Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
Marburg auf die leichte Tour

Stadtführer in einfacher Sprache Marburg auf die leichte Tour

Die neue Stadtführer-Broschüre „Einfach Marburg – ein Stadt-Rundgang in Leichter Sprache“ hat das Zeug zum Bestseller.

Voriger Artikel
Vom Socken- zum Kasperletheater
Nächster Artikel
Müllgebühren sollen 2017 steigen

Vertreter von Stadt, Verein „Marburg für alle“ und Lebenshilfe stellten die Broschüre vor.

Quelle: Tina Eppler / Stadt Marburg

Marburg. Die Broschüre zeigt nicht den allerletzten Geheimtipp, sondern fokussiert sich auf das Wichtige in Marburg. Leser werden nicht zugetextet, sondern in der sogenannten Leichten Sprache schlicht und einfach bedient.

Die Texte sind kurz und knapp und verzichten auf das übliche Marketing-Gebrabbel. Der Verein „Marburg für alle“ stellte diese ungewöhnliche Broschüre vor. „Wir haben uns eine Gästeführung für Menschen mit und ohne Behinderung vorgenommen“, sagt Theresia Jacobi vom Verein „Marburg für alle“.

Der Stadtführer setzt als Routenbegleitheft auf einen barrierefreien Tourismus. Gut begehbare Wege – auch mit dem Rollstuhl – stehen im Vordergrund. Öffentlich barrierefrei zugängliche WCs sind extra ausgewiesen. Davon gibt es nur wenige.

Im Grunde richtet sich die Broschüre, die in einer Auflage von 5000 Stück zunächst kostenlos etwa in der Touristen-Info erhältlich ist, an Menschen, die in der deutschen Sprache nicht heimisch sind oder mit kognitiven Einschränkungen leben.

Im weiteren Sinne hilft die Broschüre aber auch allen anderen, die sich kurz und bündig informieren möchten und in der Informationsfülle des Alltags nicht auch noch ganze Stadtführer-Romane durchackern wollen.

Die Sätze sind kurz, 
Fremdworte tabu

Neben einem komprimierten geschichtlichen Abriss findet sich der Hauptrundgang von der Elisabethkirche über den Pilgrimstein und die Aufzüge in die Oberstadt. Wendepunkt sind Rathaus und Marktplatz. Ein optionaler Abstecher geht – „Steigung und Gefälle sind teilweise über 12 %. Aber es gibt einen Bus zum Schloss“ – bis zum Landgrafenschloss.

Die Leichte Sprache ist eine besondere Schreib- und Sprechweise des Deutschen, die insbesondere für Menschen mit Lernbehinderungen entwickelt wurde. Die Sätze sind kurz, Fremdworte tabu. Wenn ein fremdes Wort unvermeidlich ist, wird es erklärt.

Die Schriftgröße ist groß. Lange Worte werden mit Trennstrich lesbarer gemacht, etwa „Elisabeth-Kirche“ oder „Ritter-Orden“. Das führt dazu, dass viel mehr Leser die Leichte Sprache besser lesen und verstehen können: kognitiv Beeinträchtigte, Migranten, Senioren, und eben auch viel beschäftigte Normalbürger.

Die Kosten der Broschüre mit der Startauflage von 5000 Exemplaren lagen bei rund 15.000 Euro. „Wobei hier viel ehrenamtliche Arbeit mit einfloss“, sagt Vereinsvorsitzende Jacobi. Die Kosten trugen das Hessische Ministerium für Soziales und Integration sowie die Stadt Marburg.

Wesentlich zum Gelingen hat das Zentrum für Leichte Sprache der Lebenshilfe Marburg beigetragen. Dort wurden die Inhalte in Leichte Sprache „übersetzt“. Dabei schreiben Fachleute wie Henrik Nolte die Texte in Leichter Sprache.

Erste Auflage wird
kostenlos abgegeben

Eine achtköpfige Prüfgruppe von Lernbehinderten checkt die Verständlichkeit, das Layout, die Fotos und das Schriftbild. „Wir schaffen da vier bis acht Seiten pro Stunde“, erklärt Nolte den Ablauf.

„Wir waren froh, dabei sein zu können. Das ist schon etwas anderes als Behördentexte“, erklärt Nolte, der mit seiner Prüfgruppe ansonsten die Webseiten von Behörden, Formulare oder Behördenschreiben in einfache Sprache überträgt und verständlich macht. Laut Nolte ist der Marburger Stadtführer der erste hessische Stadtführer in Leichter Sprache überhaupt.

Die aktuelle Ausgabe soll in der Auflage von 5000 Stück noch kostenlos abgegeben werden. Folgeauflagen dürften mit einer Schutzgebühr von einigen Euro beaufschlagt werden, sagt Theresia Jacobi. Sonst würden die anderen, kostenpflichtigen Broschüren und Stadtführer nämlich liegen bleiben.

von Martin Schäfer

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr