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Lügen, Angst und Dauer-Zoff

Verleumdungs-Verfahren Lügen, Angst und Dauer-Zoff

Weil er einem Schulbusfahrer vorwarf, behinderte Schulkinder sexuell ­belästigt zu haben, ­musste sich ein Marburger nun wegen Verleumdung vor dem Amtsgericht ­verantworten.

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Vor dem Amtsgericht Marburg ist ein Verleumdungs-Verfahren vorläufig eingestellt worden.

Quelle: Archiv

Marburg. Angeblich soll der Geschädigte Schulkinder angeschrien und sexuell belästigt haben – diese Vorwürfe erhob der Angeklagte gegen den Schulbusfahrer, der ihn daraufhin wegen Verleumdung verklagte. Gegen eine Geldauflage von 500 Euro wurde das undurchsichtige Verfahren vorläufig eingestellt.

Mitte September 2013 soll der Angeklagte unwahre Behauptungen über einen Schulbusfahrer aus Marburg gegenüber der Schulleitung geäußert haben. Dieser ist als Fahrer eines Kleinbusses für behinderte Kinder angestellt. Den Anschuldigungen nach soll er die Minderjährigen während der täglichen Fahrten wiederholt angeschrien und sie mit sexuellen Beschimpfungen beleidigt haben.

Zudem soll er Kinder in seinen Keller gebracht und sie aufgefordert haben, sein Geschlechtsteil zu betrachten. Das Ganze habe er mit einem Handy gefilmt, so die Vorwürfe des Angeklagten. Nachdem er dies der Schulverwaltung mitteilte, wurde der Fahrer von seinem Arbeitgeber versetzt und einige Tage später entlassen. Daraufhin verklagte der Fahrer den anderen Mann wegen Verleumdung.

„Panik vor einer möglichen Racheaktion“

Vor Gericht machte der Angeklagte am vergangenen Mittwoch keine Angaben zu den Vorwürfen. Als Grund gab er Angst vor der Familie des Geschädigten an. „Es geht um mein Leben und meine Ehre“, betonte der Beschuldigte. Er weigerte sich auch nur seine Personalien anzugeben, während sich eine Verwandte des Nebenklägers im Zuhörerbereich des Gerichtssaales aufhielt.

Er habe „Panik vor einer möglichen Racheaktion“ seitens der benachbarten Familie, „ich werde verfolgt und habe Angst um mein Leben“, wiederholte der Mann mehrfach. Begründen konnte er seine Sorge nicht. Auch woher der Angeklagte von den angeblichen Taten des Busfahrers wusste, konnte vor Gericht nicht eindeutig nachvollzogen werden. Angeblich hätten seine eigenen Kinder ihm davon erzählt, teilte der Beschuldigte mit.

Auch mehrere Zeugen konnten wenig zur Beweisfindung beitragen. Die Schule, so eine Zeugin, sei dem Vorfall nachgegangen, der Verdacht auf Missbrauch habe sich nicht bestätigt.

Der Fahrer wohnt im selben Haus wie der Angeklagte. Probleme zwischen den Nachbarn gebe es bereits seit über 15 Jahren, teilte der Geschädigte mit und stritt die Vorwürfe des Nachbarn ab. Dieser habe bereits bei früheren Arbeitgebern Lügen über ihn erzählt, woraufhin sein Arbeitsvertrag nicht verlängert worden sei.

Beide Männer haben seit langem Differenzen, im Laufe der Jahre kam es wiederholt zu Streitigkeiten, gegenseitigen Beleidigungen, Anzeigen und Unterlassungsverfügungen zwischen den zerstrittenen Parteien. Der Angeklagte habe bereits seine Familie zerstört und wolle ihn aus dem Haus herausbekommen, „er will mich loswerden“, sagte der Nebenkläger.

„Die beiden nehmen sich gar nichts“, sagte Verteidiger Sebastian Wendt und regte eine Einstellung des festgefahrenen Prozesses an – dem schlossen sich Staatsanwaltschaft und Gericht an.

von Ina Tannert

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