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Lehrer strampeln zu Schul-Standorten

Verbundschule Lehrer strampeln zu Schul-Standorten

Die Lehrer der neuen Verbundschule radeln täglich zwischen den Standorten Willy-Mock-Straße und Savignystraße hin und her. Weil der Andrang so groß ist, muss die Stadt neue Elektrofahrräder an-schaffen.

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Klaus Schäfer (links), Schulleiter der Friedrich-Ebert-Schule, Thomas Hesse, Schulleiter der Theodor-Heuss-Schule und Andrea Heinz vom Fachdienst Umwelt der Stadt, mit den neuen Elektrofahrrädern vor der Friedrich-Ebert-Schule.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Seit Schuljahresbeginn bilden die Friedrich-Ebert-Schule (FES) in der Uferstraße und die Theodor-Heuss-Schule (THS) in der Willy-Mock-Straße eine Verbundschule. Das bringe mit sich, dass jeder fünfte Lehrer aus dem über 70-köpfigen Gesamtkollegium zum Unterrichten zwischen den beiden Standorten pendeln müsse, schätzt Thomas Hesse, Schulleiter der THS. „Manchmal auch zweimal am Tag“, ergänzt Klaus Schäfer, Schulleiter der FES.

Seit der ersten Schulwoche standen daher zwei Elektrofahrräder zur Verfügung. „Das Angebot wird gut angenommen“, sagt Schäfer. „Und das liegt nicht an der Parkplatzproblematik“. Die Nachfrage ist so groß, dass ein Ausbau des Angebots nötig wurde - also schaffte die Stadt zwei weitere Räder an. Diese werden jedes Jahr vom Anbieter Movelo geleast.

Die Mietkosten betragen pro Rad mehr als 100 Euro. Doch da es jedes Jahr neue Räder gebe, lohne sich die Anmietung für die Stadt, „weil alles wartungsfrei und problemlos bleibt“, sagt Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne).

Ein Elektrofahrrad kostet in der Neuanschaffung etwa 2600 Euro. Die Schulen sollen die Räder zunächst bis zum 15. Oktober bekommen. Als Radsaison gilt die Zeit vom 15. April bis 15. Oktober. Sollte der Bedarf über diese Zeiträume hinaus hoch bleiben, würde die Stadt die Räder auch länger mieten - dann sinken die Kosten auf rund 75 Euro monatlich.

Namenssuche für Schule: Lehrer entscheiden

Indes entwickelt sich die Namensgebung der Verbundschule zur Hängepartie. Monate nach der Fusions-Entscheidung und vier Wochen nach Start des Schuljahrs ist weiterhin unklar, welche Persönlichkeit künftig für die Bildungseinrichtung Pate stehen wird. Klar ist: Theodor Heuss und Friedrich Ebert, welche bislang Namensgeber der beiden Schulen waren, verschwinden aus der Marburger Schullandschaft.

Die Stadtverwaltung sieht die Namenlosigkeit noch gelassen - drängt aber auf eine baldige Entscheidung. „Vorschläge sollten schon noch in diesem Jahr gemacht werden“, sagt Dr. Kerstin Weinbach (SPD), Schuldezernentin. Allerdings halte sich der Magistrat aus der Suche heraus, wolle keine Ideen einbringen. „Wir überlassen das der Schulleitung und dem gesamten Lehrerkollegium. Die überlegen auch bereits, welche Namen oder welche Bezeichnungen in Frage kommen“, sagt sie. Ob die Schüler oder deren Eltern in den Findungsprozess eingebunden sind, wisse sie nicht. Fakt ist: „Die Schule braucht eine neue Identität“, sagt Weinbach. Gerade deshalb befürworte sie, dass an Ort und Stelle nach Möglichkeiten geforscht werde.

Den Vorschlag, der in den kommenden Wochen aus Ex-THS und Ex-FESkomme, werde der Magistrat nicht verwerfen, sondern ihm zustimmen und auch in der Stadtverordnetenversammlung zur Annahme empfehlen.

Protest könnten Frauenrechts-Aktivisten formulieren. Zuletzt keimte Kritik auf, dass für die Stadtgeschichte wichtige Frauen bei Straßennahmen und Denkmälern übergangen werden.

Die neue Verbundschule nach einer weiblichen Top-Persönlichkeit zu benennen, könnte diesen Vorwurf entkräften. In der Verwaltung existiert eine Liste von 45 Marburger Promi-Frauen samt Lebensläufen und Leistungen, um deren Ehrung zu rechtfertigen. Eine der Favoritinnen ist Else von Behring. Doch dürfte dieser Name für die neuformierte Schule ausgeschlossen sein, da es in der Oberstadt bereits eine Behringschule gibt.

von Björn Wisker und Manfred Schubert

Standpunkt: Schule Namenlos

Meine Mitschüler und ich waren stolz – und sind es zum überwiegenden Teil heute noch – Martin-Luther-Schüler zu sein. Wir maßen uns bei Bundesjugendspielen oder Stadtmeisterschaften mit dem „Phille“, der „E-Schule“ oder anderen. Im Schulbus, der uns in den Dörfern einsammelte und in die Stadt karrte, saßen wir nicht nach Herkunftsort sortiert, sondern nach Schule. Insofern funktionierte unsere Schule so ähnlich wie ein Sportverein: Wir waren froh, dazuzugehören. Das Ganze hätte ohne Namen nicht funktioniert. Schule Namenlos? Geht nicht! Insofern ist es ein schweres Versäumnis, um nicht zu sagen ein Armutszeugnis des Schulträgers, also der Stadt, der zusammenwachsenden Schule nicht längst eine gemeinsamen Namen gegeben zu haben. So schwer ist es ja nun nicht. In einer Zeit, in der Doppelnamen zur Normalität geworden sind, wäre ein Name, der an zwei angesehene Staatsoberhäupter erinnert, sicher hochakzeptiert. Wie wäre es mit Heuss-Ebert-Schule?

von Till Conrad

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