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Letztes Halali ist noch nicht geblasen

Hessische Jagdverordnung Letztes Halali ist noch nicht geblasen

Der Großteil der Jägerschaft Hessens schwebt zurzeit zwischen Hoffen und Bangen. Denn Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) will die Jagdverodnung ändern. Auch heimische Waidmänner bringt das auf die Palme.

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Ob mit historischen oder mit modernen Waffen, die im Entwurf der hessischen Jagdverordnung vorgesehenen Änderungen verleiden vielen Jägern die Freude an der Jagd.

Quelle: Hirsch

Marburg. So, wie sie Ministerin Hinz vorlegte, wird die Jagdverordnung wohl nicht umgesetzt. Denn in der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, dem großen Koalitionspartner der Grünen, nimmt der Unmut zu. In den Herbstferien schlug den Abgeordneten in ihren Wahlkreisen viel Kritik aus der Jägerschaft entgegen.

Das wurde auch am Rande der Sitzung des hessischen Umweltausschusses deutlich. Der lud am Montag auf Antrag von SPD und FDP zur Anhörung zu der geplanten Jagdgesetz-Novellierung ein (die OP berichtete).
Die Opposition kritisierte im Vorfeld, das Umweltministerium wolle wohl im Eilverfahren und am Parlament vorbei die Jagdverordnung durchboxen. Dabei seien Naturschutz- und Jagdverbände gegeneinander ausgespielt worden.

Auch heimische Jäger demonstrieren in Wiesbaden

Tausende Jäger gingen bereits Ende September auf die Straße und demonstrierten gegen den Entwurf, unter ihnen auch zahlreiche Waidmänner aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf. Auf Transparenten war unter anderem zu lesen „Nie wieder CDU“. Der Präsident des Landesjagdverbandes Hessen, Dr. Jürgen Ellenberger, rief die Jäger dazu auf, einen Musterbrief vor allem an die Abgeordneten von CDU und Grünen weiterzuleiten.

Und der Verband übergab dieser Tage der Umweltministerin eine Liste mit mehr als 15 000 Unterschriften gegen die Verordnung. Die CDU kündigte nach der Anhörung am Montag Konsequenzen an: Man wolle im Gespräch mit der Ministerin „für eine Anpassung werben“, sagte Dr. Walter Arnold. Der Fuldaer Landtagsabgeordnete ist Unions-Sprecher für Forst-, Jagd- und Fischereipolitik und aktiver Jäger.

Längere Schonzeiten sind Teil der Verordnung

Hätte ­Priska Hinz die Verordnung am 28. September – nach Ablauf der Anhörungsfrist – unterschrieben, wäre sie in Kraft getreten. Namhaften Juristen zufolge scheint es allerdings rechtlich bedenklich, etwa Jagdzeiten einfach per Ministerverordnung zu ändern. Womöglich wird aus der geplanten Verordnung nun eine vom Landtag vorzunehmende Gesetzesänderung, es sei denn, die Ministerin riskiert einen Rechtsstreit.

In dem Verordnungsentwurf sind unter anderem längere Schonzeiten für Füchse, Elstern und Rabenkrähen vorgesehen, Graugänse und Rebhühner, Baummarder, Iltis, Hermelin und Mauswiesel sollen gar nicht mehr und Feldhasen nur nach dem Nachweis ausreichender Bestände bejagt werden.

Naturschutzbund fordert drastischere Änderungen

Während die Jäger zu starke Einschränkungen befürchten, reicht dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) die Verordnung nicht aus. Die Landesvertreterversammlung verabschiedete Mitte Oktober in Wetzlar eine Resolution zur geplanten Reform. Der Naturschutzbund lehnt eine Tötung von Tieren aus rein sportlicher Motivation ab.

Jagd sei sinnvoll und legitim, wenn die Tiere verwertet würden, Verbissschäden im Wald vermindert und Naturverjüngung gefördert werde. Auch zur Vermeidung unverhältnismäßiger Wildschäden auf landwirtschaftlichen Flächen könne die Jagd beitragen, heißt es in der Resolution. Verboten gehört nach dem Dafürhalten des Nabu auch die Jagd mit Totschlagfallen und der Einsatz bleihaltiger Munition.

Jäger nicht mehr für Bestandskontrolle zuständig

Gegen die Einschränkungen im Verordnungsentwurf spricht sich Volker Klingelhöfer aus. Der Biedenkopfer ist Sprecher der Jägervereinigung Hinterland. Er kritisiert, dass der Nachweis von Wildbeständen künftig von Naturschutzverbänden erbracht werden soll. „Und das über unseren Kopf hinweg“, sagt er. Anstelle der Eigenverantwortung der Jäger solle es nun eine Gängelung geben.

„Jäger sind sehr gut ausgebildet und müssen ihr Wissen durch eine schwierige Abschlussprüfung nachweisen, die nicht umsonst als ,Grünes Abitur‘ bezeichnet wird, sagt er. Jäger seien selbst fähig, zu erkennen, „wann Tiere nicht mehr bejagt werden sollten, weil die Bestände drastisch zurückgehen. Und sie jagen dieses Wild dann auch nicht mehr“, betont er.

Bei Nichtbestehen keine weitere Zulassung

Dr. Gerhard Willmund, Vorsitzender der Jägervereinigung Marburg nennt zwei Kritikpunkte am Entwurf der Landesjagdverordnung, die ihm am Herzen liegen: Bei den neu formulierten Zulassungsvoraussetzungen für die Jägerprüfung heißt es: „Wurde die Jägerprüfung des Landes nicht bestanden, besteht keine Möglichkeit zur erneuten Zulassung.“ Diese Bestimmung dürfte im Prüfungswesen des Landes Hessen einzigartig sein, vermutet Dr. Willmund.

Nicht weniger bedeutend ist in seinen Augen eine weitere Änderung. Sie betrifft die jagdliche Schießprüfung. Bei der soll unter der Disziplin „Laufender Keiler“ eine Neuregelung zum Tragen kommen. Diese Disziplin sei neu in der Ausbildung und würde mit der Verordnung erschwert und verschärft, sagt er.

Anfänger schießen wie bei Meisterschaften

Bei der Prüfung bewege sich eine Wildscheibe in einer Entfernung von 50 beziehungsweise 60 Metern über eine sechs Meter breite Schneise, erklärt Willmund. Diese Scheibe soll sich innerhalb von 1,8 bis 2 Sekunden von rechts nach links bewegen und ist auf dem Schießstand für den Schützen nur in der Schneise sichtbar. Von den fünf Einzelschüssen müssen drei innerhalb der Ringe liegen, 21 Ringe müssen mindestens in der Summe erreicht werden.

Diese Disziplin sei dem Meisterschaftsschießen auf Landes- und Bundesebene entnommen, weiß Dr. Willmund. „Macht es Sinn einen Anfänger in der jagdlichen Schießausbildung so weit zu bringen, dass er reflektorisch auf ein bewegtes Ziel schießen kann“, fragt er.

Schützen bleibt keine Möglichkeit zum Nachdenken

Damit gehe ein Umdenken in der Ausbildung der jungen Jäger einher. „Bisher wurde traditionell so ausgebildet, dass der Schütze sich Zeit lässt, dass er das Stück anspricht, bewertet und dann in Ruhe einen gezielten Schuss abgibt, der möglichst tödlich für das Wild ist“, sagt er. Bei dieser Art des Schießens spiele die Achtung vor der Kreatur und der Tierschutz eine Rolle.

Jetzt solle der Schwerpunkt verschoben  werden in das schnelle reflektorische Schießen. Dem Schützen bleibe dabei keine Möglichkeit, sich Gedanken zu machen, wo er hinschieße, kritisiert der Vorsitzende. Das sei eine andere Art des Schießens und eine andere Art des Umgangs mit dem Wild.

Für die meisten Jäger spiele bei der Jagd nicht der sportliche Aspekt eine Rolle, sondern die verantwortungsvolle, nachhaltige Bewirtschaftung des einem von Jagdgenossen anvertrauten Wildbestandes. Daum gehe es in der Zukunft offenbar nicht mehr.

von Hartmut Berge

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