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Marburg bekommt eine neue Moschee

Grundsteinlegung Marburg bekommt eine neue Moschee

In zwei Jahren soll das muslimische Gotteshaus in der Stadtmitte, zwischen Eisenbahn und Stadtautobahn, fertig sein. Am Freitag wurde der Grundstein für die neue Moschee gelegt.

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200 Menschen verfolgen auf dem Gelände des künftigen Kulturzentrums die Grundsteinlegung für die Moschee.Foto: Tobias Hirsch

Marburg. Mit der Feier am Freitag, zu der sich mehr als 200 Marburger eingefunden hatten, findet das jahrelange Bemühen um den Bau eines muslimischen Gotteshaus in Marburg ein vorläufiges Ziel: Die erste Moschee, so berichtete der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde Marburg, Dr. Bilal Farouk El-Zayat, wurde im Wohnzimmer der elterlichen Wohnung am Steinweg eingerichtet. Mit der Gründung des „Runden Tischs für Integration 2007“ und dem Abschluss einer „Integrationsvereinbarung“ im Jahr 2009 nahm das Bemühen um den Bau einer Moschee Fahrt auf. Die 2010 gegründete Islamische Gemeinde Marburg hatte danach „nur“ noch für die Finanzierung zu sorgen und die Baugenehmigung zu erhalten - mit 43 Auflagen, wie Dr. El-Zayat am Freitag berichtete.

Eine Moschee, so sagte El-Zayad in seiner Ansprache, soll nach dem Willen des Propheten Mohamed ein Ort des Alltags, der Begegnung sein. So soll denn das Zentrum, das bei St. Jost entsteht, ein „offenes Haus“ werden, das für Muslime und Nicht-Muslime gedacht ist. Nicht umsonst gilt das Bauwerk, das in etwa zwei Jahren fertig sein soll, als „europäische“, als „deutsche“ Moschee.

Gutes Miteinander der Religionen in Marburg

Diese Haltung, das wurde während der gut zweistündigen Feier deutlich, wird begünstigt durch das offene, freundschaftliche Verhältnis der Religionsgemeinschaften untereinander. So freute sich El-Zayat über Marburg als „die schönste Stadt der Welt, in der wir gut zu­sammen leben können“. Und Oberbürgermeister Egon Vaupel, einer der Motoren für die Integrationsvereinbarung und den Bau des Gotteshauses, fügte an, der Wunsch der muslimischen Gemeinde nach einer Moschee werde von der Mehrheit der Bürger gut geheißen, „die Unterstützung kommt aus der Mitte der Stadtgesellschaft“.

Ganz konfliktfrei gingen aber die letzten Tage vor der Grundsteinlegung nicht ab: Die gegen ihn selbst gerichteten anti­muslimischen Schmäh-Flugblätter (die OP berichtete) hätten das Ziel, nicht ihn, sondern die Marburger Muslime zu beleidigen und zu diffamieren, sagte Vaupel und fügte hinzu: „Sollten sich die muslimischen Mitbürger dadurch verletzt fühlen, bitte ich um Entschuldigung.“

Während der evangelische Propst Helmut Wöllenstein von einem „historischen Tag“ auch für Marburg sprach, würdigte der katholische Pfarrer Martin Stanke den Bau als ein Plädo­yer für das Recht jedes Menschen auf freie Ausübung seiner Religion. „Das wünsche ich mir auch für meine christlichen Brüder und Schwestern auf der ganzen Welt.“

Einen ganz praktischen Rat hatte Amnon Orbach, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, parat: „Zögern Sie nicht bei Investitionen für die Bequemlichkeit Ihrer Besucher. Die Erfahrung sagt: Das Geld kommt!“

von Till Conrad

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