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Liebeserklärung an das Elternhaus

Sanierung Liebeserklärung an das Elternhaus

Für die Renovierung des Hauses Haspelstraße 25 hat Eckhard Voigts den Denkmalpreis erhalten. Mit der OP spricht er über die Bauarbeiten in und an dem 120 Jahre alten Gebäude.

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So sieht das Haus 12 Jahre und eine Rundum-Sanierung später aus.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Mit der Universitätsstadt fühlt sich Eckhard Voigts verbunden. Hier ist er aufgewachsen und zur Schule gegangen, hier lebten seine Eltern. Mittlerweile wohnt der 65-Jährige nahe Düsseldorf. Ob er Marburg vermisse? „Ich bin gerne hier“, antwortet er. Grund dafür ist vor allem, dass Voigts Besitzer des Hauses Haspelstraße 25 ist, das in diesem Jahr mit dem Denkmalschutzpreis des Landkreises Marburg-Biedenkopf ausgezeichnet wurde.

Voigts Eltern kauften 1967 das 1897 erbaute Haus. Anfang der 1990er übernahmen Voigts und seine Geschwister das Gebäude als Grundstücksgemeinschaft, bis der 65-Jährige 2013 zum alleinigen Besitzer wurde. Die Renovierung begann 2004 und kam Ende 2015 zum Abschluss. Im Erdgeschoss seines Elternhauses hat er noch ein Zimmer - in der Wohnung, in der er groß geworden ist.

Über das Haus zu sprechen, bereitet ihm sichtlich Freude, und er entpuppt sich geradezu als Museumsführer, als Historiker von Architektur und Bausubstanz, als er durch die Räume und Etagen seines Besitzes führt. Im Treppenhaus, das ab 2010 renoviert wurde, macht er Halt und zeigt auf die Stufen: „Das sind die bauzeitlichen Holzstufen von vor 120 Jahren. Sie sind lediglich zurechtgeschliffen worden.“ Statt düsterem Ochsenblut-Rot dominieren jetzt helle Naturfarben. Er wollte stilgerechtes Erneuern im ganzen Haus, den ursprünglichen Charakter des Hauses unbedingt erhalten.

Historische Fenster fördert Stadt mit bis zu 40 Prozent

Doch nicht nur das Treppenhaus ließ er im bauzeitlichen Charakter herrichten. Vor allem die Fenster im ersten Obergeschoss, die Voigts 2013 renovieren ließ, waren ihm wichtig. Die Renovierung historischer Fenster fördert die Stadt mit bis zu 40 Prozent, und der Besitzer bestand darauf, dass die bauzeitlichen Glasscheiben erhalten bleiben.

Wenn Voigt spricht, dann langsam und bedächtig. Häufig hält er inne, um nach den richtigen Worten zu suchen. Oft geht ihm das Wort „wunderschön“ über die Lippen. So auch, wenn er über die verzierten Fenstergriffe im Haus spricht.

Balkone und Toiletten wurden in den vergangenen zwei Jahren erneuert. Jede Baumaßnahme musste der 65-Jährige vom Denkmalschutzamt genehmigen lassen. In diesem Jahr erhielt Voigts eine Urkunde und eine Plakette, die er auch an der Fassade anbrachte. Seitdem ist für jeden Fußgänger sichtbar: Das Südviertel-Haus hat den „Denkmalschutzpreis Landkreis Marburg Biedenkopf“ erhalten.

Ohne Fördergelder wäre Entscheidung schwer gefallen

Doch ohne kommunale Fördergelder wäre Voigts die Entscheidung zu einer derartigen Renovierung schwer gefallen: „Ich kann andere Hausbesitzer, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich vor rund zehn Jahren, ermutigen, diesen Weg eben­falls zu gehen. Es lohnt sich.“

Zwar lebte Voigts zehn Jahre lang in der Haspelstraße 25, lernte das Haus jedoch erst während der Renovierungsarbeiten richtig kennen. Ende des 19. Jahrhundert ist laut Voigts bereits mit „hochwertiger Qualität“ gebaut worden. Die Geschichte scheint ihm der beste Lehrmeister zu sein: „Wir können sehr viel aus der Vergangenheit lernen. Es lohnt sich nämlich, an alten Bauprinzipien festzuhalten.“ Hinter der erneuerten Fassade leben mittlerweile 20 Studenten in vier Wohnungen. Die Zimmer sind zwischen 16 und 25 Quadratmeter groß, die Decken 3,35 Meter hoch. Große Zimmer, hohe Decken und „relativ niedrige Miete“, wie Voigts sagt.

Vier der momentanen Mieter sind „besonders treu“ und leben bereits zehn Jahre und länger im Haus. Einer davon ist Dr. Nikolaus Fröhlich. „Das Haus hat sehr an Schönheit gewonnen, und es ist schon besonders, wenn ein Vermieter eines Studentenhauses so viel Wert auf Ästhetik legt“, sagt er, der 1998 einzog.

Die Renovierung habe die Lebensqualität im Haus deutlich steigen lassen, sagt Voigts. Doch bis dahin sei es ein langer Weg gewesen. Bei den elf Jahre dauernden Baumaßnahmen waren Lärm und Dreck regelmäßige Begleiter. Jetzt hofft er, dass das Haus seiner Kindheit noch mindestens 120 weitere Jahre steht.

von Benjamin Kaiser

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