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Liebe_r Leser_in, heute ist Weltfrauentag

Internationaler Frauentag Liebe_r Leser_in, heute ist Weltfrauentag

Irgendwie ist Alexander Klug Rainer Brüderle dankbar. Ohne seine Aussagen wäre die Sexismus-Debatte wohl erst zu einem späteren Zeitpunkt ausgebrochen. Dabei, so Klug, sei sie schon längst überfällig gewesen.

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Diskriminierung ist das Spezialthema von Alexander Klug. Er promoviert am Institut für Schulpädagogik.

Quelle: Marie Lisa Schulz

Marburg. Liebe_r Leser_in (oder: Liebe/r Leser/in, wahlweise auch Liebe(r) LeserIn) am Weltfrauentag soll es einmal um das Thema gendergerechte Sprache gehen. Um verschiedene Schreib- und Denkweisen. Um die Frage, wie die Sprache auch eine Einstellung verändern kann.

Ein Thema, das Alex Klug mit Leidenschaft diskutiert, mit Überzeugung verteidigt. Alex, ein Name, der von Männern und Frauen getragen werden kann. Alex Klug ist ein Mann - einer, der sich für Frauen und ihre Rechte einsetzt. Einer, der gerade seinen Doktor am Institut für Schulpädagogik macht und der sich mit dem Thema „Diskriminierung“ auseinandersetzt.

Mit seinen 31 Jahren wurde er nach der zweiten großen Frauenbewegung geboren. Wuchs in einer Gesellschaft auf, in der Frauen Vollzeit arbeiten, Führungspositionen übernehmen, sich die Kindererziehung und Haushaltsaufgaben mit dem Lebenspartner teilen. Einer Gesellschaft, in der Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Zumindest in der Theorie.

Veraltete Rollenbilder schon in der Schule

Die Realität, so Klug, sieht anders aus. Er beobachtet, dass die alten Rollenvorstellungen noch immer existieren. „Schauen Sie sich doch nur einmal die Werbung an“. Frauen freuen sich über Schuhe, bei Männer geht es um Eroberung und Action“, erklärt der 31-Jährige.

Manchmal reicht auch schon der Blick in das Schulbuch. Mathestunde. Extra Textaufgaben für Mädchen und Jungen. Jungs sollen die Fußballspieler auf einem Feld zählen, Mädchen Schmetterlinge. Eine Aufgabenstellung, bei der Klug sich die Nackenhaare aufstellen. Veraltete Rollenbilder. Falsche Rollenbilder.

„Mag ja sein, dass wir das Schubladendenken brauchen. Aber muss es das Geschlecht sein? Wieso nicht eine Berufsbezeichnung“, fragt er. Schließlich habe man in seinem Beruf eine Prüfung abgelegt. „Haben Sie eine Prüfung zum „Frau oder Mann sein“ vorzuweisen? „Zur Diskriminierung gehört auch, dass man zur sexistischen Normalität erzogen wurde. Ist etwas normal, beklage ich mich nicht drüber - das registriere ich dann nicht“, so der Doktorand weiter.

Klagen, sich beschweren, laut und unbequem werden - all das vermisst er derzeit in der Gesellschaft. Zu normal, zu angepasst gehe es gerade zu. Dabei, so der 31-Jährige, gebe es zahlreiche Gründe zu protestieren. „Das Thema Sexismus in der Sprache wird derzeit nicht weiter erforscht. Es ist aber genau so aktuell wie vor 20 Jahren. Nur müsste mal die Gesellschaft nachziehen.“

Sprache ist „ein kleiner Baustein“

Nachziehen womit? „Gleichberechtigung fängt dort an, wo Männer und Frauen sichtbar gemacht werden. Frauen sind in der Sprache häufig unsichtbar.“ Dann beispielsweise, wenn nur von Lehrern, nicht aber von Lehrerinnen die Rede ist. Wenn es einen Obmann, seit kurzem aber erst eine Obfrau gib.“

Klug plädiert für selbstverständliche Gleichberechtigung in der Sprache - auch wenn er weiß, dass dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. „Nur wenn wir die Sprache verändern bedeutet das nicht, dass wir den Sexismus stoppen. Sprache ist nur ein kleiner Baustein. Verändern wir sie aber nicht, wird es immer eine Lücke geben, in die sich Sexismus reindrängeln kann.“

Er selbst benutzt in seiner Schriftsprache, liebe_r Leser_rin, immer den Unterstrich. Gender-Gap nennt sich diese Schreibweise. Die Lücke zwischen der männlichen und der weiblichen Form „soll symbolisch Platz schaffen für all die Menschen, die weder in das Männer- noch in das Frauenschema passen wollen.“ Denn auch das ist Gleichberechtigung: wenn Randgruppen bedacht werden. Menschen, die sich keinem Geschlecht eindeutig zugehörig fühlen.

von Marie Lisa Schulz

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