Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Magistrat geht Camp-Problemen nach

Empathie-Debatte Magistrat geht Camp-Problemen nach

Die Zerwürfnisse zwischen Marburger Flüchtlings-Helfern und dem Camp-Betreiber "European Homecare" (EHC) sorgen für Wirbel in der Kommunalpolitik.

Voriger Artikel
Ehepaar verteibt Männergruppe
Nächster Artikel
Messerstecher soll in Psychiatrie

In der ersten Januarwoche sind laut Bundesamt für Migration in Hessen 1660 neue Flüchtlinge (deutschlandweit rund 22 000) registriert worden. Unterdessen gibt es in Marburg Kritik am Camp-Betreiber „European Homecare“. Archivfoto

Marburg. „Das Grundproblem ist, dass die Arbeit für viele Ehrenamtliche seit einiger Zeit schwieriger geworden ist. Das darf nicht zu so viel Enttäuschung führen, dass Flüchtlingshelfer mit ihrem Engagement aufhören wollen“, sagt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) auf OP-Anfrage. Diese Gefahr sehe er, daher müssten die Aufgabenverteilungen zwischen Marburger Freiwilligen und den privatwirtschaftlichen Camp-Betreuern von „European Homecare“ geklärt werden. Dazu solle es bald Gespräche geben - „auf einer Ebene, wo Entscheidungen getroffen werden“. Weder die Atmosphäre der Zusammenarbeit noch die Stimmung unter Flüchtlingen dürfe weiter gefährdet werden.

„Besonderes Einfühlungsvermögen ist gefragt, immerhin sind die Menschen aus Ländern geflohen, wo die Staatsgewalt nicht ihr Freund war“, sagt Spies. „Bedauerlich“ sei es daher, dass die Kriterien für die Betreuung und Versorgung vom Regierungspräsidium Gießen nicht stärker mit Marburger Akteuren abgestimmt wurden.

Den Vorwürfen von Strafversetzung von Flüchtlingen und Datenmanipulation im Camp, gehe die Stadt bereits nach.

Das Regierungspräsidium Gießen (RP) zeigt sich angesichts der Vorwürfe gegenüber EHC skeptisch, will die Vorwürfe nach eigenen Angaben aber ebenfalls prüfen.Prinzipiell gebe es aber keine Differenzen mit EHC - einem Unternehmen, mit dem man schon länger und an mehreren Standorten (sechs in Mittelhessen) arbeite, heißt es seitens des RP.

„Ich halte es für grundsätzlich schlecht und falsch, so eine wichtige Aufgabe in die Hände von einem profitorientierten Unternehmen zu legen“, sagt Heinz Wahlers (SPD), Ortsvorsteher in Cappel.

„Überrascht und entsetzt“ über die Zerwürfnisse entlang der Umgehungsstraße zeigt sich die FDP laut Parteichef Christoph Ditschler. Er fordert „umfassende Aufklärung“ durch das Regierungspräsidium Gießen, das sich bei der Leitung der Erstaufnahme-Einrichtung für den Betreiber „European Homecare“ entschied (OP berichtete).

„Der Einfluss der Stadt im Camp muss wiederhergestellt, die Ombudspersonen müssen wieder eingebunden werden“, ergänzt Hanke Bokelmann, FDP-Stadtverordneter. Kommunikation und Transparenz seien „die Grundvoraussetzungen für die Bewältigung der Flüchtlingskrise“.

Hintergrund sind Vorwürfe von freiwilligen Flüchtlings-helfern, wonach EHC über die gezielte Entlassung mehrerer Sozialbetreuer, die Kooperationspartner der Stadt waren, eine Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen und Stadtverwaltung immer weiter erschweren will. Die ehemalige Camp-Leiterin etwa habe nach Einschätzung des Erstaufnhame-Betreibers wohl „zu viel Empathie“ gezeigt, wie Ex-Oberbürgermeister Egon Vaupel sagte.

EHC-Sprecher Klaus Kocks bestätigte auf OP-Anfrage die Entlassungen und Probleme in der Zusammenarbeit, sieht die Gründe jedoch in der mangelnden Professionalität der Ex-Angestellten. EHC soll nach OP-Informationen darüber informiert worden sein, dass Christen von den ehemaligen Camp-Betreuern besser behandelt worden sind als muslimische Flüchtlinge. Das sehen Marburger Verantwortliche anders.

von Björn Wisker

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr