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Lebenshilfewerk übernimmt Dorfladen

Ortsbeirat Lebenshilfewerk übernimmt Dorfladen

Viel Kritik, Emotionen, Kundenärger. Während der Debatte über den Michelbacher Dorfladen wurden aber immer wieder auch diplomatische Töne angeschlagen.

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Der Betreiberwechsel beim Dorfladen ist bei der Ortsbeiratssitzung Michelbach das große Thema gewesen.

Quelle: Ina Tannert

Michelbach. Der Dorfladen in neuen Händen. Seit dem 1. September ist das Lebenshilfewerk Marburg-Biedenkopf neuer Betreiber des „Lädchens für alles“. Der Verein übernahm die Leitung, nachdem der Vertrag zwischen dem ehemaligen Betreiber Neue Arbeit Marburg und Partner Tegut kürzlich ausgelaufen war.

Dieser Anlass sorgte während der Ortsbeiratssitzung am Dienstag für einen kritischen Rückblick auf die vergangenen Jahre sowie die Zukunftsfähigkeit des Lädchens.

Während einer ausführlichen Debatte machte sich der aufgestaute Frust mancher Kunden wie auch der Geschäftspartner Luft.

Dorfladen trägt sich nicht

Der Dorfladen stehe auf der Kippe und „trägt sich momentan definitiv nicht“, überraschte etwa Manuela Herz, Tegut­Vertriebsberaterin des Ladens, die Anwesenden. Nach wie vor arbeite das Geschäft nicht kostendeckend und gelte bei den Michelbachern nicht als fester Anlaufpunkt zur Nahversorgung.

Der Laden sei „nur für die vergessene Tüte Zucker da“, betonte Herz. Dabei sei das Geschäft von der Angebotspalette her ein Vollversorger. Den Großteil ihrer Einkäufe erledigten die Einwohner jedoch außerhalb, eine umfassende Identifikation mit „ihrem Laden“ fehle im Stadtteil.

Dass der Integrationsbetrieb keinen Gewinn einfahre, sei normal, doch es sei nicht tragbar, dass noch Geld drauf-gezahlt werden muss, machte die Vertriebsberaterin deutlich. „Es muss ein Ruck durch Michelbach gehen“, damit der Laden in Zukunft Bestand haben könne.

Die deutlichen Worte irritierten den Ortsbeirat; bisher waren die Mitglieder von normalen, gering schwankenden Umsatzzahlen ausgegangen. Dass die Lage jedoch so dramatisch sei, sei ihnen nicht bewusst gewesen, das Feedback des früheren Betreibers habe eher ein positives Bild gezeichnet, zeigte sich unter anderem Ortsvorsteher Peter Aab überrascht. Auch Ortsbeiratskollege Peter Klein ärgerte sich über die plötzliche Vorhaltung des Partners. Es sei „eine Unverschämtheit, die Schuld nur bei den Michelbacher Bürgern zu suchen“, betonte Klein. Weder Tegut noch der ehemalige Betreiber habe den Ortsbeirat beizeiten auf Probleme aufmerksam gemacht. Viel eher sei nach außen ein falsches, zu positives Geschäftsbild suggeriert worden. Daneben habe es in der Vergangenheit wiederholt Probleme im Dienstleistungsbereich des Betriebes gegeben.

Poststelle zeitweise unbesetzt

Unter anderem sei die Poststelle während der Öffnungszeiten nicht besetzt gewesen sowie Lieferservice und Kommissionsvereinbarungen nicht eingehalten worden, berichteten anwesende Bürger. Dies solle nicht wieder vorkommen, betonte Roland Wagner, Vorstandsmitglied des Lebenshilfewerks.

Nach einer umfassenden Diskussion und Klärung der vergangenen Reibungspunkte richteten die neuen Partner den Blick nach vorne und versprachen eine stärkere Kooperation und die künftige Einhaltung der Geschäftsverträge.

„Wir wollen als neuer, zuverlässiger Partner Konstanz in den Laden bringen und sind offen für konstruktive Kritik“, erklärte Roland Wagner. Der neue Betreiber will den Dorfladen als Beschäftigungs-, Qualifizierungs- und Ausbildungsprojekt erhalten. Auch in Zukunft soll der Integrationsbetrieb die Nahversorgung am Standort sicherstellen sowie Arbeitsplätze für benachteiligte und Menschen mit Behinderung schaffen. Ziel sei es auch, das Lädchen zu einem festen Teil der Gemeinde zu machen sowie das Geschäft als dörflichen Treffpunkt und Ort der Begegnung zu stärken. Zu diesem Zweck hoffe der neue Betreiber auf eine enge Kooperation und Unterstützung der Kunden wie auch der örtlichen Vereine und des gesamten Ortes.

von Ina Tannert

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