Volltextsuche über das Angebot:

27 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Mahnungen gegen den Terror

Ausstellung "Bataclan" Mahnungen gegen den Terror

In der Lutherischen Pfarrkirche wurde am gestrigen Sonntag die Ausstellung mit Plakaten zu „Bataclan“ mit einer Vernissage eröffnet.

Voriger Artikel
Zehntausende bei Marburger Frühling
Nächster Artikel
Vierte Magistratsstelle nicht vom Tisch

Der deutsch-französische Publizist und Politikwissenschaftler Alfred Grosser (links) und der Marburger Kulturamtsleiter Richard Laufner im Zwiegespräch bei der Vernissage für die „Bataclan“-Ausstellung.Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Bevor die künstlerischen Werke rund um den Anschlag auf das Pariser Kulturzentrum „Bataclan“ im Rathaus begutachtet werden konnten, fand in der Lutherischen Pfarrkirche vor 150 Gästen die feierliche Eröffnung statt. Nicht nur die französische Generalkonsulin Sophie Laszlo, sondern auch die Marburger Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach sowie die Künstlerinnen Philippine Schaefer und Marjolaine Dégremont gingen in ihren Redebeiträgen auf die Bedeutung der Terroranschläge auf das Musiklokal „Bataclan“ in Paris ein, die zu der Posterausstellung geführt hatte, die jetzt auch in Marburg zu sehen ist.

In der Lutherischen Pfarrkirche wurde am gestrigen Sonntag die Ausstellung mit Plakaten zu „Bataclan“ mit einer Vernissage eröffnet.

Zur Bildergalerie

„Der Anschlag verpflichtet uns wie die folgenden Attentate, die Gründe für den Hass zu verstehen“, sagte Generalkonsulin Laszlo. Sie freue sich sehr, dass die Ausstellung mit künstlerisch gestalteten Plakaten nach der Premiere in Frankreichs Hauptstadt Paris jetzt auch in Marburg zu sehen ist. (Bericht folgt.)

Im Mittelpunkt stand jedoch der Auftritt von Alfred Grosser. Der 92-jährige deutsch-französische Publizist aus Paris ist schon seit einigen Wochen auf einer Lesereise unterwegs, um sein neues Buch zu promoten, in dem unter dem Titel „Le Mensch“ Anregungen für eine moderne Ethik gegeben werden. Im Gespräch mit dem Marburger Kulturamtsleiter Richard Laufner erläuterte Grosser die Hintergründe seines Buchs. Zugleich analysierte er in einer „Tour de Force“ auch die Terrorgefahr sowie die Bedeutung von Religion und Politik in der heutigen Gesellschaft.

„Man muss versuchen, die Leute wieder zu Menschen zu machen, auch in einer Welt, die einen zur Verzweiflung bringt“, sagte Grosser. Sein Credo für einen Humanismus ohne Wenn und Aber erklärte der Publizist mit vielen Rückgriffen auf literarische und künstlerische Werke und einer enormen Kenntnis der Kultur- und Geistesgeschichte.

Dabei machte Grosser klar, dass jeder Mensch eine Fülle von Identitäten in sich trage.

Verständnis für das Leiden der anderen

Das mache auch seine facettenreiche Lebensgeschichte deutlich. Der 1925 in Frankfurt geborene Alfred Grosser musste 1933 mit seiner Familie auf der Flucht vor den Nationalsozialisten nach Frankreich emigrieren. Der pensionierte Professor für Politologie ist längst ein erfolgreicher Publizist, der für die deutsch-französische Aussöhnung in die Bresche springt.

Den Kampf gegen den internationalen Terrorismus gelte es zu führen, machte Grosser deutlich: „Die Ausstellung erinnert daran, dass es Terror gibt“. Das Attentat im Pariser Musikclub „Bataclan“ sei schlimmer als andere Bombenattentate gewesen, weil die Attentäter dort auf junge feiernde Menschen geschossen hätten, die dann vor ihren Augen gestorben seien.

Doch bei aller Empörung und allem Entsetzen über den Terror machte Grosser auch eines deutlich: Man müsse dennoch immer Verständnis für das Leiden der anderen haben. Damit meinte der Publizist, dass es wichtig sei, die Gründe für das Entstehen von Gewalt, Gewaltbereitschaft und Terrorismus zu verstehen. Im Hinblick auf den islamistischen Terrorismus sei es auch wichtig, nachzuvollziehen, dass dessen zahlenmäßig meiste Opfer auf der Welt Muslime seien. Die Motivationen der Attentäter seien im Übrigen sehr vielfältig. So sei es bei den einen die Rache für das, was ihnen die Gesellschaft angetan habe. Bei den anderen sei es eine falsch verstandene islamische Überzeugung.

Genau diese Fähigkeit zur Differenzierung und zum freien Denken bildete den Kern von Grossers Denkstruktur. Seine gegen den Strich gebürsteten Gedanken machten Lust auf die anschließende Bilderschau.

von Manfred Hitzeroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr