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Mädchen kochen, Jungen werkeln

Schüler-Treffen 50 Jahre nach Abschluss Mädchen kochen, Jungen werkeln

Die Emil-von-Behring-Schule war gerade ein Jahr alt, als einige der Jubilare 1956 eingeschult wurden.

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Die ehemaligen Schüler der R10 an der Emil-von-Behring-Schule in ihrem alten Klassenzimmer.

Quelle: Freya Altmüller

Marburg. Ein Beamer wirft Fotos an die Wand von Mädchen, die, auf einem Sportplatz aufgereiht, alle in der gleichen knappen Hose posieren. Eine Schülerin mit einem Hirsch hinter einem Zaun, eine Gruppe, die sich auf der Rückbank eines Busses schlafend zusammen­kuschelt.

Die Bilder zeigen einige der 19 ehemaligen Realschüler der Emil-von-Behring-Schule, die sich am Samstag zur 50-Jahr-Feier ihres Schulabschlusses in ihrem alten Klassenzimmer trafen. Ihren Abschluss haben sie eigentlich im Dezember gemacht. Aber weil es bei den vergangenen Treffen immer so düster und kalt gewesen sei, habe man den Termin diesmal in den Juni gelegt, erzählt Organisator Michael Schnepel.

Damals gab es nur eine Realschulklasse mit 38 Schülern. Jungen und Mädchen wurden getrennt unterrichtet. Wenn die Mädchen mit Kopftüchern in der Küche kochten, drückten sich die Jungen vor den Fenstern die Nase platt.

Deshalb ist die Besichtigung der Küche, wo auch heute noch Kochen unterrichtet wird, für die Ehemaligen besonders interessant. Die Jungen hatten stattdessen das Fach Werken bei Horst Klein. Der 82-Jährige ist der einzige Lehrer, der seinen ehemaligen Schülern zum 50-Jährigen die Ehre gibt.

„Diese Spielzeuge gab es zu unserer Zeit noch nicht“, sagt ein Mann mit weißen Haaren und deutet auf Computer. Auch in den Werkräumen machen die Ehemaligen mit Förderstufenleiter Gerd Schiebl Halt. Er zeigt ihnen die Holzfräsmaschine, den 3D-Drucker und -Scanner. „Damit habe ich die Schüler zum Beispiel Plätzchenausstecher in 3D herstellen lassen“, erklärt er. Die Gäste machen ­Fotos mit ihren Smartphones.

„Michael Schnepel hat ein unverschämtes Benehmen“

Neu sind auch die in den 70er-Jahren gebaute Turnhalle, der naturwissenschaftliche Trakt und das Gebäude auf dem ehemaligen Turnergarten.

Als einige der heutigen Jubilare 1956 in die Grundschule eingeschult wurden, war die Emil-von-Behring Schule gerade mal ein Jahr alt. Damals gab es nur das Hauptgebäude, das heute wieder ein bisschen mehr wie früher aussieht. Denn bei der Sanierung 2010 wurde es unter Denkmalschutz gestellt und die Sonnenrollos mussten wieder vor den Fenstern angebracht werden, weiß Schiebl. Der einzige Unterschied: „Damals waren sie gestreift“, erinnern sich einige der ehemaligen Schülerinnen.

Für Erinnerungen sorgt auch das Klassenbuch aus dem letzten Halbjahr. Für Sonnabend, 3. September 1966, steht vermerkt: „Michael Schnepel hat ein unverschämtes Benehmen.“ Nicht der einzige Eintrag der Art, erklärt Schnepel. Deshalb sei er dann auch als Klassensprecher abgesetzt worden.

„Die Schule ist nicht nur mit guten Erinnerungen verbunden“, sagt Schiebl. Umso mehr freue es ihn, dass die Jubilare so zahlreich erschienen seien.

Sieben von ihnen wohnen noch in Marburg, andere sind in ganz Deutschland verstreut. Einige hätte es erst für den Ruhestand in die Ferne gezogen, nach Oberstdorf, an den Starnberger See und ins Allgäu, erklärt Schnepel.

Den weitesten Weg an seine alte Schule hatte Norbert Wilke, der inzwischen in Schweden lebt.

von Freya Altmüller

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