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Letzte Verwarnung für Kleindealer

Geldstrafe Letzte Verwarnung für Kleindealer

Auch wenn es vor allem aus Sicht von Jugendlichen als Lappalie erscheinen mag: Selbst unter Freunden ist der Handel mit Cannabis strafbar, sogar dann, wenn kein Gewinn erwirtschaftet wird.

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Ein 24-Jähriger musste sich vor Gericht verantworten, weil er Cannabis an seine Freunde verkauft hatte.

Quelle: Archiv

Marburg. Diese Erfahrung musste ein 24-jähriger Marburger machen, als er sich wegen diverser Marihuana-Verkäufe vor dem Amtsgericht verantworten musste. Einige der Geschäfte hatten schon 2012 stattgefunden, weswegen die überfällige Verhandlung beziehungsweise die entsprechende Anklage bei einigen Instanzen zwischen Jugend- und Erwachsenenstrafrecht hin- und hergeschoben worden war. „Wieder so ein Hochseilakt der Formalien,“ meinte Richter Cai Adrian Boesken, „aber jetzt wird das endlich erledigt.“

Von einem professionellen Drogendealer konnte allerdings im Falle des jungen Mannes eher keine Rede sein, bei den Geschäften war es ausschließlich um kleine Mengen von ein bis zwei Gramm für 10 bis 20 Euro gegangen. Grundsätzlich räumte der Angeklagte in den meisten Anklagepunkten ein, Cannabis gegen Geld an seine Freunde verteilt zu haben, damit diese aufhörten, ihn regelmäßig „anzuschnorren“. Lediglich bei einigen älteren Fällen stritt der geringfügig wegen Randalierens Vorbestrafte seine Beteiligung ab, ein entsprechender Zeuge aus dem kiffenden Freundeskreis war allerdings am Verhandlungstag selbst in den Strafvollzug gegangen. Schlussendlich einigten sich die Beteiligten auf einen Mittelwert von etwa 30 abgeschlossenen Geschäften, wobei in den meisten Fällen aufgrund der Geringfügigkeit das Verfahren eingestellt wurde.

„Wir können nun lange weltanschaulich darüber diskutieren, ob die Gesetzeslage hier sinnvoll ist oder ob das alles in zwei Jahren nicht wieder ganz anders aussieht, aber im Moment ist das, was Sie getan haben, noch strafbar, also können wir Sie nicht ganz ungeschoren davonkommen lassen“, zog Boesken schließlich Bilanz. Auf den nicht ganz ernst gemeinten Einwand des Verteidigers Stefan Adler, sein Mandant wäre ja bereits durch dessen Honorar genügend gestraft, entgegnete der Chef des Amtsgerichts grinsend: „Es steht Ihnen ja frei, auf Ihre Vergütung zu verzichten.“

Am Ende blieb es bei einer Verwarnung mit Strafvorbehalt. Sollte der Verwarnte noch einmal auffällig werden, muss er 900 Euro Strafe zahlen. Dessen ungeachtet wurde ihm auferlegt, der Suchthilfe Fleckenbühl 300 Euro zu überweisen. Der geständige Kleindealer zeigte sich einsichtig: „Dieser Lebensabschnitt ist endgültig vorbei.“

von Marcus Hergenhan

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