Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Larifari-Kurse: Volkshochschule unter Druck

Bildung Larifari-Kurse: Volkshochschule unter Druck

Die Besucherzahlen an Marburgs VHS bröckeln seit Jahren. Waren es 2007 noch rund 14 300 Kursteilnehmer, sank die Summe um rund 15 Prozent auf zuletzt 12 400. Die Preise für Kurse sollen trotzdem klettern.

Voriger Artikel
Madsack überlässt einen Presseplatz der FAZ
Nächster Artikel
Nonne bleibt für acht weitere Jahre Uni-Kanzler

Trotz der sinkenden Besucherzahlen ist die Volkshochschule rund um Leiterin Kirsten Fritz-Schäfer (l. ) und Udo Engbring-Romang für ihre Top-Leistungen in der Erawchsenenbildung mit einem Zertifikat ausgezeichnet worden. Foto: Björn Wisker

Marburg. Lachyoga-Prinzip, Lebenskrise-Hilfe, karibische Tänze: Der Bund der Steuerzahler Hessen kritisiert die Bildungseinrichtung für einige Seminare. Der Verband wittert zu viele Freizeitangebote und unfundierte Lehrinhalte im Kursprogramm. Der Verband spricht von Larifari-Kursen, von „fragwürdigen Angeboten auf Kosten der Steuerzahler, die nicht vom Bildungsauftrag gedeckt sind“, sagt Sprecher Moritz Venner vom. Und in der Tat steigen die Zuschüsse der Stadt: 430 000 Euro wird die Kommune in diesem Jahr voraussichtlich nachschießen müssen. In 2012 waren es 396 000 Euro. Dass die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben vom Steuerzahler geschlossen werden müsse, sei „nicht hinnehmbar“.

Larifari-Kurse? Einspruch von Ulrike Pickert. Sie ist die Kursteilnehmer-Vertreterin, eine Art Klassensprecher im Vhs-Beirat. „Die Vhs achtet darauf, dass die Kursleiter eine Ausbildung haben, fundierte Inhalte anbieten“, sagt sie. Das bestätigt Professor Wolfgang Seitter, Erziehungswissenschaftler an der Uni Marburg,: „Auf den ersten Blick erschließt sich der Nutzen von Malen, Töpfern oder Rückenschulung nicht. Aber es gibt auch sekundäre Bildungseffekte, und die sind wichtig“, sagt er. „Unser Auftrag ist es nämlich auch, die Marburger mit Aktivitäten zusammenzubringen“, sagt Kirsten Fritz-Schäfer, Vhs-Chefin.

Die Schulleitung sieht die Abwärtsentwicklung ohnehin entspannt: „Die Besucherzahlen sind auch abhängig von den Wochen, die für Unterricht zur Verfügung stehen. In einem Jahr können es 28 sein, im anderen 29 oder 30“, sagt Edith Pfingst, Sprecherin der Stadt.

Preise sollen steigen, die Zuschüsse klettern auch

Trotz des Negativtrends plant die Vhs im Semester 2013/2014 höhere Preise. Allerdings werden auch die Honorare leicht erhöht, wie die Stadt mitteilte. Außerdem sollen die Ermäßigungen stabil bleiben. Der Preisaufschlag beziehungsweise die Überprüfung der Preise geschehe „turnusmäßig alle zwei Jahre“, sagt Pfingst. Dabei wird das Kursangebot jedoch immer schmaler. Waren es vor wenigen Jahren noch mehr als 1000 Angebote, sind es aktuell noch 928. Ein Kursleiter bekommt laut Honorarordnung für 45 Minuten Unterricht bis zu 24 Euro. „Zurückgegangen sind aber vor allem Kurse, die andere Institutionen in der Schule anboten“, sagt Ulrike Pickert. Ein Problem ist, dass immer weniger Studenten sich für die Angebote interessieren. „Die Universität bietet mittlerweile ihrerseits sehr viel an. Und für die Studenten sind die Dinge dann oft kostenlos“, sagt Pickert.

Dennoch: Gerade der Gesundheitsbereich locke weiterhin viele junge Leute in die Volkshochschule. Der Sektor Sprachen boome zudem seit Jahren in allen Altersklassen. Bleibt das Finanzierungsproblem: Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgabe geht laut Seitter zwar weiter auseinander. Doch sei kein öffentliches Angebot so stark über Gebühren re-finanziert wie die Vhs. Theater, Schwimmbad - überall müsse die Kommune mehr Geld zuschießen als in die Vhs. „Bildung kostet eben. Auch solch eine dezentrale Grundversorgung mit breitem Angebot“, sagt er.

Konzepte, den Besucherschwund zu stoppen, etwa neue, junge Zielgruppen zu erschließen gibt es unter anderem mit dem Projekt Kulturkarawane. Aber: „Die Vhs ist in erster Linie eine Weiterbildungseinrichtung für Erwachsene, nicht für Kinder und Jugendliche“, sagt Edith Pfingst. Es gebe andere Bildungseinrichtungen, die sich speziell den Bedürfnissen junger Leute verpflichtet fühlen. Derzeit seien elf Prozent der Kursteilnehmer, vor allem im Sprach- und Gesundheitssektor, Kinder, Jugendliche und Studenten. „Im Vergleich zu anderen Schulen geht‘s uns noch gut. Auch, da wir nicht unter Kürzungen leiden“, sagt Fritz-Schäfer.

von Björn Wisker

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr