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Magistrat plant keine längeren Öffnungszeiten

Hallenbad Wehrda Magistrat plant keine längeren Öffnungszeiten

Wenn es nach dem Magistrat geht, wird es nichts mit dem Wunsch vieler Marburger, das Hallenbad Wehrda zumindest in den Ferien für den allgemeinen Badebetrieb zu öffnen.

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Das Hallenbad in Wehrda wurde 2011 nach grundlegender Renovierung neu eröffnet. Seit einem Jahr fordert eine Bürgerinitiative die Ausweitung der Öffnungszeiten für die Allgemeinheit auf die Ferien.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die zuständige Bäderdezernentin Dr. Kerstin Weinbach sagte gestern der OP, der Magistrat habe für den Entwurf des Doppelhaushalts 2015/2016 keine zusätzlichen Personalmittel vorgeschlagen, um das Wehrdaer Bad, das 2011 erst mit Millionenaufwand renoviert wurde, in den Schulferien für den allgemeinen Badebetrieb zu öffnen.

Das Bäderkonzept der Stadt Marburg sieht vor, dass das Bad in Wehrda unter der Woche Schulen und Vereinen, aber auch dem Gesundheitssport zur Verfügung steht und das Aquamar für den allgemeinen Badebetrieb geöffnet ist. Am Wochenende ist das Bad in Wehrda jeweils vormittags für den allgemeinen Badebetrieb geöffnet - außer in den Schulferien. Während dieser 12 Wochen im Jahr ist das Bad auch am Wochenende geschlossen.

Eine Bürgerinitiative in Wehrda kämpft seit fast genau einem Jahr darum, dass das Bad in Wehrda zumindest in den Schulferien für den öffentlichen Badebetrieb geöffnet ist. „Wir nehmen in den Ferien Schulen oder Vereinen keine Wasserfläche weg, wenn die ohnehin nicht kommen“, sagt etwa Gabriele Borgemeister.

Mehr als 1200 Unterschriften gesammelt

Mehr als 1200 Unterschriften hat die Initiative gesammelt, um die Öffnung des beliebten Bads während der Schulferien zu erreichen. Immerhin hat sie erreicht, dass Freizeitschwimmer an den Wochenenden unmittelbar vor und nach den Ferien wieder in Wehrda schwimmen kann.

Für Gabriele Borgemeister und Sigrid Schroer ist der Frust dennoch groß: „Seit einem Jahr kämpfen wir um längere Öffnungszeiten - und passiert ist nichts.“ Die BI hatte sich an den Magistrat, aber auch an die politischen Parteien gewendet mit der Bitte um Unterstützung - und ist bitter enttäuscht von der Stadtregierung wie von den Koalitionsfraktionen SPD und Grüne.

Vor allem erbittert Sigrid Schroer die Tatsache, dass der BI vorgehalten wurde, 1200 Unterschriften für ein bestimmtes Anliegen könne „man immer zusammenkriegen“. Und Gabriele Borgemeister hat ausgerechnet, dass die Öffnungszeiten der Bäder in Marburg gegenüber 1986 (damals: 208 Stunden in der Woche) halbiert wurden (2014: 104). „Das ist ärmlich“, sagt Borgemeister.

Vergeblich hat die Initiative ihre Argumente auch der Bäderdezernentin vorgetragen: Dass das Bad vor allem von Wehrdaern, aber auch bei älteren Menschen überaus beliebt sei. Dass das Angebot von ausreichend Wasserfläche ein Gesundheitsangebot und deswegen öffentliche Aufgabe sei. Dass auch im Aquamar, das ja der Öffentlichkeit vorbehalten sein soll, an vielen Badezeiten zwei oder drei Bahnen für Vereine oder Gruppen abgesperrt seien.

Eine Bedarfsermittlung durch den Magistrat zweifelt die Gruppe an; „Wenn man will, dass die Menschen ins Bad kommen, muss man Öffnungszeiten öffentlich bekannt machen“, sagt Borgemeister. Das sei nur unzureichend geschehen.

Weinbach deutet Kompromissbereitschaft an

Weinbach führt neben dem Bäderkonzept der Stadt vor allem Kostengründe für die derzeitige Regelung an. Eine Ausweitung der Öffnungszeiten für die Allgemeinheit in den Herbstferien koste die Stadt 120000 Euro

Der Leiter des Fachdienstes Bäder, Rolf Klinge, sagte, mit dem vorhandenen Personalbestand könne neben dem Aquamar nicht auch das Hallenbad Wehrda betreut werden. Die Stadt müsse zusätzliche Bademeister einstellen und beschäftige diese zu Tariflöhnen.

Einschließlich Urlaubs- und Krankheitsvertretung müsse rechnerisch mehr als eine ganze Bademeister-Stelle einkalkuliert werden, sagte Klinge.

Dezernentin Dr. Kerstin Weinbach räumt allerdings im OP-Gespräch ein, dass die veranschlagten Kosten von 120000 Euro die „Maximallösung“ beinhalten - also Öffnung des Bades während der gesamten Ferien jeweils 10 Stunden täglich und sieben Tage in der Woche. „Wenn das Parlament uns nicht 120000, sondern 80000 Euro zur Verfügung stellt, würden wir die Öffnungszeiten zumindest etwas ausweiten können“, deutete sie im OP-Gespräch Kompromissbereitschaft an.

Die Öffnungszeiten werden in jedem Fall noch einmal während der Haushaltsberatungen zum Thema werden. Die Diskussion in der (nicht öffentlich tagenden) Sport- und Bäderdiskussion) werde im Magistrat noch zur Kenntnis genommen und komme dann in die Ausschüsse des Parlament.

Und bei der Beschlussfassung über den Haushalt 2015/2016 könne das Parlament ja das Geld für eine längere Öffnungszeit einstellen, sagte die Dezernentin.

von Till Conrad

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