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Linke wollen Wohnraum-Entzug stoppen

Ausweisung von Ferienwohnungen Linke wollen Wohnraum-Entzug stoppen

Wohnraum-Killer oder Tourismusfaktor: In der Stadt entbrennt eine Debatte um die Ausweisung von Ferienwohnungen in Marburg.

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In Marburger Wohngebieten sind nach Angaben der Stadtverwaltung alle Ferienwohnungen illegal. Grund ist die Rechtssprechung fußend auf der Baunutzungsverordnung.

Quelle: Archiv

Marburg. Das drohende Aus für Dutzende Ferienwohnungen in der Universitätsstadt löst eine Grundsatz-Diskussion über die Nutzung von Immobilien aus. Die Marburger Linke übt Kritik an der Umwandlung von regulären Mietwohnungen in Ferien-Apartments.

„In einer Stadt mit einem seit Jahren derart angespannten Wohnungsmarkt, gehen mit jeder Ferienwohnung Kapazitäten verloren, was die Lage noch schlimmer macht“, sagt Jan Schalauske, Stadtverordneter auf OP-Anfrage.

Seine Fraktion hat einen Antrag in die Kommunalpolitik eingebracht, um der „Zweckentfremdung von Wohnraum“ fortan beizukommen. Etwa 90 Ferienwohnungen sind in den Datenbanken der kommunalen Touristik-Organisation MSLT offiziell registriert.

Linke kritisiert Investor-Pläne

„Ein Angebot von uns Eigentümern war es, die Zahl der Ferienwohnungen im Komplex zu verringern“, sagt Andreas Kunz, Besitzer von vier und Verwalter von zwölf Ferienwohnungen in der vor dem Aus stehenden Anlage „Schloßssblick“ in der Cappeler Straße (die OP berichtete). Das habe jedoch an der nun erlassenen Nutzungsuntersagung nichts geändert.

Die Linke bemängelt grundsätzlich, dass zunehmend Apartments in Ferienwohnungen umgewandelt würden, jüngstes Beispiel sei das Gebäude der ehemaligen Elisabeth-Bräu-Gaststätte im Steinweg 45 (die OP berichtete). Die Linke kritisiert die ihrer Ansicht nach von einem Münchener Investor angekündigte „Bevorzugung von Ferienwohnungen gegenüber normalen Wohnungen, weil damit höhere Renditen erzielt werden könnten“.

Der Antrag könnte jedoch durch die Ankündigung der Stadtverwaltung, wonach „Ferienwohnungen in Wohngebieten grundsätzlich unzulässig“ seien, sie „auch nicht ausnahmsweise“ (Bürgermeister Dr. Franz Kahle) genehmigt werden könnten, hinfällig sein – vorerst.

Land
 tendiert zu Erleichterung

Denn die hessische Landesregierung schätzt die Situation so ein: Zwar habe das Nebeneinander von Ferien- und Normalwohnungen in der Vergangenheit zu „keinen größerenen Problemen“ geführt. Allerdings könne eine solche Mischnutzung aus städtebaulicher Sicht zu „unerwünschten Entwicklungen“ führen. Etwa dadurch, dass Ferien-Apartments nicht das ganze Jahr hindurch genutzt würden und im Extremfall für „unbewohnte Straßenzüge“ sorgen könnten.

Für die Kommunen ergebe sich vor allem das Problem, dass sie – trotz des Wegfalls von regulärem Wohnraum – die Infrastruktur wie Kindertagesstätten, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten vollständig erhalten müssten. Es würden der örtlichen Bevölkerung Möglichkeiten für „Dauerwohnungen entzogen“.

Jedoch gebe es touristische attraktive Gegenden, in denen die Mischnutzung „unproblematisch sein kann“ – weshalb sich das Land vorstellen könne, sich einer Änderung der „starren Baunutzungsverordnung“ via Bundesrats-Initiative anzuschließen, um die Ausweisung von Ferienwohnungen zu erleichtern.

Die Stadtverordnetenversammlung solle sich, so fordert es die Partei, „in dieser Frage eindeutig positionieren“ und das Land Hessen auffordern, analog zu anderen Bundesländern gesetzliche Regelungen gegen solche Entwicklungen zu erlassen. „Die Wohnraumversorgung ist eine öffentliche Aufgabe und darf nicht allein dem Markt überlassen werden“, heißt es von der Linken.

von Björn Wisker

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