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Mann belästigt Kind: Vater sieht rot

Gericht Mann belästigt Kind: Vater sieht rot

Weil er im März 2012 einen anderen Mann geschlagen und mehrmals getreten hatte, stand ein Marburger vor dem Amtsgericht.

Marburg. Nachdem seine Frau ihm am Telefon mitgeteilt hatte, dass seine zwölfjährige Tochter von einem Bekannten sexuell belästigt worden sei, fuhr der Angeklagte von der Arbeit nach Hause, um nach seinem Kind zu sehen. Auf dem Heimweg traf er zufällig den besagten Mann auf der Straße, der nicht weit entfernt wohnte. Nachdem er ihn aus dem Auto heraus angesprochen und zur Rede gestellt hatte, stieg er aus, und es kam zum Streit. Dabei schlug der Beschuldigte den Geschädigten zu Boden und versetzte ihm mehrere Tritte. Ein unbeteiligter Passant zog den Schläger schließlich von dem Geschädigten herunter, dabei trat dieser noch einmal nach.

Der Geschlagene wurde ins Krankenhaus gebracht. Aus diesem entfernte er sich jedoch eigenständig ohne abgeschlossene Behandlung wieder, sodass die Art und Schwere der Verletzungen nicht festgestellt werden konnten. Der Angeklagte gab seine Taten vor Gericht zu. „In diesem Moment konnte ich nicht abschalten. Ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe“, sagte der 39-Jährige.

Den Geschädigten hat er bereits wegen der Belästigung angezeigt. Dieser hatte seine Tochter mehrfach berührt, sie festgehalten und geküsst. Das Mädchen konnte sich jedoch aus dem Griff befreien und weglaufen. Der Mann ist bereits wegen sexuellen Missbrauchs zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe sowie zu Arbeitsstunden verurteilt worden.

Die Tochter habe nach der Tat einige Zeit in Angst gelebt, heute gehe es ihr wieder gut, erzählte der Vater dem Gericht. Sie habe sich von ihm beschützt gefühlt, trotzdem war seine Tat falsch, das wüsste er.

Richterin stellt dasVerfahren vorläufig ein

Die Staatsanwaltschaft stellte schließlich den Antrag, das Verfahren einzustellen: Der Angeklagte sei in einem sehr aufge­ladenen und emotionalen Zustand gewesen. Zudem konnte der Geschädigte direkt nach der Tat das Krankenhaus selbstständig wieder verlassen. So schlimm konnten die Verletzungen demnach nicht sein, gab die Staatsanwältin zu bedenken. Strafrechtlich ist der Beschuldigte bisher noch nicht in Erscheinung getreten.

Richterin Isabell Rojahn zeigte Milde und stellte das Verfahren vorläufig ein - unter der Voraussetzung, dass der Mann innerhalb von vier Monaten 400 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahle. „Sie sind noch mal mit einem blauen Auge davongekommen. Aber merken Sie sich, Selbstjustiz wird nicht geduldet“, ermahnte Rojahn den Angeklagten.von Ina Tannert

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