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„Lieber Gott, beschütze diese Pferde“

Pferdesegnung „Lieber Gott, beschütze diese Pferde“

Mit Gottes Segen auf die Sommerweide: Der Pferde-Segnungsgottesdienst in der Marbach wird langsam zur beliebten Tradition.

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„Auf den Weihrauch müssen wir den Pferden zuliebe verzichten. “ Pfarrer Klaus Nentwich (von links) und Pfarrer Oliver Henke tätscheln einen mit Blumen geschmückten Friesen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Mit einem Schnauben quittiert Nemo das Ganze. Der Barockpinto findet das saftige Gras doch um einiges interessanter als die im melodischen Singsang vorgetragenen Segensworte von Pfarrer Klaus Nentwich: „So segne eure Pferde auf den Wiesen und in den Ställen der allmächtige Gott ...“

In der Marbach ereignet sich jedes Jahr an Christi Himmelfahrt ein ganz besonderer Segnungsgottesdienst. Die Teilnehmer sind mit Blumen geschmückt, das Fell ist glänzend gestriegelt und das Zaumzeug geputzt.  Wiehern und Schnauben klingen durch die milde Frühjahrsluft.
„Auch Pferde, Tiere im Allgemeinen, haben eine Würde. Gott befahl dem Menschen, jedem Tier einen Namen zu geben. Der Name bedeutet Identifikation, aber auch Identität. Tiere sind nicht nur etwas, sondern jemand“, erläutert Pfarrer Oliver Henke, der zusammen mit Pfarrer Klaus Nentwich den ökumenischen Pferde-Segnungsgottesdienst abhält.

Mit Gottes Segen auf die Sommerweide: Der Pferdesegnungsgottesdienst in der  Marbach wird langsam zur beliebten Tradition.

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Auf die Idee zu diesem ungewöhnlichen Gottesdienst ist vor drei Jahren Monika Kickartz gekommen. Die Besitzerin des „Pferdelands Rohan“ in der Marbach war damals in den Bergen unterwegs und erlebte einen feierlichen Almauftrieb mit. „Das hat mich so fasziniert, dass ich dachte, wir machen das auch“, erklärt sie und klopft ihrem Pferd Nemo den Hals.

Kurzerhand hat sich dann der Reitverein Marburg-Marbach als Veranstalter hervorgetan und seitdem ist eine beliebte Tradition entstanden, die auch etwas von einer Abschiedszeremonie hat. Denn mit der Pferdesegnung wird auch die Weidesaison eingeläutet. „Wir halten die Pferde im Sommer in einer großen Herde. Für viele Pferdebesitzer ist es schwierig, ihre Tiere loszulassen. Die Pferdesegnung soll ihnen auch ein bisschen dabei helfen, darauf zu vertrauen, dass es den Pferden in ihrer natürlichen Umgebung gut geht“, erklärt Kickartz.

Pferde sind der Lebensinhalt der 38-Jährigen

„Als Pferdebesitzerin muss man Tag und Nacht erreichbar sein und immer für seine Tiere sorgen“, betont sie. Pferde sind für sie und die anderen Reiter viel mehr als nur Sportgeräte. Sie sind treue Begleiter, vierbeinige Freunde, für die man Verantwortung trägt.

Ein kleines Mädchen, das gar nicht aufhören kann, ihrem Pony die Mähne mit Blümchen zu schmücken, sieht das ganz ähnlich: „Der liebe Gott soll ja nicht nur uns beschützen, sondern auch alle Pferde. Denn die sind immer so lieb.“ Dutzende pferdebegeisterte Mädchen, Jungen, Jugendliche und Eltern sind an diesem Donnerstag mit dabei.Vor der eigentlichen Segnung reiten alle gemeinsam rund eine Stunde durchs Marbacher Feld. Schweif an Schweif über Stock und Stein.

 

Hufgetrappel schallt durchs Wohngebiet, Autofahrer halten an und bestaunen die ungewöhnliche Prozession. „Ich finde das toll, dass die Pferde die Messe hautnah miterleben können“, sagt Lara Schacknies, die ihre 16-jährige Stute gesattelt hat.

Auf einer Wiese oberhalb der Marbacher Grillhütte endet die bunte Prozession mit Ponys, Füchsen, Braunen, Schummeln und Schecken. Die Pfarrer warten schon auf die zu segnenden Pferde. Nur eines fehlt bei der Zeremonie: Weihrauch. „Auf den mussten wir verzichten, damit keines der Pferde scheut“, erklärt Pfarrer Nentwich augenzwinkernd hinzu, „macht aber nichts, es geht auch so.“

von Nadine Weigel

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