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Lehrer halten sich auf Facebook zurück

Soziale Medien und Schule Lehrer halten sich auf Facebook zurück

Soziale Medien halten auch im Unterricht immer häufiger Einzug. Doch wie ist es zu bewerten, wenn Lehrer Hausaufgaben über Facebook versenden? Einige Marburger raten davon ab.

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Ein Schüler bei der Registration auf der Facebook-Seite. Marburger Lehrer sehen den Kontakt zu Schülern auf sozialen Netzwerken eher kritisch.Foto: Peter Gassner

Marburg. Jüngst sorgte ein Beschluss aus Rheinland-Pfalz für Aufsehen. Demnach sollen Lehrer nicht mehr mit ihren Schülern über Facebook kommunizieren und sich dort über Unterrichtsinhalte oder private Informationen, wie etwa Noten austauschen. Auch in den meisten anderen Bundesländern werden diese Facebook-Freundschaften kritisch gesehen. Baden-Württemberg schränkte im Juni die Nutzung der Social Media-Plattform durch Lehrpersonen stark ein und in Rheinland-Pfalz sind diese Freundschaften nun ein komplettes Tabu. Nach Auffassung des rheinland-pfälzischen Kultusministeriums sollten Schulen das rechtswidrige Verhalten Dritter, in diesem Fall Facebook, das nicht nach deutschem Recht handele, nicht auch noch unterstützen.

Doch wie sehen Marburger Lehrer und Schüler die Angelegenheit? Tanja Schütt, Lehrerin an der Elisabethschule erkennt zumindest Vorteile bei der Verwendung von Facebook.

Sie ist der Meinung, dass die Nutzung für die Schule sinnvoll und gut sei, wenn sich die Schüler freiwillig bei Facebook angemeldet haben. Man solle es handhaben wie zum Beispiel auch bei Klassenfotos oder Telefonlisten. Sobald ein Schüler oder Elternteil dagegen sei, solle man es unterlassen. Andernfalls könne sie durch das Medium sicher gehen, dass alle Schüler die Informationen bekämen. Ohnehin würden die Jugendlichen morgens noch mal in ihr Facebook-Postfach schauen.

Schulleiter sind skeptisch

Kritischer sieht es hingegen ihr Kollege Lars Perle. Persönliche Angaben, die die Schule beträfen, sollten seiner Ansicht nach nicht an ein gewinnorientiertes Unternehmen weitergegeben werden. Durch die schulische Nutzung werde ein Gruppenzwang erzeugt, der die Schüler zur Preisgabe persönlicher Informationen bringe. Mit diesen Daten bezahlten die Minderjährigen schließlich die Mitgliedschaft, ohne sich der Konsequenzen dabei bewusst zu sein. Zudem führten Facebook-Freundschaften zwischen Schülern und Lehrern zu einer ungleichen Behandlung zwischen Schülern die mit dem Lehrer „befreundet“ seien und denen die es nicht sind.

Vom Schulleiter gibt es allerdings keine offiziellen Anweisungen. Laut Tobias Meinel sei es „im Moment kein Thema, denn in Hessen gibt es ja kein Verbot“. Dennoch seien ihm die „Gefahren der sozialen Netzwerke“ bewusst. Er selbst habe „Freundschaftsanfragen von Schülern immer abgeblockt“. Ähnlich sieht es Karl Goecke, Leiter der Martin-Luther-Schule, wählt aber einen anderen Ansatz.

Er setzt auf eine eigene Plattform, die von der Schule für Kommunikation angeboten wird. Dort könne sich jeder Schüler und jeder Lehrer ohne Angaben von persönlichen Daten einloggen und miteinander in Kontakt treten. Auch Philippinums-Schulleiter. Wolff-Dieter Stein erachtet die „Freundschaft“ zwischen Schülern und Lehrern ebenfalls als „nicht sinnvoll“. Allgemein sollte es derartigen Kontakt seiner Ansicht nach nicht geben. Doch auch an seiner Schule gebe es keine Anweisungen an die Lehrer.

Keine offizielle Position

Aber auch bei den Philippinums-Schülern selbst besteht Skepsis. So findet etwa der 14-jährige Schüler Frederic, dass persönliche Informationen, wie Namen, Noten, oder Adressen auf Facebook nicht vertraulich genug behandelt würden. Sein 13-jähriger Mitschüler Philipp ergänzt, dass „die Privatsphäre der Schüler dadurch eingegrenzt“ werde. Ergänzend zum Unterricht könne es sinnvoll sein, da Schüler ohne Facebook so auch nicht unbedingt ausgegrenzt würden, doch hält er „Freundschaften“ mit Lehrern insgesamt nicht für ratsam.

Trotz der eher vorsichtigen Haltung unter den Betroffenen gibt es laut Schulamtsdirektor Bernhard Drude keinen allgemein für den Landkreis geltenden „Diskussionsstand“. Bei einem möglichen Verbot dürfe es auch „keinen Schnellschuss geben“.

Persönlich glaubt er aber, dass es „etwas mit Professionalität und Rollenbewusstsein zu tun“ habe und Lehrer daher zurückhaltend im Umgang mit Schülern auf sozialen Netzwerken sein sollten.

von Peter Gassner und Lino Haupt

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