Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 17 ° Regenschauer

Navigation:
Lern-Experte hat als Vizepräsident viel gelernt

Harald Lachnit Lern-Experte hat als Vizepräsident viel gelernt

Nach sechs Jahren hört der Marburger Psychologie-Professor Harald Lachnit als Uni-Vizepräsident auf.

Voriger Artikel
Knochenfund schockiert Familie
Nächster Artikel
Vorwärts, rückwärts – und eine erste Pirouette

Professor Harald Lachnit sitzt an seinem Arbeitsplatz im Büro im Uni-Verwaltungsgebäude.

Quelle: Manfred Hitzeroth

Marburg. Der Bologna-Pro­zesses mit der flächendeckenden Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen hat Professor Harald Lachnit seit Beginn seiner Amtszeit als Uni-Vizepräsident im Frühjahr 2010 beschäftigt.  Vor allem wollte Lachnit den Prozess der Re-Akkreditierungen der neuen Studiengänge deutlich vereinfachen. So gestaltete er den für die Studienordnungen zuständigen Senatsausschuss um und sorgte für ein standardisiertes Verfahren. Mit Erfolg: Wurde früher im Senat über Studienordnungen stundenlang debattiert, so wurden beispielsweise im Dezember  2015 gleich 14 leicht erneuerte Studienordnungen in einer halben Stunde verabschiedet.

Der Bologna-Prozess sei für alle Beteiligten – Studierende, Lehrende und Verwaltungsmitarbeiter – mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden. Mittlerweile sei dieser Aufwand aber beherrschbarer geworden, so Lachnit. Gut sei, dass der Bologna-Prozess den Studierenden eine größere internationale Mobilität ermöglicht habe. Als entscheidenden Nachteil des neuen Studiensystems sieht Lachnit aber, dass das Studium in viele Einzelteile zersplittert sei.

Zudem gebe es einen permanenten Leistungsdruck. „Lernen erfordert aber auch, aus Fehlern zu lernen“, meint Lachnit im Gespräch mit der OP .

Spezialist für das Thema Lernen

Der Marburger Psychologie-Professor ist ein Spezialist für das Thema Lernen. So hat er jahrelang die Grundlagen des Lernens aus psychologischer Sicht erforscht. Diese Epertise habe ihm in seinem Amt als Vizepräsident für Studium und Lehre durchaus geholfen, schätzt Lachnit ein. Er habe in den zurückliegenden sechs Jahren sogar versucht, seine Erfahrungen und Kenntnisse bei der Alltagsarbeit in seinem Ressort umzusetzen. Dabei habe er auf flache Hierarchien und andauernden Informationsaustausch der Mitarbeiter in einer „lernenden Organisation“ gesetzt.

Aber auch persönlich hat Lachnit eigenen Angaben zufolge in seinem Präsidiumsamt viel gelernt. „Ich dachte vorher, ich weiß, wie die Uni tickt“, sagt Lachnit. Doch das habe sich als Irrglaube erwiesen. Vor allem beeindruckt haben ihn die Vielfältigkeit an der Uni und besonders die unterschiedlichen Formen, zu Lösungen zu kommen. Durch seine Präsidiumsarbeit sei  er zu einem besseren Überblick  und einem echten Verständnis der Hochschule gelangt.

Vor allem die Reform der Lehrerbildung sieht Lachnit als wichtiges Thema für sein Ressort in den kommenden Jahren. Dabei müsse die Uni Marburg ihre Stärke in der universitären Ausbildung von Gymnasiallehrern gezielt ausbauen.

„Die Universität wird Professor Lachnit als Vizepräsident sehr vermissen“, sagte Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause auf OP-Anfrage. Neben der Neuorganisation der Studiengangs-Planung habe er sich besonders bei der Einwerbung von zwei mit Millionensummen ausgestatteten großen Drittmittelprojekten – dem Qualitätspakt Lehre und der Qualitätsoffensive Lehrerbildung –  hervorgetan. „Wir schätzen auch seinen unerschöpflichen Humor“, sagt Krause. Bereits am Mittwoch kommender Woche  finden die Vizepräsidentenwahlen statt, bei denen auch die Lachnit-Nachfolge ansteht. Ab Ende Februar nimmt Lachnit wieder die Zusammenarbeit mit seiner Arbeitsgruppe im Psychologie-Institut auf.

von Manfred Hitzeroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr