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Landwirte wollen mehr gelbe Ölfelder

Raps im Landkreis Landwirte wollen mehr gelbe Ölfelder

In knalligem Gelb präsentieren sich derzeit die Rapsfelder und erfreuen das Auge. Als „Allroundtalent“ ist Raps als wertvolle Vorfrucht und Viehfutter bei Landwirten, eher als Speiseöl bei den Verbrauchern beliebt. Die Bauern würden gern mehr davon anbauen.

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Über die Bedeutung des Rapsanbaus für die Landwirtschaft informierten Karsten Schmal, Vize-Präsident des hessischen Bauernverbandes (von links), Karin Lölkes, Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, die hessische Rapsblütenkönigin Nadine Krug, Heinrich Fritz-Emmerich, Vorsitzender der hessischen Erzeugergemeinschaft für Raps und Friedhelm Schneider, Präsident des hessischen Bauernverbandes.

Quelle: Ina Tannert

Leidenhofen. Alljährlich zur Zeit der Rapsblüte überziehen leuchtende Blütenfelder das Land. In diesem Jahr wurde die strahlend gelbe Pracht hessenweit auf einer Fläche von rund 63000 Hektar angebaut, das sind etwa 13 Prozent der gesamten Ackerfläche, teilte der hessische Bauernverband anlässlich der in voller Blüte stehenden Pflanzenpracht mit. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf bedeckt die bei Landwirten beliebte Pflanze rund 3700 Hektar.

„Raps ist äußerst wichtig für die Landwirtschaft“, betonte Verbandspräsident Friedhelm Schneider während der „Rapsblütenkonferenz“ auf dem Hof Fritz-Emmerich in Leidenhofen. Nach einer Rekordernte im vergangenen Jahr ging der Anbau 2015 um nur etwa zwei Prozent zurück, hält sich seit Jahren auf einem stabilen Niveau. Rapsanbau ist beliebt bei den Landwirten, sei nicht nur als sinnvolle Fruchtfolge auf den Feldern gut geeignet.

Noch rund zwei Monate können sich Naturbeobachter an der gelben Pracht erfreuen. Dann fallen die Blätter ab, die Stängel werden zu braunem, trockenem Stroh. Die Zeit der Ernte ist Ende Juli. „Raps wird zu 100 Prozent verwertet“, teilte Schneider mit. Die Körner haben einen Ölgehalt von rund 40 Prozent, der übrig bleibende Pressrückstand von 60 Prozent wird zu Rapsschrot und Tierfutter verarbeitet.

Pflanze mit vielerlei Nutzen

Die nach der Ernte anfallenden Stängel und Schoten verbleiben kleingehäckselt auf dem Feld zurück und dienen wiederum als organischer Dünger für die nachfolgende Fruchtart - in der Regel Winterweizen, der durch vom Raps erzeugte Nährstoffe profitiert und etwa zehn Prozent mehr Ertrag einbringt, erklärte der Leidenhofener Landwirt Heinrich Fritz-Emmerich, neuer Vorsitzender der hessischen Erzeugergemeinschaft für Raps.

Durch ein besonders tiefes Wurzelwerk beuge der Raps zudem Bodenerosionen vor. Wildtieren, insbesondere Hasen, Rehen und Vögeln bieten die Felder Schutz und Nahrung. Daneben ist Raps eine sehr gute Nahrungsquelle für Bienen, ein weiterer Vorteil der gelben Pracht, erklärte die hessische Rapsblütenkönigin Nadine Krug. Von einem Hektar Raps könne bis zu 100 Kilogramm Rapshonig erzeugt werden.

In den vergangenen Jahrzehnten erfreute sich der Raps steigender Beliebtheit, bei Landwirten und Verbrauchern gleichermaßen. „Raps ist die Ölpflanze Nummer eins in Deutschland“, betonte Schneider. Aus 4000 Kilogramm Raps presst eine Ölmühle etwa 1600 Liter Rapsöl oder Biodiesel. Etwa ein Viertel des bundesweit erzeugten Öls landet in der Nahrungsmittelindustrie, wird zu Margarine oder Speiseöl verarbeitet und in deutschen Haushalten zunehmend beliebter.

Rapsöl mit 40 Prozent Marktanteil

Längst hat Raps als am häufigsten gekauftes Speiseöl Sonnenblumen und Oliven den Rang abgelaufen. Im vergangenen Rekordjahr 2014 stieg der Marktanteil erstmals auf über 40 Prozent mit einer Verkaufsmenge von rund 80 Millionen Liter. „Das ist mal Werbung für die Landwirtschaft“, lobte Schneider.

Daneben sei das Öl nicht nur als klimafreundlicher Schmierstoff, Hydrauliköl, in Lacken, Kunststoffen und Kosmetika verwendbar, sondern vor allem als umweltschonender Biodiesel geeignet.

Bei Herstellung und Verwendung entstünden im Vergleich zu fossilem Diesel etwa 60 Prozent weniger klimaschädliche Treibhausgase. Der Absatz von Biodiesel sinkt jedoch stetig, dabei könnten mit den bundesweit erzeugten Mengen, abzüglich Speiseöl, theoretisch drei Millionen Pkws ein Jahr lang fahren, errechnete der Verband.

Landwirte wünschen sich mehr Anbaufläche

„Raps ist eine sehr wichtige Frucht und die größte Quelle an Bioenergiestoffen in Deutschland“, betonte auch Karin Lölkes, Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Marburg-Kirchhain-Biedenkopf.

Dabei wünschen sich die Landwirte von der Regierung allgemein mehr Anbaufläche. Im Landkreis lägen rund 50000 Hektar nutzbare Fläche dauerhaft brach - Land, das den Bauern, Verbrauchern wie auch der Natur von großem Nutzen wäre, sagte Karin Lölkes und kritisierte die agrarpolitischen Vorgaben zur Stilllegung von Vorrangflächen.

Eine Schutzfunktion sieht die Verbandschefin dabei nicht, „gute, schöne Natur entsteht erst durch organisierte Landwirtschaft, auf Dauerbrachen geht auch das Leben zurück“, betonte sie.

von Ina Tannert

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