Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Luthers Jubiläum adelt Marburg

Synode Luthers Jubiläum adelt Marburg

Schwerpunktthema der Synodensitzung de Kirchenkreises Marburg waren die Vorbereitungen auf das Reformationsjubiläum 2017. Marburg soll zentraler Veranstaltungsort der beiden evangelischen Landeskirchen Hessens sein.

Voriger Artikel
"Jeder Einsatz schweißt zusammen"
Nächster Artikel
Sechster Kandidat will ins Rennen gehen

Dekan Burkhard zur Nieden mit dem Plakat des Lutherfestes in Lohra, über das Anneliese Heinrichs vom dortigen Kirchenvorstand berichtete.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Nachdem bei den vergangenen Sitzungen der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Marburg meist schwierige bis unangenehme Themen im Vordergrund standen, von der Umstrukturierung des Kirchenkreises und Kirchspielen über Einsparmaßnahmen bis zum Mitgliederrückgang, konnten sich die rund 100 Teilnehmer diesmal mit Erfreulicherem befassen.

Im Mittelpunkt der Frühjahrssynode in der Trinitatiskirche in Wehrda stand die Entwicklung von Ideen und Projekten für das Jubiläum des 500. Jahrestags des Thesenanschlags von Martin Luther. Am 31. Oktober 1517 hatte der in Wittenberg seine 95 Thesen angeschlagen, die 2008 gestartete Lutherdekade gipfelt 2017 in dem an diesem zentralen Ereignis ausgerichteten Reformationsjubiläum.

Das Ausland sei sogar noch stärker an dem Jubiläum interessiert als Deutschland, meinte Dekan Burkhard zur Nieden. Internationale Aufmerksamkeit wird Marburg unter anderem dadurch zuteil, dass ihr der Titel „Reformationsstadt Europas“ verliehen werden soll. Bislang wurden bereits 27 Städte in acht Ländern in den europäischen Stationenweg zur Reformation aufgenommen.

Die beiden evangelischen Landeskirchen Hessens werden ihre Jubiläumsveranstaltung zentral in Marburg, „sozusagen auf der Grenze“, durchführen, erklärte der Dekan. Dazu sollen Musiker „in deutlich vierstelliger Zahl“ nach Marburg kommen, das Hessische Landestheater werde sich ebenfalls beteiligen.

„Das Reformationsjubiläum kommt mit Macht, und es kommt zu uns. Es wird in der Presse, in der Tagesschau sein, und die Diskussion um die Deutungshoheit über das Jubiläum hat begonnen, dass es sich zum Beispiel der Staat auch zu eigen macht. Ebenso geht es um die Ökumene. Ein katholischer Bischof aus der Region fragte ernsthaft, ob das ein Anlass zu feiern oder nicht eher für einen Bußgottesdienst sei“, berichtete zur Nieden.

„Angepriesen wie Sauerbier“

Zunächst sei das Jubiläum „wie Sauerbier angepriesen“ worden, aber als klar wurde, dass Geld von Bund und Land dafür fließen und Touristen kommen würden, da sei es losgegangen. In Marburg koordiniere nun Kultur-Fachdienstleiter Richard Laufner alles zum Reformationsjubiläum. Nun gehe es darum, was der Kirchenkreis zur Vorbereitung tun könne.

Die Aufnahme Marburgs in den europäischen Stationenweg zur Reformation bedeute, dass irgendwann ab Herbst 2016 ein Lkw als mobile Kommunikationsstation mit einem drei Meter hohen Tor für drei Tage in Marburg stehen werde. Am Ende sollen die Stationstore in Wittenberg zu einem Ensemble zusammengebaut werden. „Die Marburger können etwas in diesen großen Prozess einspeisen, es ist eine Chance, die wir nutzen sollten“, fand er.

Erstauflage 2012 kam gut an

Bevor sich die Synodalen in Arbeitsgruppen aufteilten, um Ideen und Vorschläge zu entwickeln, gab es vier „Impulse“ zur Anregung. Mit der Veranstaltung eines Lutherfestes hat die Gemeinde Lohra bereits Erfahrungen gesammelt. Die Erstauflage 2012 sei so gut angekommen, dass 2013 gleich ein zweites folgte. Anneliese Heinrichs vom dortigen Kirchen­vorstand berichtete von den „Zutaten“ wie Markt, Theater, Führungen, Angeboten für Kinder bis zur Verpflegung mit „Lutherhappen“.

Doris Heineck, Leiterin der Freiwilligenagentur Marburg-Biedenkopf, der stellvertretende Dekan Dr. Matti Schindehütte und Mike Bodenstein, überregionaler Freiwilligenkoordinator im Kirchenkreis, gaben Tipps zum ehrenamtlichen Engagement. Heute wollten die Menschen eher projektorientiert arbeiten, gerade junge Menschen wollten sich nicht gleich auf Dauer „gefangen nehmen“ lassen, betonte Heineck.

Luthertum auf viele Weisen

Pfarrer Eric Weidner berichtete über Erfahrungen aus dem südafrikanischen Partnerkirchenkreis Moretele: Diaspora, weite Entfernungen, Kontraste zwischen sehr reichen und sehr armen Gemeinden, vier bis fünf Stunden dauernde Gottesdienste, die man mit viel Musik, Tanz und Bewegung aber gut durchstehen könne. „Luthertum gibt es an anderen Orten auf andere Weisen, die Deutungshoheit ist uns ein wenig aus der Hand genommen“, schloss er.

Pfarrer Ulrich Biskamp erläuterte das Tripolis-Projekt. So bezeichnen die drei Reformationsstädte Prag, Zürich und Marburg ihren gemeinsamen Weg zum Jubiläum und darüber hinaus, getragen von 15 Gemeinden über den Zeitraum von 2015 bis 2023 mit dem Ziel der Nachhaltigkeit. Seit gestern findet eine internationale Hus-Tagung in Prag statt, am 22. April besuchen Prager Kirchenvorsteher Marburg, vom 11. bis 14. Juni gibt es eine Tripolis-Tagung in Marburg.

Jubiläum soll Region vernetzen

Vier Arbeitsgruppen beschäftigten sich mit dem Blick zurück durch das Erinnern und Erzählen von Geschichten, mit dem Blick auf die Kirchengemeinden in der Gegenwart und was der Impuls der Reformation heute für sie bedeute. In einer dritten ging es darum, sich die Entwicklung des evangelischen Glaubens in der Zukunft, in einer Generation vorzustellen und herauszuarbeiten, was man bewahren möchte. Und eine Gruppe machte sich schließlich Gedanken um konkrete Ideen und Projekte, wie man Reformation regional erlebbar machen könne.

Eine Vielzahl von Gedanken und Anregungen wurde gesammelt, das wurde in den abschließenden Kurzzusammenfassungen deutlich. Auch, dass man das Jubiläum zum Vernetzen der ganzen Region nutzen wolle und Nachhaltigkeit über 2017 hinaus anstrebe. Möglichst bis 2029, denn dann, darauf wies Ulrich Biskamp hin, steht schon das nächste Jubiläum an: 500 Jahre Marburger Religionsgespräch.

von Manfred Schubert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr