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Lindwurm schlängelt sich durch die Stadt

Diskussion um Verkehrsmittel Lindwurm schlängelt sich durch die Stadt

Die Diskussion um den Einsatz moderner Verkehrsmittel zur Lösung der Verkehrsprobleme reißt nicht ab. Neuester Vorschlag: Oberleitungsbusse mit Doppelgelenk.

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Ein neuer Doppelgelenk-Oberleitungsbus in Luzern: In vielen Städten vor allem der Schweiz gibt es gute Erfahrungen mit diesem Verkehrsmittel.

Quelle: Fabio Sommaruga/pixelio.de

Marburg. Sie sind bis zu 25 Meter lang, transportieren bis zu 200 Passagiere und sind in einigen Städten vor allem in der Schweiz schon erprobt: Doppelgelenk-Oberleitungsbusse haben von allen Verkehrsmitteln „die höchste Transportkapazität unterhalb der Straßenbahn“, sagt Reinhard Ahrens, Grüner Verkehrsexperte aus Niederweimar. Je nach Modell ist knapp jeder dritte Platz ein Sitzplatz, der Rest sind Stehplätze.
Die meisten Modelle sind vierachsig, davon treiben zwei Achsen den vorderen Busteil an, jeweils eine die beiden hinteren.

Die Stadt Zürich war von dem Verkehrsmittel so überzeugt, dass sie 2007 nicht nur 17 Fahrzeuge bestellte, sondern gleich auch ihre Haltestellen verlängerte. Die waren bis dahin auf ein maximale Buslänge von 20 Metern ausgelegt. Auch in Bern, Luzern oder in St. Gallen kommt dieses Verkehrsmittel zum Einsatz.

Schüren: Oberleitungen in der Innenstadt ausgeschlossen

Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Schüren hatte in der OP über Oberleitungsbusse nachgedacht, aber ausgeschlossen, dass eine Oberleitung in der Innenstadt gebaut werden könnte. Man müsse sich daher Hybridmodelle anschauen.
Ahrens weist darauf hin, dass es auch Modelle mit leistungsstarken Batterien gebe, die auf den Streckenabschnitten mit Oberleitung aufgeladen werden könnten. Nachteil: Batterien, die einen Doppelgelenkbus über vier bis fünf Kilometer antreiben können, sind schwer – bis zu sechs Tonnen, heißt es in der Fachliteratur. Aber auch das wäre lösbar, sagt Ahrens: Bei den großen Herstellern denke man über Zwischenaufladestationen nach.

„Leistungsstarke Elektromotoren sind jedem Dieselmotor überlegen“, sagt Ahrens. Sie ermöglichten nicht nur eine höhere Beschleunigung etwa auf den Steigungsstrecken zu den Lahnbergen, sondern seien zudem emissions- und geräuscharm. Beim Bremsen könne überschüssige Energie sogar wieder ins Oberleitungsnetz abgegeben werden.

Unterdessen hat die Frankfurter Verkehrsgesellschaft Traffiq über positive Reaktionen auf den einwöchigen Probebetrieb eines Doppeldeckerbusses berichtet. Es habe keinerlei negative Stimmen gegeben, sagte Sprecher Klaus Linek. Die Auswertung von Fahrgastinterviews und der Fahrgastzählung steht noch aus. „Die entscheidende Frage ist: Wird das Obergeschoss akzeptiert?“, sagte Linek. Passiert das nämlich nicht, gäbe es keinen Platzgewinn.

FDP: Menge der Busse ist entscheidend

Die Marburger FDP hatte Doppeldeckerbusse für Marburg vorgeschlagen und war damit bei Schüren auf Skepsis gestoßen. „Stadtwerkeboss und SPD-Mitglied Schüren macht es sich zu einfach, indem er unseren Vorschlag mit Verweis auf eine zu geringe Kapazität von Doppeldeckerbussen direkt zurückweist“, sagte FDP-Chef Christoph Ditschler.

Ein einzelner Doppeldecker habe zwar eine niedrigere Kapazität als ein Gelenkbus oder ein Bus mit Anhänger, aber die Menge der Busse und die Kapazität pro Quadratmeter seien entscheidend. Das Verkehrsmittel sei brauchbar und bezahlbar – zumal, wie Stadtverordneter Hanke Bokelmann ergänzte, die Stadtwerke Marburg einen hohen Nachholbedarf haben, was Investitionen in deren Busse angeht.

„Dann doch gleich Doppeldecker, denn die Busflotte der Stadtwerke ist laut Nahverkehrsplan völlig überaltert“, sagte Bokelmann.

von Till Conrad

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