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„Lichthupe, wenn ich 30 fahre“

Tempo-30-Zonen „Lichthupe, wenn ich 30 fahre“

Die flächendeckende Einführung von Tempo-30-Zonen in Wohngebieten ist abgeschlossen. Erste 
Erfahrungen mit der neuen Regelung in Wehrda: Die neue zulässige Höchstgeschwindigkeit findet überwiegend Zustimmung.

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Die Leopold-Lucas-Straße in Ockershausen gehört zu den Straßen, in denen Tempo 30 neu eingeführt wurde.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Leopold-Lucas-Straße, Zwetschenweg, Ockershäuser Allee, Herrmannstraße, Rotenberg, Wehrdaer Weg, Wehrdaer Straße und Sommerbadstraße: Das sind die letzten Straßen in Marburgs Wohngebieten, in denen Tempo 30 eingeführt wurde.

In der Wehrdaer Straße betreiben Anwohner durch selbstgemalte Schilder „Verkehrserziehung“. Fotos: Reiche

Quelle:

Möglich wurde dies durch einen Erlass, der die Voraussetzungen zu Geschwindigkeitsbeschränkungen auf klassifizierten Straßen – also auf Kreis- und Landesstraßen – neu regelt. Besondere Probleme hat die Ausweitung im Stadtgebiet nicht gemacht, sagt Tina Eppler von der städtischen Pressestelle, „da in den vergangenen Jahren die Tempo-30-Zonen flächendeckend in allen Wohngebieten der Stadt Marburg auf nicht klassifizierten Straßen eingerichtet wurden“.

Für die Ausdehnung der Tempo-30-Zonen auf weitere Straßen im Stadtteil Ockershausen seien bei der Straßenverkehrsbehörde keine gravierenden Probleme bekannt geworden. Schon nach wenigen Tagen sei eine geringere Geschwindigkeit in den neuen Tempo-30-Zonen durchgesetzt worden, berichtet Eppler für die Stadt.

Anwohner Dieter Kopp, der in der Ockershäuser Allee wohnt, hat da andere Erfahrungen gemacht: „Pkw brausen nach wie vor wie die Wilden“, sagt Kopp und ergänzt: „Wenn ich 30 fahre, betätigt mein Hintermann garantiert die Lichthupe.“

Aus Wehrda lägen der Stadt noch keine Erfahrungswerte vor, sagt Eppler. Anwohner haben unterschiedliche Erfahrungen mit der neuen Regelung gemacht, wie eine kleine Umfrage der OP zeigt:

von Suria Reiche
 und Till Conrad

 
OP-Umfrage
Siegfried Bergmann, 64, Elektro-Installateur: „Dass hier jetzt eine 30er-Zone ist, finde ich nicht gut. Hier könnte man doch schneller fahren! 40, 50 km/h wäre eine angemessene Geschwindigkeit. Vorne im Wehrdaer Weg, wo es eng wird, ist eine niedrige Geschwindigkeit ja okay, aber hier hinten, in der Ortschaft, könnte man ruhig 50 fahren.“
Wilhelm Junk, 77, Hausbesitzer: „Die 30er-Zone will ich noch gelten lassen, auch wenn es die meisten nicht einhalten, aber von den Bäumen, die hier an der Straße gepflanzt wurden, damit man langsamer fährt, bin ich kein Freund! Die Busse und Lkw müssen erst anhalten und dann wieder anfahren. Das ist laut und macht Abgase. Wenn die Bäume nicht wären, könnten die hier in einer Geschwindigkeit durchfahren, dann würden wir hier nicht so belastet werden.“
Violetta Resch, 25, Studentin: „Mir persönlich ist noch gar nicht aufgefallen, dass man hier nur noch 30 fahren darf. Ich fahre kein Auto und bin nur mit dem Bus unterwegs. Auch als Fußgänger habe ich bis jetzt noch nicht wirklich eine Veränderung gespürt. Mein Fenster geht nach hinten raus, vielleicht habe ich deswegen noch nichts davon gemerkt.“
Helmut Peters, 63, Rentner: „Ich bin auf dem Weg hierher ganz brav 30 gefahren. Ich hab kein Problem damit. Zwar ist es, meiner Meinung nach, nicht unbedingt erforderlich, aber ich halte mich dran. Eigentlich sollte man aber 50 fahren können, vielleicht auch 40 als Kompromiss. 30 ist schon ein bisschen langsam, aber wenn die Anwohner da Jahrzehnte lang für gekämpft haben, soll mir das recht sein.“
Lothar Armort, 44, Verkäufer: „Ich finde es gut, dass hier eine 30er-Zone eingeführt wurde. Diese Raserei, die hier betrieben wurde, war nicht mehr schön. Grade als Fußgänger musste man ja Angst haben, dass man von einem Auto erwischt wird. Vor allem jetzt bei den Wetterverhältnissen kann es ja schnell passieren, dass mal ein Auto ausbricht – und zwar eher, wenn schnell gefahren wird als langsam. Außerdem wohnen viele Familien mit Kindern hier.“
Inga Hoolmanns, 34, Auszubildende: „Ich fahre zwar selbst kein Auto, aber die Schilder am Straßenrand sind mir schon aufgefallen. Ich find die 30er-Zone gut, die Straße ist an manchen Stellen sehr eng, und hier wohnen viele Kinder. Ich selbst bin meistens früh morgens oder spät abends hier unterwegs, aber ich hab schon manchmal mitbekommen, dass Familien mit Kindern es kritisch fanden, hier lang zu laufen.“
(Fotos: Suria Reiche)
 
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