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Magistrat fordert Umweltzone für Marburg

Debatte um Luftqualität Magistrat fordert Umweltzone für Marburg

Die Stadtspitze treibt die Einrichtung einer Umweltzone in der Universitätsstadt voran. Die Regelung solle dafür sorgen, die Luftqualität im Zentrum zu verbessern. Das geht aus dem Konzept des Luftreinheitsplans hervor.

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Alarm wegen Auto-Abgasen: Der Marburger Magistrat strebt die Einführung einer Umweltzone an. Eine Neuauflage des Luftreinheitsplans soll die Landesregierung dazu bewegen, die Zone zu genehmigen.

Marburg. Dieses Konzept will die Stadtspitze dem hessischen Umweltministerium vorlegen.„Die Luftqualität wird hier zunehmend schlechter, deshalb wollen wir die Umweltzone Sie ist eine legitime Maßnahme, um die Luftreinheit zu sichern“, sagt Bürgermeister Franz Kahle (Grüne). Die Landesbehörden lehnen eine Einführung bislang ab, da die Schadstoff-Belastung nur einen kleinen Stadtbereich ausmache.

„Der gesamt Verkehr rollt, wie in keiner anderen Stadt, massiert über Universitätsstraße und Schwanallee. Das ist schlimm für alle“, sagt Kahle. Schon seit Jahren ließe sich beobachten, wie Schadstoff-Höchstwerte zunehmen, Jahresmittelwerte klettern. „Die Stäube sammeln sich im Talkessel, die Belastung bleibt manchmal drei, vier Wochen“, sagt er. Vor allem Autoabgase seien daran schuld. Ein wesentlicher Faktor für den vermehrten Feinstaub seien auch die verstärkt in Häusern installierten Kaminöfen und das Heizen mit Holzpellets.

Die Grünen schlagen Alarm: „Die Luftverschmutzung gefährdet die Gesundheit von jedem, vor allem von Kindern“, sagt Dr. Petra Baumann, Mitglied im Verkehrsausschuss.„Wir reden hier von Krebs“, ergänzt Michael Weber (Piraten), von Beruf Chemiker. Gemessen werden die - seiner Auffassung nach seit Jahren überhöhten - Werte der Messstationen an der Universitäts- und Gutenbergstraße in drei Metern Höhe. „Ein Kinderwagen ist viel niedriger, die Schadstoff-Konzentration in Bodennähe größer“, sagt er.

Andrea Suntheim-Pichler (Bürger für Marburg) hält die Umweltzone für „unnütz und wirtschaftsfeindlich“. Da bei Neuwagen seit 2005 eine umweltfreundliche EU-Norm gelte, seien diese ohnehin mit grüner Plakette für Umweltzonen zugelassen. „Die alten Autos verschwinden in den nächsten Jahren sowieso“, sagt sie.

Kohlenmonoxid oder Benzol sind kein Thema

Wen eine Einführung hingegen hart treffe, sei „der Handwerker aus dem Ebsdorfer Grund, der einen Auftrag im Zentrum hat und wegen so einer Zone Ablass zahlen muss“. 35 Schadstoff-Überschreitungs-Tage seien gesetzlich erlaubt, mit einer Ausnahme (55 Überschreitungen in 2009), habe es „immer nur um die zehn Tage mit Höchstwert-Übertretungen gegeben“, sagt sie. Joachim Brunett (CDU) erläutert: „Wir reden von einem einzigen Wert, Stickstoffoxid, der überschritten wird. Alle anderen, etwa Kohlenmonoxid oder Benzol, sind okay. Hier soll etwas durchgepeitscht werden, das für Marburg nicht sinnvoll ist.“

Zudem mache die Stadtspitze die falschen Schadstoff-Sünder aus. „Jeder Diesel hat heute einen Partikelfilter. Aber was ist mit den Fahrzeugen im Bestand von Dienstleistungsbetrieben, Stadtwerken und Feuerwehr? Die müsste man massiv umrüsten, das kostet viel Geld“, sagt Brunett.

Konter von Thorsten Büchner (SPD): „Binnen fünf bis sieben Jahren, wo man laut Plan so eine Zone einführen würde, wären das nur 31 Fahrzeuge.“ Dominic Dehmel (SPD) verweist zudem auf Ausnahmen, die für Feuerwehr und Busse „simpel durchzusetzen sind, etwa mit zusätzlichen Verkehrsschildern“. Die Ausgestaltung der Regelung obliege der Kommune, heißt es aus der Verwaltung. „Da könnte man ja nachdenken, ob die Einfahrt auch mit gelber Plakette in Ordnung ist“, sagt Kahle.

Brunett wird grundsätzlich: Die Umweltzonen-Städte hätten in puncto Verbesserung der Luftqualität Hoffnungen gehegt, die bei weitem nicht erfüllt worden seien. „Niemand jubelt, das Ganze sorgt für einen großen Aufwand bei wenig Nutzen“, sagt er. Nach OP-Recherchen debattieren einige Städte wie Erfurt derzeit das Aus für ihre Umweltzone. In einer vergangene Woche veröffentlichten Verkehrsumfrage eines Automobilclubs sprechen sich 75 Prozent der Befragten (Teilnehmer: 4500) für eine Abschaffung der Zonen aus. Henning Köster (Linke) verteidigt hingegen die Pläne des Marburger Magistrats: „Eine Einführung der Umweltzone wäre hier absolut überfällig.“

von Björn Wisker

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