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Linken-Promi kanzelt Merkel-Politik ab

Sahra Wagenknecht auf dem Marktplatz Linken-Promi kanzelt Merkel-Politik ab

Gegen Mini-Löhne an der Universität, für mehr Streiks von Berufstätigen: Während ihrer Rede forderte Sahra Wagenknecht (45) am Donnerstag auf dem Marburger Marktplatz eine Reform der Finanz-, Sozial- und Rentenpolitik.

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Sahra Wagenknecht sprach bei einer Kundgebung der Linken auf dem Marktplatz. Anlass ist die OB-Wahl in Marburg, bei der Jan Schalauske (34) für die Partei antritt.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Applaus von Akademikern: „Wenn Universitäten ein Hauptbereich des Niedriglohns sind, junge Forscher und Angestellte dort hundsmiserabel bezahlt werden, ist das ein Skandal“, sagte Wagenknecht. Die Folge der Unterfinanzierung der Hochschulen sei eine „Industrie-fixierte Forschung“, da „jeder auf Drittmittel aus der Wirtschaft aus ist“. Unter diesen Bedingungen „ist doch keine ordentliche Bildung möglich“.

Im Bildungsbereich, wie in allen anderen Politikfeldern – sie nannte Pflege, Arbeit, Rente und Soziales – könne eine Steuerreform dafür sorgen, dass Bund, Länder und Kommunen wieder mehr Geld in die Kassen bekämen, dementsprechend mehr finanzieren könnten. „Geld ist nie verloren, es wechselt stets nur den Besitzer, auch bei den komplexesten Finanzgeschäften.“

 

Während die Staatsschulden wachsen, mehre sich das Privatvermögen der Reichen. „Wir Linken wollen das Prinzip Raus aus den öffentlichen Kassen, rein in die Portfolios der Oberschicht, der oberen 10.000. Da geht es via Vermögenssteuer nicht um Enteignung, wir wollen eine Rückgabe dessen, was umverteilt worden ist.“ So könne der Staat dafür sorgen, dass „der Putz in Schulen nicht mehr bröckelt“.

Kritiker verbrennt vor der Bühne den Partei-Ausweis

Google, Amazon, auch deutsche Konzerne und DAX-Unternehmen: Der Grund, wieso sich von Kommune bis zum Bund keine Institution mehr Ausgaben leisten könne, liege an der „Feigheit der Politiker, sich mit den Großen anzulegen“. Wenn man wolle, könne man Steuern auch von den Großkonzernen und reichen Privatleuten eintreiben. Doch weil das nicht gemacht werde, streiche der Staat im Bildungssektor oder im Sozialsystem.

Die Große Koalition, speziell Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), betreibe eine „verblendete, unerträgliche Politik“. Für sie bestehe Deutschland „nur aus Oberschicht“, Normal- und Geringverdiener, „also jene, die den Aufschwung erst herbeiarbeiten, zählen für sie nicht dazu“. Es sei „zynisch und absurd zu predigen, Deutschland gehe es gut“.

Denn: „Wenn Millionen zu Hungerlöhnen arbeiten müssen, wenn Generationen, die in den 1970ern, 80ern und später geboren sind, nur noch mit Renten auf Hartz-IV-Niveau rechnen können, wenn Bildungschancen vom Geldbeutel der Eltern und nicht von Begabung abhängen, geht es Deutschland eben nicht gut.“

Randnotiz: Während Wagenknechts Rede verbrannte das Marburger Linken-Parteimitglied Alexander Scharpan (26) vor der Bühne seinen Partei-Ausweis. Grund für den Protest: Die Haltung der Linken zur Russland-Politik. „Alle sind pro Putin, ihrem Freund, das kann ich nicht unterstützen“, sagte er auf OP-Nachfrage.

von Björn Wisker

 
Zur Person
Sahra Wagenknecht ist 45 Jahre alt. Aufgewachsen ist die Tochter einer Deutschen und eines Iraners bei Jena, zur Schule ging sie in Ost-Berlin und machte das Abitur. Weil sie sich dem damals verpflichtenden DDR-Wehrunterricht verweigerte, durfte sie nicht studieren, verdiente ihren Lebensunterhalt – vom Staat bekam sie keine Hilfe – mit dem Erteilen von Nachhilfestunden. Ab Sommer 1990 studierte sie in Jena und Berlin Philosophie und Neue Deutsche Literatur – das Studium brach sie ab, 2005 begann sie im Fach Volkswirtschaftslehre eine Dissertation (TU Chemnitz), die 2013 veröffentlicht wurde. Ab 1991 war sie Mitglied der „Kommunistischen Plattform“ (Tätigkeit ruht seit 2010), seit 2011 ist sie stellvertretende Linken-Fraktionsvorsitzende im Bundestag.
 
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