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Lange Haft für Bankräuber

Aus dem Landgericht Lange Haft für Bankräuber

Das Landgericht Marburg hat einen 37-Jährigen zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren und zehn ­Monaten verurteilt.

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Der 37-jähriger Bankräuber wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Quelle: Thorben Wengert / pixelio.de

Marburg. Der psychische Schaden, den der 37-jährige Bankräuber hinterließ, war wohl enorm. Mit Zittern in der Stimme schilderte ein Bankangestellter vor Gericht: „Ich hatte Todesangst und dachte, dass ich sterbe.“ Bis heute plagten ihn Albträume und er hätte überlegt, den Beruf zu wechseln. Am 8. Juli hatte der 21-Jährige direkt in die Mündung einer vermeintlich geladenen Pistole geblickt. Der Waffenträger wollte nur eins – das Geld im Banktresor.

Diskussionen um den Tathergang gab es bei der Gerichtsverhandlung nicht. Der Angeklagte hatte sich kurz nach der Tat zu dem Bankraub bekannt. So ging es nur um die Länge der Haftstrafe für die räuberische Erpressung, die eine Haftstrafe von drei bis zehn Jahren vorsieht.

"Geld her, und das ist kein Spaß"

Am Vormittag des 8. Juli betrat der Angeklagte eine Bankfiliale in Marburg mit gezogener Softairwaffe, von einer echten Schusswaffe kaum zu unterscheiden, und rief „Das ist ein Überfall! Geld her, und das ist kein Spaß“. Dabei richtete er die Waffe auf zwei Bankangestellte – eine 22-jährige Frau und ein 21-jähriger Mann – und forderte bares Geld. Beide gaben während der Verhandlung an, vor Angst „wie gelähmt“ gewesen zu sein, die Waffe für eine echte Pistole gehalten zu haben und immer noch unter dem traumatischen Erlebnis zu leiden.

Ein dritter Bankangestellter händigte dem 37-Jährigen wenig später rund 6600 Euro aus, mit denen der Bankräuber das Kreditinstitut verließ. Weit kam er jedoch nicht, denn rund zehn Minuten nach dem Überfall wurde er von der Polizei gestellt. Widerstand leistete der Bankräuber bei seiner Festnahme unweit vom Tatort nicht. Allerdings richtete er eine ungewöhnliche Bitte an die Polizeibeamten. „Der Verdächtige sagte ‚Würden Sie mich bitte erschießen?‘ zu mir“, erinnerte sich ein Polizeikommissar.

Angeklagter wollte sich das Leben nehmen

Allzu sehr schien der 37-Jährige nicht an seinem Leben zu hängen. Ursprünglich hätte die Verhandlung vor dem Schwurgericht am Dienstag letzter Woche beginnen sollen, doch ein Suizidversuch des Angeklagten machte diesen Termin unhaltbar. Es war nicht das erste Mal, dass sich der gebürtige Kasseler das Leben nehmen wollte, sondern der dritte erfolglose Selbsttötungsversuch des Angeklagten innerhalb der vergangenen elf Monate.

Gesundheitlich angeschlagen, psychisch krank, arbeitsunfähig, ohne soziale Kontakte und waffenverliebt. So beschrieb der Bewährungshelfer des bereits straffällig gewordenen Angeklagten, der lange Zeit therapeutisch behandelt worden war, den 37-Jährigen. „Es gibt keine Menschen in seinem Leben. Er liest viel, schaut gerne Fernsehen, aber hockt aufgrund seiner Krankheit zuhause“, meinte der Bewährungshelfer, zu dem der Angeklagte scheinbar ein relativ vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut hatte. Der Angeklagte leide unter Gastritis, die ihn seine bisherigen Jobs gekostet habe, er lebe von staatlichen Leistungen.

Schulden waren das Motiv des Überfalls

„Mein Mandant hat mir gesagt, dass er schon lange mit dem Gedanken gespielt habe, eine Bank zu überfallen“, erläuterte Rechtsanwalt Peter Thiel. Motiv sei die Verschuldung von rund 3000 Euro aufgrund ausstehender Wohnkosten.
Der 37-Jährige gab sich während der achtstündigen Verhandlung wortkarg und redete nur, wenn der Vorsitzende ihn direkt ansprach. Angaben zum Tathergang machte nicht er, sondern Verteidiger Peter Thiel.  

„Hätten Sie sich persönlich bei den Zeugen entschuldigt, dann wäre das Urteil milder ausgefallen“, meinte Richter Gernot Christ und fügte hinzu: „Sie haben billigend in Kauf genommen, dass Menschen durch Ihr Handeln lebenslang traumatisiert werden. Das ist unhaltbar.“ Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

von Benjamin Kaiser

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