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Luthers Konterfei wirbt für Festjahr

Reformationsjubiläum Luthers Konterfei wirbt für Festjahr

Das Reformationsjahr 2017 wird auch in Marburg eingeläutet. Passend dazu wurde gestern ein touristisches Hinweisschild an der Stadtautobahn aufgestellt.

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Karin Stichnothe-Bothschafter (Kulturamt, von links), Stadtverordnetenvorsteherin Marianne Wölk, Kulturdezernentin Dr. Kerstin Weinbach, Kulturamtsleiter Dr. Richard Laufner und Dekan Burkhard zur Nieden (Evangelische Kirche) freuen sich über das neue touristische Hinweisschild auf das Reformationsjahr 2017 an der Stadtautobahn.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Wer von Gießen aus mit dem Auto auf der Bundesstraße B3a Richtung Marburg fährt, dem wird künftig ein Jahr lang auf der rechten Seite ein großes neues touristisches Hinweisschild ins Auge fallen. Es zeigt den berühmten Kopf des Reformators Martin Luther nach einem Gemälde von Lucas Cranach, kombiniert mit einer stilisierten Ansicht des Marburger Landgrafenschlosses, in dem Luther im Jahr 1529 am Marburger Religionsgespräch teilnahm. „Marburg Reformationsstadt 2017“ ist auf dem Hinweisschild zu lesen. Bisher stand an dieser Stelle ein touristisches Hinweisschild mit der Aufschrift „Universitätsstadt Marburg“.

„Die Universitätsstadt Marburg wird jetzt aber nicht in ­Reformationsstadt Marburg umbenannt“, machte Kulturamtsleiter Dr. Richard Laufner gestern bei einer Pressekonferenz im Marburger Rathaus deutlich. Vielmehr ist der Schilder-Austausch Teil einer Marketing-Kampagne, die auf den Start des Jubiläumsjahres „500 Jahre Reformation“ hinweist, an dem sich auch die Stadt Marburg ab dem Reformationstag am kommenden Montag beteiligt.

Marburg ist eine von 32 Städten in Deutschland und 68 Städten in 19 Ländern weltweit, die sich in einem Netzwerk der Reforma­tionsstädte zusammengeschlossen haben. Dazu gehören in Deutschland unter anderem Berlin, Kiel, Tübingen oder Augsburg. In Hessen ist aber neben Marburg nur noch Herborn offizielle Reformationsstadt.

Die Veröffentlichung von Martin Luthers 95 Thesen wider den Missbrauch des Ablasses am 31. Oktober 1517 ist der Anlass für die Feier des Jubiläums. Der Tag symbolisiert bis heute den Beginn der Reformation. Im kommenden Jahr ist deswegen der Reformationstag ausnahmsweise in allen Bundesländern ein Feiertag.

Erneut Themenjahr in Marburg eingeläutet

Zwar sei in Marburg im Jahr 1517 nicht allzu viel in Sachen Reformation passiert, betont der Autor Christoph Becker ­alias Daniel Twardowski. Dennoch hat Marburg schon auch aus den Anfangszeiten der Reformation einige wichtige Bezüge zum Leben und Wirken Martin Luthers aufzuweisen. „Der in Marburg residierende Landgraf von Hessen, Philipp der Großmütige, hatte Luther schon mit 16 Jahren auf dem Reichstag von Worms kennengelernt“, erläutert Marburgs Kulturdezernentin Dr. Kerstin Weinbach. „Philipp hat in Hessen die Reformation eingeführt. Er hat Marburg zu seiner evangelischen Vorzeigegemeinde gemacht, hier die älteste, noch bestehende protestantische Universität gegründet, und er initiierte 1629 das Marburger Religionsgespräch von Martin Luther und Huldrych Zwingli“, so Weinbach.

Grund genug für die Verantwortlichen der Stadt, in Marburg wieder ein Themenjahr nach dem Vorbild des Elisabeth-Jahrs oder des Philipp-Jahrs einzuläuten. Und in dieses Themenjahr wird am kommenden Montag reingefeiert in einer kombinierten Aktion des Kulturamtes und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Ab 18 Uhr werden in den drei zentralen Marburger Kirchen Lutherische Pfarrkirche, Elisabethkirche und Universitätskirche die Neubearbeitungen der Luther-Bibel eingebracht, erläuterte Burkhard zur Nieden, Dekan des Kirchenkreises Marburg-Stadt.

Neue Bibeln in zeitgemäßer Sprache

Diese neuen Bibeln in zeitgemäßer Sprache sollen dort künftig auch in den Gottesdiensten genutzt werden. Es schließt sich ein Sternmarsch aus allen drei Kirchen Richtung Marktplatz an, wo dann noch ein kleiner Gottesdienst im Freien erfolgt. Anschließend wird Daniel Twardowski erzählendes Sachbuch über „die von Marpurg und die Welt Martin Luthers“ ab 19.30 Uhr im Marburger Rathaus präsentiert (ausführlicher Vorbericht folgt). Umrahmt wird diese Veranstaltung von brasilianischer Renaissance-Musik einer Gruppe um Jean Kleeb.

Der Start am Reformationstag 2016 bildet den Auftakt einer Reihe von Veranstaltungen, die sich vorwiegend über 2017 erstrecken, von einem Marburger Ökumenegespräch über eine Ausstellung zur Reformation im Landgrafenschloss bis zur Uraufführung eines Theaterstücks über Luther (siehe HINTERGRUND). Mit der Vielzahl von Veranstaltungen sowie einer Reformationsroute erhoffen sich die Verantwortlichen von Stadt und Kirche im Reformationsjahr 2017 auch eine Belebung für den Marburg-Tourismus.

von Manfred Hitzeroth

Programm

Nach dem Auftakt am kommenden Montag, 31. Oktober, folgen unter anderem nachstehende Veranstaltungen vorwiegend im Reformationsjahr 2017 in Marburg:

  • 9. November: „Zettelkästen“ zu Luther und Antisemitismus; Garten des Gedenkens.
  • 28. Januar 2017: XVI. Marburger Ökumenegespräch mit Friedrich Schorlemmer, Annet­te Schavan und Kurt Flasch; ­Alte Universität.
  • 29. bis 31. März: Internationale Tagung „Reformatorische Netzwerke im östlichen Europa“; Herderinstitut.
  • 26. April bis 19. Juli: „Studium generale“ der Philipps-Universität zum Thema Reformation; Uni-Hörsaalgebäude.
  • 6. Mai bis 31. Oktober: Ausstellung Bildungsereignis Reformation“; Landgrafenschloss.
  • 2. Juni: Uraufführung „Luther“ von Marc Becker im Theatersommer des Hessischen Landestheaters Marburg; Marktplatz.
  • 15. bis 18. Juni: „Zeitreise: Stadterlebnis Reformation“ des Fachdienstes Kultur – unter anderem mit Multimedia-Projekt „Bildersturm“, Luther-Oratorium, Musik der Reformations-Zeit, Armenspeisung, „Tischreden“, „Stinkstation“ und Predigt-Slam; Lutherischer Kirchhof.
  • 8. bis 10. September: Landeskirchenmusikfest der Evangelischen Kirche Kurhessen-Wal­deck; Kernstadt Marburg.
  • 29. Oktober: Zentraler Festgottesdienst der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck und Landeskirche in Hessen und Nassau; Elisabethkirche.
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