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Leichter klappt‘s miteinander füreinander

Kleinwüchsige Leichter klappt‘s miteinander füreinander

Probleme im Alltag, Benachteiligungen bei der Jobwahl: Kleinwüchsige tauschten sich über ihre Situation aus.

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Die Teilnehmer des Treffens Kleinwüchsiger Menschen und ihrer Familien stellten sich zum „Familienfoto“ auf.

Quelle: Foto: Leonie Ruhland

Marburg. Denis Faubel ist 28 Jahre alt und kleinwüchsig. Er kommt gerade von einem langjährigen Aufenthalt in Spanien, weil er keine Lust mehr hat, dort in der Nachtschicht „versteckt“ zu werden. Doch auch in Deutschland läuft es nicht besonders gut. „Ich hatte 10, 15 Bewerbungsgespräche, die auch immer gut laufen. Mein Lebenslauf ist wohl interessant, aber danach bekomme ich immer eine Absage. Da fragt man sich natürlich warum.“

So geht es nicht nur ihm. Viele kleinwüchsige Personen haben es nicht leicht, ganz normal in die Gesellschaft integriert zu werden. Deshalb gibt es Organisationen wie den Bundesverband Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien (BKMF). Entstanden aus einer Elterninitiative feiert er in zwei Wochen sein bereits 25-jähriges Bestehen in Bremen.

Am Samstag fand ein Tagestreffen des Landesverbands Hessen (LKMF) im Kinderzentrum Weißer Stein statt. Hier gibt es Diskussionsrunden zum Thema Behindertenausweis und Führerschein, die Mitgliederversammlung, in der die neue Vorsitzende Karin Hoffmann gewählt wurde und einfach nur gemütliche Beisammensein, bei denen Erfahrungen ausgetauscht werden. „Die Selbsthilfe ist für mich ein wesentlicher Eckpfeiler in der Bewältigung und der Annahme des Kleinwuchses bei betroffenen Kindern“, sagt Hoffmann über die Organisation.

Ihre elfjährige Tochter ist kleinwüchsig. „Der Verein gibt Hilfestellung in verschiedensten Lebenssituationen, sowohl auf psychischer als auch auf medizinischer Ebene.“

In Marburg befindet sich die Gruppe dank dem langjährigen Mitglied Andrea Kappeller. Die Mutter von vier Kindern hörte vom BKMF zum ersten Mal im Radio. Zu dem Zeitpunkt dachte sie noch, der Kleinwuchs ihres Sohnes Tim wäre ein Ausnahmefall. „Ich habe dort dann sofort angerufen“, berichtet sie. Schnell entstanden Freundschaften, „meine normalwüchsigen Kinder hatten bald auch kleinwüchsige Freunde, mittlerweile habe ich eine kleinwüchsige Schwiegertochter.“ Der Verein sei inzwischen ihre Familie.

Für die Kinder wird während des Treffens ebenfalls stets ein umfangreiches Programm geboten.

Die Betreuung, die aus sowohl klein- als auch normalwüchsigen Jugendlichen besteht, organisiert Stationen in der Turnhalle, Eiermalen für Ostern oder Schwimmen in den Hallen, die der Weiße Stein zur Verfügung stellt. „Ich arbeite generell mit Kindern zusammen“, erzählt Rebecca, eine Betreuerin. „Mit Kleinwüchsigen ist das einfach nochmal eine ganz andere Erfahrung, das macht mir total viel Spaß.“ Und die Kids scheinen auch ihre Freude zu haben.

Zurzeit sind etwa 200 Mitglieder im Verein, um die 600 sind es bundesweit.

„Es ist ein bisschen Selbsthilfe, also jeder steuert etwas dazu bei“, so Hoffmann. Und nicht nur für ihre Tochter ist es ein Rahmen, der ihr die Möglichkeit gibt, völlig normal wahrgenommen zu werden.

„Das war halt meine erste Anlaufstelle für neue Freundschaften“, sagt Denis Faubel. Denn hier sind alle gleich, egal welcher Größe.

von Leonie Ruhland

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