stadtparlaments hat die Marburger Geschichtswerkstatt die Geschichte der Marburger Jäger aufgearbeitet und in diesem Zusammenhang auch ihre Rolle beim Massaker von Dinant belegt. Sie wurde im Frühjahr 2013 veröffentlicht und vorgestellt.

Danach war das Marburger Jäger-Bataillon Nr. 11 unter dem Kommando von Graf Soden an Kriegsverbrechen gegen die belgische Zivilbevölkerung im August 1914 beteiligt. Einheimischem Widerstand, in deutschen Zeitungen als „tierisches Verhalten“ deklariert, wurde mit brutaler Gewalt begegnet. Zivilisten starben durch „Säuberungsaktionen“ der deutschen Eroberer; von der beteiligten Marburger Jägertruppe wurden die Massaker „Großes Strafgericht“ genannt.

100 Jahre später stehen die Chancen auf Versöhnung gut. In einem Brief an den Bürgermeister von Dinant schrieb Oberbürgermeister Egon Vaupel: „Die Darstellung der damaligen Gräuel an den Bewohnern Ihrer Stadt hat uns mit Scham erfüllt.“ Vaupel bittet darum, dass eine Marburger Delegation im August anlässlich des 100-jährigen Gedenkens an die Kämpfe in Dinant empfangen wird, um der damaligen Opfer zu gedenken und um Entschuldigung und Versöhnung zu bitten. Ausdrücklich spricht Vaupel von den Ereignissen des Jahres 1914 als „Kriegsverbrechen“.

Eine mündliche Zusage seines Amtskollegen Richard Fournaux gibt es bereits, sagte Vaupel am Freitagabend im Parlament auf eine kleine Anfrage des CDU-Abgeordneten Joachim Brunnet. Er hofft nun auf eine schnelle schriftliche Antwort und auf eine „Geste der Versöhnung im Geiste der europäischen Freundschaft“.

Die Kameradschaft Marburger Jäger/11. Grenadierbataillon besuchte unterdessen im Januar Dinant. Sie spricht  in einer Presseerklärung von der „Schlacht an der Maas“ und dem hohen „Blutzoll“, den die belgische Zivilbevölkerung in Dinant habe zahlen müssen. Sie hätten um „Versöhnung“ gebeten“. Das Wort „Entschuldigung“ fiel in der Presseerklärung ebenso wenig wie das Wort „Kriegsverbrechen“.Gegenüber der OP sagte Klaus-Jürgen Böckler gestern aber, man habe „Abbitte“ leisten wollen, „um uns zu versöhnen“. Böckler sagte, der Überfall Belgiens durch deutsche Truppen sei „Unrecht“ gewesen.

von Till Conrad

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