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„Langsames Wachstum“ vorgesehen

Vitos-Bebauung „Langsames Wachstum“ vorgesehen

Am Mittwochabend ging es nicht nur um das Vitos-Gelände. Stadtplaner Reinhold Kulle und Bernd Nützel informierten die 100 Zuhörer auch über das Wohnraumversorgungskonzept der Stadt.

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Vitos Bürgerveranstaltung. Engelhardt.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Wir möchten Ihnen heute unsere Beweggründe über das Wohnraumversorgungskonzept vorstellen“, sagte Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) über den Aufstellungsbeschluss für die dritte Änderung des Bebauungsplans Nr. 10/1 auf dem Areal zwischen Cappeler Straße und Friedrich-Ebert-Straße des Klinikgeländes.

Marc Engelhard, seit 2012 Geschäftsführer von Vitos Gießen-Marburg, betonte, „die Planung des Wohnraumkonzepts begleitet mich seit meinem ersten Tag“.

Im Mittelpunkt des seit 1872 ununterbrochen baulich genutzten Geländes stehen vor allem Menschen, die wegen Krankheit und sozialer Benachteiligung medizinische und therapeutische Versorgung benötigen. Dementsprechend möchte sich die Vitos-Gesellschaft in der Universitätsstadt auf die acht Hauptgebäude des Parks „in den Kernbereich zurückziehen“, sagte Engelhard.

Für die Zukunft plane Vitos deshalb neben dem Neubau der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Verlegung des Schwesternwohnheims auch einen „Gesundheits-Campus“ auf Höhe der Cappeler Straße mit niedergelassenen Ärzten. Bei der möglichen Veräußerung des von Roteichen bewachsenen Teilstückes möchte Vitos in vier Phasen eine Parkumgestaltung realisieren.

Zuerst stehe der soziale Wohnungsbau entlang der Friedrich-Ebert-Straße an, so Engelhard. Im Anschluss sollen das medizinische Versorgungszentrum und der weitere Wohnungsbau im Inneren folgen. „Das Gelände wird nicht sofort stark verändert, wir wollen ein langsames Wachstum“, betonte der Vitos-Geschäftsführer. Die Nutzung von Haus 13 zur Unterbringung von Flüchtlingen über einen zweijährigen Zeitraum für rund 40 Personen sei derzeit geplant.

Befürchtung: mehr Lärm und Kohlendioxid

Stadtplaner Reinhold Kulle erklärte in seiner anschließenden Lichtbildpräsentation, dass „das Konzept einen Rahmenplan darstellt und als Leitlinie für ein künftiges Wohnraumversorgungskonzept gedacht ist“. Mit verstärktem Fokus auf den geförderten Mietwohnungsbau sollen in Marburg zusätzlich benötigte 300 Wohnungen bis zum Jahr 2020 gebaut werden. Zudem müsste für die Unterbringung von Flüchtlingen dieselbe Anzahl an Wohnungen zusätzlich bereitgestellt werden. Zwischen 2013 und 2015 seien 1260 Wohneinheiten im Stadtgebiet entstanden oder befänden sich noch in der Bauphase. Kulle verwies schließlich auf die Schaffung von flexiblem und barrierefreiem sozialem Wohnungsbau als städtische Zielsetzung.

„Wir haben in den vergangenen Jahren kein Wohnraumkonzept umgesetzt, das nicht kritisch von außen beleuchtet wurde“, sagte Kahle und verwies damit auf das Bürgerbegehren zum „Erhalt des Vitos-Parks“. Stadtplaner Bernd Nützel verdeutlichte den Besuchern der Info-Veranstaltung das freiraumplanerische Entwicklungskonzept, das auf dem Vitos-Gelände neben der Errichtung von Sozialwohnungen und Stadtvillen mit Tiefgaragen auch die Rodung des Roteichenbestandes vorsieht.

„Der Bebauungsplan gibt zwar das Baurecht, baut aber nicht“, sagte Nützel. Die Vitos GmbH setze deshalb nach eigenem Ermessen die Baumaßnahmen um. Agendagruppen-Vorsitzender Gerhard Haberle erkundigte sich in der anschließenden Diskussionsrunde, ob auch die Veräußerung des Teilstückes um den Stadtbalkon durch Vitos vorgesehen sei. „Diese Fläche werden wir nicht verkaufen oder bebauen“, versprach Engelhard.

Engelbert Posor, ehemaliger gärtnerischer Pfleger des Parkgeländes, bejahte das geplante Bauvorhaben, betonte jedoch, dass sich dadurch das Parkzentrum nach oben Richtung Stadtbalkon verschiebe. Als Ausgleich müsse dafür oberhalb der Kirche eine vernünftige Park-Struktur geschaffen werden.

Der Richtsberger Reinhold Wind hingegen befürchtet, dass sich aufgrund der möglichen Baumaßnahmen die Kohlendioxid- und Lärmbelastungen für Anwohner und Vitos-Patienten „erheblich verschlechtern werden“. Besonders für die Schüler der nahegelegenen Anna-Freud-Schule und Kinder der Kita „Julienstift“ sahen einige Zuhörer eine Freiraumeinschränkung während und nach der geplanten Wohnraumerrichtung auf dem Gelände. „Wir haben leider nicht so viele Freiflächen, Parkflächen oder asphaltierte Flächen, die wir zur Bebauung nutzen können, um der Wohnungsbaufrage Herr zu werden“, sagte Kahle am Ende der Veranstaltung.

von Arnd Hartmann

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