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Lust machen auf „Stadt am Wasser“

Untertunnelung der Stadtautobahn Lust machen auf „Stadt am Wasser“

Wie kann ein neues Stadtquartier an der Lahn gestaltet werden, wenn die Stadtautobahn zwischen Schülerpark und Kurt-Schumacher-Brücke untertunnelt wird?                

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Andrea Meisl und Luis Buday (von links) präsentieren ihre Arbeit.

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. Die Untertunnelung der Stadtautobahn ist ein stadtplanerisches Langzeitprojekt. Dafür hat sich in den vergangenen Jahren vor allem aus Gründen des Lärmschutzes eine Marburger Bürgerinitiative eingesetzt. Maßgeblich angestoßen wurde das Vorhaben auch von Vertretern der Lokalen Agenda 21. Agenda-Sprecher Gerhard Haberle freute sich deswegen besonders, dass 20 Studierende der TH Mittelhessen unter Leitung von Professor Peter Jahnen der Anregung gefolgt waren, Ideen für die konkrete Umsetzung der stadtplanerischen Zukunftsvision zu entwickeln.

Jahnen erläuterte am Montag vor 100 Zuhörern im Stadtverordnetensitzungssaal, was bei den stadtplanerischen Übungen herausgekommen ist. „Wir wollen damit Lust auf eine Stadt am Wasser machen“, sagte Jahnen. Dabei stellte er am Beispiel einer Arbeit die Frage in den Mittelpunkt, welche Visionen die Studierenden für die Neugestaltung eines Stadtviertels an der Lahn haben. Die Vorgaben für diese Aufgabe waren eindeutig: Auf dem Gelände vom Schülerpark bis zur Kurt-Schumacher-Brücke sollte die Stadtautobahn untertunnelt werden. Was dann auf dem von der Lahn und der Bahnstrecke begrenzten Areal passieren sollte, das war der Phantasie der Studenten überlassen.

Oberhalb der Straße ein parkähnliches Gelände

In den von Andrea Meisl und Luis Buday zusammen mit zwei weiteren Kommilitonen entwickelten Plänen wird wie in den meisten anderen Ideen die Stadtautobahn nur um zwei Meter tiefergelegt, so dass sie zunächst immer noch um rund 1,60 Meter aus der Erde ragen würde. Mit einem simplen Kniff, der so ähnlich auch in der belgischen Stadt Maastricht angewendet wurde,  wird dann aber in diesem Modell eine „Begradigung“ erreicht.

Das Gelände rund um die Stadtautobahn soll  so aufgefüllt werden, so dass oberhalb der Lahn insgesamt eine ebene Fläche entsteht und man die unterirdisch verlaufende Bundesstraße nicht mehr sehen würde. Der Vorteil bei dieser Variante: Man müsste für die Umgestaltung der Stadtautobahn nicht zu tief graben und und würde somit bis auf das Grundwasser-Niveau der angrenzenden Lahn  graben. Das wäre erstens billiger und zweitens wohl umweltverträglicher.

Oberhalb der in die Tiefe gelegten Stadtautobahn stellen sich die Studierenden zur Lahn hin ein parkähnliches Gelände vor. Die Gebäude der Philosophischen Fakultät würden bei diesem Modell abgerissen.

Aussichtsturm und „kleiner Strand“

Wie an einer Perlenkette sollen als Ersatz zwei- bis fünfstöckige Wohn- und Bürogebäude errichtet werden. Einzig das Gebäude der Uni-Bibliothek soll dem Plan zufolge erhalten bleiben.  Es soll mit einer Aussichtsplattform versehen werden. Ganz am anderen Ende des neuen Areals am Fluss  sehen die Studierenden zudem noch den Bau eines zusätzlichen Aussichtsturms vor, mit dem das gesamte Gelände überblickt werden kann. Eine gestalterische Aufwertung des Lahnufers mit zusätzlichen Aufenthaltsräumen und eventuell einem kleinen Strand zählt ebenso wie zusätzliche Brücken, die das neue Quartier mit der Innenstadt verbinden, zu dem stadtplanerischen Konzept.

Inwieweit die Untertunnelung der Stadtautobahn – zumindest auf einzelnen Abschnitten – überhaupt realisiert werden kann, das steht noch in den Sternen. Bauamtsleiter Jürgen Rausch machte deutlich, dass die Stadt-Verantwortlichen sich darum bemühen wollen, den dahingehenden Bürgerwillen ernst zu nehmen. Mehrere Zuhörer mahnten eine „große Lösung“ mit einer Untertunnelung der Stadtautobahn auf der Strecke zwischen Cappel und Wehrda an, was auch einen Abriss der Hochstraße vor dem Hauptbahnhof beinhalten würde.

Rausch sagte, dass es Handlungsbedarf gebe. Die Stadt Marburg strebe aber auch aus Gründen der Finanzierung realistisch gesehen wohl eher einen ersten Einstieg mit einer Untertunnelung auf dem Areal zwischen Schülerpark und Kurt-Schumacher-Brücke an, wo eventuell auch in einigen Jahren die Bundesgartenschau stattfinden könnte. „Die Planungen machen deutlich, wie viel schöner die Stadt sein könnte. Aber zwischendurch muss auch etwas passieren“, sagte Professor Ulrich Wagner, Mitglied in der „BI Stadtautobahn“ .

  • Eine Ausstellung mit Plänen und Modellen zu den studentischen Arbeiten  rund um das „Lahnquartier“ ist im großen Saal des städtischen Bauamtes, Barfüßerstraße 50, aufgebaut. Dort sind auch Pläne zum Thema „Chancen und Potenzialanalyse des Rückbaus einer Hochstraße am Bahnhof“ ausgestellt. Geöffnet ist die Ausstellung bis zum 27. März jeweils montags bis mittwochs von 8 Uhr bis 16 Uhr und donnerstags von 8 Uhr bis 18 Uhr sowie freitags von 8 Uhr bis 12 Uhr und samstags und sonntags von 14 Uhr bis 16 Uhr.

von Manfred Hitzeroth

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