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"Lass doch einfach mal das Auto stehen"

Fahrraddemo "Lass doch einfach mal das Auto stehen"

Mit rund 130 Radfahrern kamen am Samstag weniger Teilnehmer als erwartet zur Abschlusskundgebung der „Tour der Natur.

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Die Fahrraddemo in Marburg fand nicht auf der B 3, sondern teilweise daneben statt – hier am Krummbogen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Keine Autobahn - lasst uns lieber Fahrrad fahr‘n“ sangen die Teilnehmer akustisch untermalt durch Pfeifen und Fahrradklingeln. Trotz des Verbotes zur Fahrt auf der Stadtautobahn ließen sich die Radler der „Tour der Natur“ ihre gute Laune nicht nehmen. Dabei fiel ihre Zahl deutlich geringer aus, als vorher erhofft. „Dadurch, dass wir nicht auf die Autobahn dürfen, wird es garantiert weniger“, vermutete der Sprecher der Marburger Bürgerinitiative Stadtautobahn, Hannes Kleinhenz, schon vor dem Start. Er sollte Recht behalten.

Fahrraddemo - Marburg, 10.August 2013

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Gerade einmal rund 40 Personen hatten sich am Landratsamt versammelt und vereinigten sich mit leichter Verspätung um 14.30 Uhr an der Cappeler Straße mit den 80 verbliebenen Tour-Teilnehmern. In der Spitze sei die Tour mit knapp 200 Menschen unterwegs gewesen, so Wolfgang Schuch, einer der Organisatoren. An der Strecke sei noch der ein oder andere hinzugekommen, sagte Schuch, so dass es letztlich rund 130 Radfahrer in Marburg gewesen seien. Die „Tour der Natur“ war am 27. Juli in Stuttgart gestartet. Am Ziel, dem Marburger Marktplatz, wurden sie durch Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) empfangen, der sich einigen kritischen Fragen ausgesetzt sah. Dennoch verlief die Diskussion rund um die Stadtautobahn und die allgemeine Fahrradfreundlichkeit der Stadt sachlich und ohne große Emotionen.

„Autofrei zu leben ist auch etwas, das wir in Marburg diskutieren“, sagte Vaupel und gestand, dass „wir noch viel für den Radverkehr zu tun haben“. Das Demonstrationsverbot auf der B3 sei erfolgt, da die Beeinträchtigung des innerstädtischen Verkehrs sowie der Rettungswege zu groß gewesen wäre. Es sei allerdings eine Ehre, dass Marburg Zielort der Tour sei, so Vaupel, der sich zu einer kleinen Gesangseinlage überreden ließ. Zur Melodie von „Marmor, Stein und Eisen bricht“, sang er mit einem aus Teilnehmern bestehenden Chor: „Lass doch einfach mal das Auto stehen“. Die Tour-Veranstalter kündigten auf der Kundgebung außerdem an, in den nächsten Jahren erneute Versuche zu unternehmen, auf der B3 fahren zu können. „Es wird keine demonstrationsfreie Zone bleiben“, so Schuch. Aktivisten von Greenpeace Marburg machten auf das Bienensterben aufmerksam zu machen. An den letzten beiden Tagen hatten die Aktivisten die Tour begleitet und die Räder mit gelben Luftballons bestückt.

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion waren sich die Marburger Landtagskandidaten in den meisten Fällen einig. Bis auf CDU-Politikerin Rosemarie Lecher, die sich auf eine Studie bezog, nach der langsamer fahrende Lkws mehr Lärm verursachen würden, waren alle Parteivertreter der Meinung, dass Tempo 80 auf der Stadtautobahn sinnvoll sei.

Christoph Ditschler (FDP) schränkte jedoch ein, dass man dies erst einmal ein Jahr testen sollte, da er aktuell wenig vom Tempo 80 wegen der Baustelle spüre. Beim Flüsterasphalt und in der Frage nach der Untertunnelung, beziehungsweise Einhausung der B3 waren alle unter dem Vorbehalt der Finanzierung dafür. Unterschiedliche Auffassungen gab es lediglich in der Einschätzung der Realisierbarkeit und über die möglichen Wege zur Finanzierung.

von Peter Gassner

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