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Lehrer und Schüler demonstrieren gemeinsam

Für bessere Bildung Lehrer und Schüler demonstrieren gemeinsam

Mehrere Hundert Schüler und Lehrer kamen am Mittwochmittag auf der Leopold-Lucas-Straße zu einer Demonstration für bessere Bildungs- und Arbeitsbedingungen zusammen.

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Jürgen Hahn-Schröder vom GEW-Gesamtpersonalrat spricht während der Lehrer-Demo in der Leopold-Lucas-Straße.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Wie funktioniert eigentlich eine Tarifverhandlung“ und „Tarifvertrag – warum?“ steht in großen Lettern auf bunten Karten, die mit Nadeln auf Infotafeln gepinnt sind. Die Infotafeln stehen aneinandergereiht in der Leopold-Lucas-Straße.

Davor stehen viele Schüler. Einer davon ist der dreizehnjährige Lennard Rinke, der gerade mit einer Lehrerin über die Inhalte eines ausgehängten Tarifvertrags diskutiert. „Dann läuft das also gar nicht so klischeehaft wie in den amerikanischen Filmen, so nach dem Motto: Sie sind gefeuert?“, fragt Lennard.

„Nein, das geht nicht“, antwortet die Lehrerin. „Es muss eine Kündigungsfrist eingehalten werden, und die ist im Tarifvertrag festgelegt.“ Lennard ist einer der vielen Schüler, die sich in den vergangenen Wochen intensiv im Unterricht mit dem Thema Streik auseinandergesetzt haben. „Im Fernsehen wird immer viel darüber gesprochen, aber ich habe vorher nie so ganz verstanden, worum es da eigentlich geht“, sagt der Elisabethschüler. Jetzt könne er nachvollziehen, warum die Menschen streiken.

Lehrer-Demo in der Leopold-Lucas-Straße in Marburg - Ulf Immelt. Foto: Thorsten Richter (thr)

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„Die Streiks sind gerade ein großes Thema an den Schulen, vor allem an den berufsbildenden Schulen, weil viele der Schüler davon betroffen sind“, weiß Hille Kopp-Ruthner, Personalratsvorsitzende und Lehrerin an der Kaufmännischen Schule Marburg (KSM). Sie berichtet von Auszubildenden, die ihre Überstunden nicht aufschreiben oder kein Urlaub nehmen dürfen. „Oft fragen sie dann uns Lehrer, was sie tun können.“

Und da gibt es eine ganze Menge. „Es ist uns wichtig, dass die Schüler sich mit der Politik auseinandersetzen und verstehen, dass die Entscheidungen in Wiesbaden auch sie betreffen und sie mitentscheiden können“, sagt Ulf Immelt vom Deutschen Gewerkschaftsbund Mittelhessen (GWB). Er ist sich sicher: „Mit konkreter Politik lernt man mehr über Politik, als in zehn Stunden Unterricht.“

GEW fordert mehr Geld und weniger Stunden für Lehrer

Zu der Demonstration aufgerufen hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie nutzte die Demonstration auch, um auf die Situation an den Schulen aufmerksam zu machen. „Alle reden immer von Bildung, aber sobald die Sonntagsreden vorbei sind und Montag ist, fehlt das Geld, müssen Kurse ausfallen, weil Lehrkräfte fehlen, fallen Gebäude auseinander. Das sind keine Bedingungen, unter denen man gut lernen kann“, kritisierte Immelt in seiner Rede und erntete von den etwa 500 Schülern und Lehrern tosenden Applaus.

„Das Recht zu streiken ist ein Grundrecht“, donnerte auch Veranstalter und GEW-Gesamtpersonalratsmitglied Jürgen Hahn-Schröder in seiner Begrüßungsrede. Er forderte die Anwesenden auf, an dem eintägigen Streik am kommenden Dienstag in Wiesbaden teilzunehmen. Mit dem Streik will die GEW neben einer Gehaltserhöhung eine einheitliche tarifvertragliche Arbeitszeit von 40 Stunden für alle Beamten und damit Reduzierung der Pflichtstundenzahl für alle Lehrer um eine Stunde bewirken.

von Ruth Korte

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