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Lehrer nutzen Fußball-WM für Lern-Motivation

Lehrerausbildung Lehrer nutzen Fußball-WM für Lern-Motivation

Fußball im Unterricht: In einem neuen Projekt greifen Marburger Lehramtsstudenten in Schulen das Thema Fußball anlässlich der derzeit laufenden Weltmeisterschaft auf. Ziel: Die Begeisterung nutzen, um zu lernen.

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Teresa Jäger, Victoria Storozenko und Julia Kröger . Foto: Björn Wisker

Marburg. Fan-Kultur und Integration, Fifa und Korruption, Gewalt und Rassismus: 45 angehende Lehrer beschäftigen sich aktuell in einem Universitäts-Seminar mit vielen Themen rund um den Fußballsport. „Die WM ist ein Mega-Ereignis, an dem niemand vorbeikommt. Darüber spricht auch in Marburg jeder wochenlang, das Thema ist also lange omnipräsent“, sagt Victoria Storozenko. Die 39-Jährige ist Ideengeberin und Seminarleiterin des Projekts, das im Fach „Deutsch als Fremdsprache“ an der Uni angeboten wird. Das Ziel: „Ich will jungen Menschen besondere Anreize schaffen, sie für das Lernen begeistern.“ Und dafür brauche es leidenschaftliche Lehrer und solche, die den Job machen wollen - so, wie Teresa Jäger, Julia Kröger und Cathrin Gernegroß.

Schüler beim Thema Fußball Feuer und Flamme

„Fußball als Aufhänger-Thema, das ist für Lehrer und Schüler eine leichte Ebene der Begegnung. Es reißt jeden irgendwie mit, auch diejenigen, die der Sport eigentlich gar nicht interessiert“, sagt die 23-jährige Jäger. „Mit Fußball erreicht man sehr viele Leute. Doch leider gab es bisher an der Universität in diesem Bereich nichts für Pädagogen, dabei kann man gerade bei und mit solchen Anlässen gut und effektiv arbeiten“, ergänzt die 22-jährige Julia Kröger. Denn: „Geht es um Fußball, sind die Schüler gleich Feuer und Flamme.“

Die Ideen, wie sich Fußballthemen in den Unterricht - in Projektwochen wie auch im regulären Lehrplan - einbinden lassen, sind vielfältig. Schüler können im Französisch-unterricht etwa anhand von Lebensläufen verschiedener Profis herausfinden, wie ein afrikanischer Junge zum Fußballstar wird - oder wie dubiose Talente-Entdecker gegen Bezahlung reihenweise Jugendliche ins Land schleusen, die dort, entgegen aller Versprechen, nie eine Chance auf einen Profivertrag, aufs Geldverdienen bekommen.

Es geht nicht ums Kicken, es geht um Inhalte

Der wöchentliche Sportunterricht könnte mal mehrsprachig durchgeführt, grundlegende Bewegungen des brasilianischen Kampfkunsttanzes Capoeira eingebaut werden.

In Gesellschaftskunde-Stunden lässt sich indes über die Proteste der brasilianischen WM-Skeptiker sprechen, um zu zeigen, dass offenbar nicht jeder von dem Großereignis profitiert. Auch kann der Blick auf Katar, wo 2022 die Weltmeisterschaft ausgetragen werden soll, gerichtet werden.

Storozenko will jedenfalls über alle Facetten des Fußballs „Kontroversen in den Klassenräumen erzeugen.“ Erprobt wird der Fußball fokussierte Themen-Mix derzeit vor allem in neunten und zehnten Klassen. Vor allem das Philipinum in der Leopold-Lucas-Straße unterstütze die Herangehensweise der angehenden Lehrer, sagt Storozenko. Die meisten Seminarteilnehmer nutzen die Inhalte für Unterricht im Schulfach Politik und Wirtschaft, aber auch in Englischstunden binden viele das ein, was sie bei Storozenko lernen. Kurios: Als das Seminar im Vorlesungsverzeichnis auftauchte, erkundigten sich reihenweise Sportstudenten nach der Veranstaltung. Dabei stehen Lernmethoden und Stoff-Vermittlung im Fokus. „Es geht ja nicht ums Kicken, sondern um Inhalte drum herum“, sagt Storozenko.

Ein Projektbestandteil: Schüler sollen, etwa über Präsentationen, ein Planspiel zur Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft gestalten.

von Björn Wisker

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